Okertalsperre: Tiefster Stand seit 1981
Das alte Dorf Schulenberg, bevor das Tal geflutet wurde. Die Ruinen und Grundmauern der höher gelegenen Gebäude tauchen seit gut vier Wochen nach und nach auf.
Schulenberg/Hildesheim/Hannover. Die Okertalsperre ist jetzt nur noch zu 20 Prozent gefüllt und hat damit den tiefsten Wasserstand seit 1981 erreicht. Das bestätigten am Donnerstag die Harzwasserwerke (HWW) auf Anfrage der GZ.
Das Unternehmen mit Sitz in Hildesheim betonte zugleich, dass für die Trinkwasserversorgung noch beträchtliche Reserven im westlichen Harz bestehen.
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Der stetig sinkende Pegel des Stausees hat vor einem Monat erste Grundmauern von Alt-Schulenberg zum Vorschein kommen lassen. Mittlerweile ragt unter anderem das Restgemäuer eines versunkenen Gehöfts wie aus einer Mondlandschaft hervor. Das lockt natürlich immer mehr Neugierige an, doch die HWW warnen vor dem Betreten der Talsohlen. Der schlammige Boden mache nur oberflächlich einen trockenen Eindruck. Tatsächlich aber bestehe Gefahr, darin zu versinken.
Zuletzt war der Füllungsgrad der Okertalsperre Ende 2015, davor Ende 2011 unter die 25-Prozent-Marke gefallen. Den historischen Tiefststand erreichte sie Ende 1959. Damals war sie nur noch zu 12 Prozent gefüllt. „Das war die Folge eines sogenannten Doppeltrockenjahrs“, erklärt HWW-Pressesprecherin Marie Kleine. „Auf ein solches Szenario stellen wir uns gerade ein, auch wenn es nicht sehr wahrscheinlich ist, dass es eintritt.“ Die damalige Großwetterlage und die Vier-Wochen-Prognose hatten das Unternehmen Anfang November bewogen, verstärkt ein solches Ausnahmejahr ins Kalkül zu ziehen, bei dem auf einen trockenen Sommer ein trockener Winter folgt. Ziel ist es, auch in diesem schlechtmöglichsten Fall die Versorgungssicherheit von rund zwei Millionen Menschen in Niedersachsen zu garantieren, etwa durch Drosselung der Wasserabgabemengen in die Unterläufe der Flüsse.
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Unter Herausrechnung der nur noch zu 18 Prozent gefüllten Odertalsperre, die nicht der Trinkwasserversorgung dient, kommen die HWW bei den fünf weiteren Talsperren noch auf einen durchschnittlichen Füllungsgrad von 39,5Prozent. Das sei insbesondere nach der langen Trockenperiode „immer noch ein sehr guter Wert“. Freilich liege dieser deutlich unter dem langjährigen Mittel von 68Prozent um diese Zeit. Immerhin: Als zentraler Versorgungsspeicher ist die Granetalsperre derzeit noch mit 21,64 Millionen Kubikmeter Wasser und damit zu 47 Prozent gefüllt.
Das extreme Trockenjahr 2018 war am Donnerstag auch Thema der Tagung „Wasserversorgung – Herausforderungen und Perspektiven“ in Hannover. Das niedersächsische Umweltministerium hatte rund 170 Vertreter von Versorgungsunternehmen, Wasser- und Fachbehörden sowie Kommunen ins Gasometer von Enercity eingeladen, um über steigende Anforderungen der Wasserversorgung durch Klimawandel, demografische Entwicklung, Wasserentnahmerechte und Wasserqualität zu diskutieren.
Staatssekretär Frank Doods verwies dabei auf die Herausforderungen des Klimawandels für die Wasserversorgung. Die Zunahme von Extremwetterereignissen, Veränderungen der Niederschlagsverteilung und steigende Sommertemperaturen führten dazu, dass die Versorger häufigere und länger anhaltende Spitzenlastzeiten bewältigen müssen, gleichzeitig aber auch die Landwirtschaft mehr Wasser benötigt, um die Felder ausreichend zu bewässern.
„Übergeordnetes Ziel muss es daher sein, die niedersächsische und insbesondere die öffentliche Trinkwasserversorgung als maßgeblichen Bestandteil der Daseinsvorsorge langfristig sicherzustellen“ betonte der Umweltstaatssekretär.“ Um Versorgungsunternehmen, Kommunen und Fachbehörden bei der Bewältigung der wachsenden Herausforderungen zu unterstützen, erarbeite das Land Konzepte und Leitlinien, auf deren Grundlage wasserwirtschaftliche Planungen ausgerichtet werden können.
<p>Im Oktober 2007 jedoch hatte der Füllungsgrad der größten Westharzer Talsperre 99,9 Prozent erreicht, sodass Ruderer geneigt waren, bei der Passage die Köpfe einzuziehen. </p>