Notfalls fliegt bei Lisa Krödel auch mal der Schläger
<p>Hochkonzentriert bei der Sache: Lisa Krödel spielt mit 15 Jahren schon in der Regionalliga und kann sich jetzt auch Landesmeisterin nennen. Foto: Gietemann</p>
Für Lisa Krödel vom VfL Oker gab es bei den Tischtennis-Landesmeisterschaften in Dissen kein Halten mehr: Die 15-Jährige krönte ihre sensationelle Leistung mit dem Titel der Mädchenkonkurrenz.
„Ich hatte mir vorgenommen, dass ich die irgendwann mal gewinne“, erzählt die Schülerin, seit dieser Saison neu im Regionalliga-Team des VfL. Zunächst liefen die Titelkämpfe für die Landeskaderathletin mühelos, sie erreichte ohne Satzverlust das Finale. Im Endspiel lief sie aber plötzlich einem Rückstand hinterher: Gegen Niina Shiiba (Spvg. Oldendorf) fand die Linkshänderin nicht zu ihrem Rhythmus und lag mit 0:2 Sätzen hinten. „Ich war meganervös“, berichtet Krödel, die im zweiten Satz auch noch eine 10:8-Führung verspielte und aus Frust ihren Schläger durch die Gegend feuerte.
Das war das Signal für die Aufholjagd. Krödel stellte nun ihr Spiel um und griff mehr über die Vorhand an. „Das hat Niina aus dem Konzept gebracht“, sagt Krödel, die so noch die Wende schaffte. Mit ihrem Triumph löste sie auch das Ticket für die deutschen Meisterschaften der U18, die am 25. und 26. April in Westercelle ausgetragen werden. Im Doppel musste Krödel ihrer Einzelfinalgegnerin dann zum Sieg gratulieren: An der Seite von Finja Hasters (Union Meppen) unterlag sie dem Duo Shiiba/Nina Längert (SV Bawinkel).
Die Liebe für Tischtennis entflammte bei Lisa Krödel, die in Klein Lafferde (Kreis Peine) lebt, im Urlaub. Da stand eine Tischtennisplatte herum, an der sich die damals 7-Jährige versuchte und so viel Spaß hatte, dass sie gleich bei Viktoria Woltwiesche eintrat. Von da an ging es bergauf: Über die Stationen TSV Watenbüttel und RSV Braunschweig landete sie im Sommer in Oker. Der RSV war zuvor aus der Oberliga abgestiegen, und als Rudolf Ebeling aus der Tischtennis-Abteilung des VfL bei ihr nachfragte, ob sie sich einen Wechsel vorstellen könne, musste sie nicht lange zögern. „Ich habe mich sofort ganz wohl gefühlt.“
In der Regionalliga ist der Zeitaufwand noch einmal größer, obwohl er zuvor schon beträchtlich war, denn Krödel trainiert ohnehin viermal pro Woche im Landesleistungszentrum Hannover. „Da wird es manchmal schwer mit den Hausaufgaben“, erzählt sie. Auch da kommt künftig einiges auf sie zu: Im Sommer beendet sie die 10. Klasse an der Realschule Lengede und will dann auf ein Wirtschaftsgymnasium in Salzgitter wechseln.
Sportlich würde sie gerne irgendwann einmal in der Bundesliga spielen. Dazu wird sie ihre Schwäche bei hohen Bällen abstellen müssen. „Die kann ich gar nicht, und ich muss auch noch mehr auf meine Beine achten. Die Schläge sind aber schon ganz gut.“
Auch ihre Nerven hat sie inzwischen besser im Griff. „Früher habe ich mich mehr aufgeregt“, sagt Lisa Krödel. Notfalls aber fliegt auch mal der Schläger – ein probates Mittel, wenn danach der Landesmeistertitel herausspringt. grö/bga