PPM-Tochter in Osterwieck gerettet
Die Arsenfabrik in Osterwieck, im Hintergrund ist der Ort Stötterlingen zu sehen. Foto: Heinicke
Osterwieck. Was sich in den vergangenen Wochen abgezeichnet hat, ist mittlerweile in trockenen Tüchern: Die Arsen-Fabrik in Osterwieck, eine Tochter der insolventen PPM Pure Metals, ist verkauft.
Neuer Eigentümer wird die Beteiligungsgesellschaft Lafayette Mittelstand Capital aus Frankfurt am Main.
Lafayette war einer von mehreren Kaufinteressenten. Die Beteiligungsgesellschaft hat sich nach eigenen Angaben vor allem auf Mittelständler in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie benachbarten Regionen fokussiert.
Während die Mitarbeiter der PPM in Herzog Juliushütte in eine Transfergesellschaft wechseln sollen, um sich für neue Aufgaben zu qualifizieren, geht es für die Beschäftigten der PPM-Tochter in Osterwieck im Harzkreis weiter. Der Handelsregistereintrag stehe zwar noch aus, die Firma werde aber eigenständig als PPM Reinstmetalle Osterwieck mit allen Beschäftigten weitergeführt, erklärt Dr. Jan Freerks Riecken, der das Unternehmen mit Dr. Ulrich Kammer leiten wird, beide haben zuletzt die PPM geführt.
Riecken spricht von einer „gedämpften Freude“. Die Beschäftigten in Osterwieck würden auf die Mitarbeiter in Herzog Juliushütte schauen. „Wir alle hätten uns eine Gesamtlösung gewünscht“, betont Riecken. Warum war ein Verkauf inklusive der PPM an Lafayette nicht möglich? Bei einem hiesigen Investor wie der Beteiligungsgesellschaft hätte es schließlich nicht die außenwirtschaftlichen Bedenken wie bei Investoren aus China gegeben, die bei der PPM wegen militärisch relevanter Produkte formuliert wurden.
Eine Gesamtlösung sei für Lafayette nicht möglich gewesen, sagt Riecken. Der Investor sei erst vor drei Monaten als Interessent aufgetreten. Diese Zeit habe nicht gereicht, um für das Gesamtunternehmen ein „industrielles Konzept“ vorzulegen. Der Betrieb in Osterwieck sei zudem nicht defizitär.
In Osterwieck gehe es nun darum, „aus dem Produktionsstandort ein richtiges Unternehmen“ zu entwickeln. Dazu gehörten etwa Lohnabrechnung und Vertrieb. Zurzeit arbeiten rund 25 Beschäftigte in drei Schichten in der Arsenfabrik, künftig sollen es bis zu 30 sein. Die Osterwiecker Fabrik gehörte seit 2007 zur PPM. Ursprünglich war sie von der Astron AG gebaut worden, die aber kurz nach dem Start 2003 in die Insolvenz ging. Zuletzt ruhte die Produktion in Osterwieck, aber nicht wegen der aktuellen PPM-Insolvenz. Jedes Jahr im Sommer wird die Anlage zwei Wochen gewartet. Seit dem gestrigen Montag wird wieder metallisches Reinstarsen hergestellt, für das es nach Einschätzung von Ulrich Kammer weiterhin Bedarf gibt: „Wir haben noch keinen Corona-Effekt gespürt.“ Nach einem Spitzenjahr 2018 und einem schlechteren 2019 erwarte er wieder eine bessere Entwicklung.