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Neo Rauch trifft auf seinen Vater

„Rondo“ heißt das Werk Neo Rauchs, das jetzt in der Ausstellung „Vater und Sohn“ in Aschersleben zu sehen ist.  Foto: Uwe Walter

„Rondo“ heißt das Werk Neo Rauchs, das jetzt in der Ausstellung „Vater und Sohn“ in Aschersleben zu sehen ist. Foto: Uwe Walter

Aschersleben. Die Grafikstiftung in Aschersleben präsentiert in der Ausstellung „Vater und Sohn“ Bilder von Neo Rauch und erstmals Werke des früh verstorbenen Hanno Rauch.

Von Oliver Stade Freitag, 20.05.2016, 17:43 Uhr

Die Grafikstiftung in Aschersleben eröffnet in dieser Woche eine bewegende Ausstellung. Erstmals überhaupt werden öffentlich Arbeiten des 1960 verstorbenen Künstlers Hanno Rauch zu sehen sein. Hanno Rauch ist der Vater des international gefeierten Künstlers Neo Rauch. „Vater und Sohn“, so lautet der Titel der Ausstellung, die an diesem Samstag am östlichen Harzrand eröffnet wird.

Neo Rauch, dessen traumhaft scheinende Bilder meist ein Geheimnis verbergen, hat zu den 50 Arbeiten seines Vaters Grafiken, Zeichnungen und großformatige Werke geschaffen. Es ist eine Spurensuche, eine Entdeckungsreise und eine Annäherung an den Vater, den er nie kennengelernt hat.

Hanno Rauch begann 1959 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig zu studieren. Neo Rauchs Mutter Helga Wand studierte Buchgestaltung in Leipzig. Als die Kunststudenten im Alter von 21 und 18 Jahren beim Zusammenstoß zweier Züge bei Leipzig-Mockau starben, war Neo Rauch einen Monat alt. Er wuchs bei den Großeltern in Aschersleben auf.

Eines der Hauptwerke aus der Ausstellung „Vater und Sohn“ trägt den Titel „Stellwerk II“. Die surreal anmutende Szene in der für Rauch typischen Farbigkeit und mit den beinahe comichaften Figuren zeigt einen Mann und eine Frau, die die Gesichtszüge von Neo Rauchs Eltern tragen. Der Vater hält einen Menschen wie ein Baby im Arm; doch der Körper sieht aus wie der eines Heranwachsenden und das Gesicht wie das eines Mannes. Zwischen Vater und Mutter drängt sich eine Figur mit geisterhaft verzerrtem Gesicht, die auf einer wackeligen und zerbrechlichen Vase balanciert.

Die Frankfurter Allgemeine hat das Werk vorige Woche in seinem freitags erscheinenden Magazin auf die Titelseite gehoben und die Ausstellung in Aschersleben mit einem Atelierbesuch bei Neo Rauch in Leipzig gewürdigt.

Für Neo Rauch war früh klar, dass er Maler werden will. Arbeiten seines Vaters hingen in der Wohnung seiner Großeltern. Sie förderten ihn, er bekam Zeichenunterricht. Schließlich begann er 1981 Kunst zu studieren, wie sein Vater in Leipzig.

Gibt es Gemeinsamkeiten in den Arbeiten von Vater und Sohn? Im Stil sicher nicht, zumal Hanno Rauch noch am Anfang seiner künstlerischen Ausdrucksfähigkeit stand.

Die Kunstexpertin der Frankfurter Allgemeinen erkennt dennoch Ähnlichkeiten. In „der atmosphärischen Verdichtung, in melancholischen Landschaften oder kargen Gebäuden“ finde der Betrachter den Sohn wieder, schreibt sie mit kenntnisreichem Blick.

Die Ausstellung in der Grafikstiftung Neo Rauch in der Wilhelmstraße 21-23 ist bis zum 30. April 2017 zu sehen. Internet:

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