Oskar the Explorer steht wieder im Hohen Weg
Der Tacho ihres Oldtimers zeigt knapp 20.000 Kilometer mehr an. Laura Krüger und André Weigelt haben Oskar the Explorer wieder sicher in Clausthal-Zellerfeld geparkt. Sie erzählen von ihrer nicht stressfreien Heimreise aus Griechenland. Foto: Privat
Clausthal-Zellerfeld. Ende gut, alles gut: Vor mehr als einem Jahr sind die Oberharzer Laura Krüger und André Weigelt mit ihrem selbst ausgebauten Oldtimer Oskar the Explorer zu einer Reise quer durch Europa aufgebrochen. Vor knapp einem Monat hat das Paar davon berichtet, dass es aufgrund der geschlossenen Grenzen in Griechenland feststeckte. Seitdem hat sich jedoch viel getan und die beiden sind mit ihrem Bus in den Harz zurückgekehrt.
Am Quarantänestrand in Griechenland sei die Situation für die beiden reiselustigen Deutschen in den vergangenen Wochen zunehmend ungewisser geworden. „Wir wollten nach Hause, aber wussten nicht wie“, schreibt Krüger. Darum hat sie mit ihrem Freund begonnen, die deutschen Botschaften in Bulgarien, Rumänien und Ungarn zu kontaktieren, um möglicherweise eine Transiterlaubnis zu erhalten. Die Rückmeldungen seien jedoch stets vage gewesen. Lkw durften die Grenzen für den Warenverkehr überqueren, aber den Harzern blieb es verwehrt, die Heimreise anzutreten.
Zeitgleich kontaktierten Freunde der Oberharzer, die sie auf der Reise kennengelernt hatten und die ebenfalls in Griechenland feststeckten, die deutsche Botschaft in Athen. Ein Mitarbeiter soll sinngemäß geschrieben haben, dass er auf solche Anfragen keine Lust mehr hätte und das Paar doch die letzten Flugverbindungen nach Deutschland nehmen sollte. Der Hinweis, dass die Fluggesellschaften zu diesem Zeitpunkt keine oder nur noch eingeschränkt Tiere transportierten, sei ignoriert wurden, und das, obwohl die beiden einen Hund dabei hatten. Umso überraschter war das Pärchen, als es am Ostersamstag eine Mail von der Botschaft aus Athen bekam. Diese ermittelte den Bedarf für eine Sonderfähre, damit in Griechenland gestrandete Camper nach Hause fahren können. Die Fähre sollte am nächsten Donnerstag, 16. April, ablegen und wurde von der französischen Botschaft organisiert. Die Genehmigung der griechischen Behörden stand jedoch noch aus, berichtet Krüger.
Obwohl sich das Paar sofort dort gemeldet hat, habe es bis einen Tag vor Abfahrt der Fähre gedauert, bis es neue Informationen erhalten hat. „Die Zwischenzeit war wie eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Nachdem wir tagelang minütlich unser Mail-Postfach aktualisiert haben, kam die erlösende Nachricht, dass wir die Fähre buchen können“, so die Camper.
Am Hafen traf das Paar dann auf drei Mitarbeiter der deutschen Botschaft, die es mit Mundschutz, Handschuhen und vielen Dokumenten für den Transit ausstatteten. Mit der Fähre erreichten Laura Krüger und André Weigelt Italien. Die Polizei eskortierte sie in einer Kolonne mit circa 100 Wohnmobilen, darunter Deutsche, Franzosen, Niederländer und Briten, bis zur Autobahn, erzählt Krüger: „Diese durften wir für den gesamten Transit, für den wir 24 Stunden Zeit hatten, nicht verlassen.“
Für das Paar waren es knapp 1300 Kilometer bis in den Harz. „Der Transit war gut organisiert und alles hat reibungslos geklappt“, sind sich die beiden einig. Was Krüger und Weigelt jedoch besonders in Erinnerung geblieben ist, sind die Grenzübertritte. „Vor einigen Monaten noch konnten wir ohne Kontrollen durch Europa düsen und auf einmal ist alles anders. An der österreichischen Grenze wurden wir von mehreren Polizisten und Militär erwartet, die Tonlage war ernst“, schildert Laura Krüger.
Als das Paar die deutsche Grenze passiert hat, seien sie freundlich begrüßt wurden, mit den Worten „Kommen Sie aus Griechenland?“ „Nach fünf Tagen Reise und mit vielen neuen grauen Haaren sind wir endlich angekommen: Da, wo unsere Reise vor etwas mehr als einem Jahr begann“, erzählt Krüger. Der Tacho zeige knapp 20.000 Kilometer mehr an. Mit vielen neuen Erinnerungen im Gepäck hat das Paar jetzt Zeit, die schönsten Ecken im Harz zu erkunden. „Und wer weiß, ob es für uns nicht bald wieder auf große Reise gehen kann“, hoffen die beiden. red/cok