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Harz-Wissen

Noch stehen fast 20 „Dicke Tannen“

Beliebtes Fotomotiv: die „Dicken Tannen“ vor 50 Jahren. Zu der Zeit gibt es noch weit mehr als 50 Bäume. Viele von ihnen haben dabei einen Stamm-Durchmesser von weit mehr als einem Meter. Die im Bild zu sehende einst stärkste Fichte steht allerdings nicht mehr.  Archivfotos: Schwarz

Beliebtes Fotomotiv: die „Dicken Tannen“ vor 50 Jahren. Zu der Zeit gibt es noch weit mehr als 50 Bäume. Viele von ihnen haben dabei einen Stamm-Durchmesser von weit mehr als einem Meter. Die im Bild zu sehende einst stärkste Fichte steht allerdings nicht mehr. Archivfotos: Schwarz

Hohegeiß. Es ist schon ein ganz besonderer Wald, der oberhalb des Wolfsbachs bei Hohegeiß gewachsen ist. „Für uns ist das ein Kleinod“, sagt Stefan Fenner, der Leiter des niedersächsischen Forstamtes Lauterberg. In dem Steilhang stehen unter anderem fast 20 sogenannte „Dicke Tannen“. Diese Fichten haben einen Durchmesser von teilweise mehr als einem Meter und sind immer noch eine Touristenattraktion und seit dem 25. Juli 1989 auch Naturdenkmal.

Freitag, 22.05.2020, 13:45 Uhr

1893 sind diese besonderen Fichten, die im Harz auch als Rottannen bezeichnet werden, erstmals markiert worden. 119 „Dicke Tannen“ stellten die Forstfachleute seinerzeit fest. Seit dem nahm die Zahl der Bäume ab, heute sind es noch 18 lebende, denen mittlerweile ein alter Feind neu zusetzt: der Borkenkäfer.

Zwar ist der Schädling nicht unbedingt im Mischwald unterwegs, aber die Population des fliegenden Insekts ist in den vergangenen Jahren stark angewachsen und macht mittlerweile auch nicht vor den „Dicken Tannen“ halt. „Aber die stärkeren von ihnen können sich gut gegen den Borkenkäfer wehren“, sagt der Forstamtsleiter. Die Rinde sei meist so dick, dass der Käfer Probleme habe, durchzustoßen.

„Und wenn man nach oben sieht, erkennt man leider auch einige tote Fichten“, sagt Fenner. Ohnehin hätten viele der Bäume ihr natürliches Höchstalter bald erreicht. Fichten würden bis zu 500 Jahre alt werden, und viele der Bäume gebe es bereits seit mehr als 400 Jahren. Als die „Dicken Tannen“ im 17. Jahrhundert gepflanzt wurden, gab es noch Wölfe am Wolfsbach und Wolfsberg, die ja auch ihren Namen von diesen Rudeltieren erhalten hatten. Der bislang letzte Wolf ist 1756 zwischen Hohegeiß und Zorge erlegt worden.

Der neue Hohegeißer Revierförster Florian Maak an einer der heutigen „Dicken Tannen“, die immerhin einen Durchmesser von fast einem Meter haben.  Foto: Eggers

Der neue Hohegeißer Revierförster Florian Maak an einer der heutigen „Dicken Tannen“, die immerhin einen Durchmesser von fast einem Meter haben. Foto: Eggers

Der Briefträgerweg, der das ehemalige Gasthaus „Dicke Tannen“ bis 1901 mit der ehemaligen Getreidemühle an der Wolfsbachmühle (heute eine beliebte Ausflugsgaststätte) verband, führte bereits lange entlang der starken Bäume vorbei. Mit Beginn des aufkommenden Tourismus vor mehr als 100 Jahren war ein weiterer Weg angelegt worden. Die „Dicken Tannen“ wurden zur Touristenattraktion und vor allem in den 50-er, 60-er und 70-er Jahren gibt es viele Fotos von Urlaubern, die sich im Kreis die Hand geben, um die Stämme gemeinsam umfassen zu können.

Mittlerweile ist es ein wenig ruhig um die „Dicken Tannen“ geworden. Seit die gleichnamige Ausflugsgaststätte vor mehr als zehn Jahren geschlossen worden ist, und die Bäume immer weniger geworden sind, scheint ein bisschen das Interesse der Urlauber nachzulassen, auch wenn Forst und Harzklub vor sechs Jahren die Brücke von der Wolfsbachstraße über den Wolfsbach zu dem Naturdenkmal erneuerten.

Wie diese Fichten so lange so unbehelligt wachsen konnten, ist nicht ganz klar. „Ich nehme an, dass ein Förster eine Vorliebe für diese Bäume hatte, und sie deshalb nicht fällen ließ“, sagt Stefan Fenner.

Normalerweile werden Fichten im Wirtschaftswald, und darum handelt es sich in diesem Bereich, nur so um die 120 Jahre alt, erklärt er. „Irgendwann dürften die Stämme aber dann für die nachfolgenden Generationen so dick gewesen sein, dass sie nicht mehr so ohne Weiteres gefällt werden konnten“, meint Fenner.

Und auch die Sägewerke seien heute wie damals nicht auf so dicke Bäume ausgelegt gewesen. „Deshalb konnten sie dann halt wohl stehen bleiben“, nimmt er an. Zudem sei das Fällen von Bäumen in dem steilen Gelände ohnehin nicht ganz leicht. Diese Probleme hatte die Forst auch vor 20 Jahren, als sie neun der abgestorbenen Fichten aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht fällen musste.

Altersschwach: Viele der „Dicken Tannen“ überstehen den einen oder anderen Herbststurm nicht mehr und fallen.

Altersschwach: Viele der „Dicken Tannen“ überstehen den einen oder anderen Herbststurm nicht mehr und fallen.

Der Durchmesser der Stämme sei zu groß gewesen. „Deswegen konnten die Bäume nicht einfach per Säge gefällt werden“, sagt der zuständige Revierförster Florian Maak. Um die dicken Stämme zu Fall zu bringen, mussten sie gesprengt werden. „Das ist zwar ein ungewöhnlicher Weg, passiert aber ab und an“, erklärt Fenner. Das Forstamt arbeite dabei gut mit dem Technischen Hilfswerk zusammen, das in diesen Fällen meist eine ihrer Übungen in den Wald verlagere.

Und auch die Zusammenarbeit mit dem Harzklub bezeichnete der Forstamtsleiter als sehr gut. Im Fall der „Dicken Tannen“ haben die ehrenamtlichen Helfer des Zweigvereins Hohegeiß dafür gesorgt, dass vor 20Jahren ein neuer Weg durch die „Dicken Tannen“ angelegt worden ist. Der Wanderweg durch das Naturdenkmal war seinerzeit auf die Alte Bobbahn verlegt worden. Diese Sportstätte ist nach 1900 errichtet worden und war davor eine Wegverbindung zwischen Hohegeiß und Zorge.

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