Mit dem Molkenhaus steht die nächste Waldgaststätte leer
Das Molkenhaus oberhalb von Bad Harzburg steht seit gut einem Jahr leer – ein Hausmeister kümmere sich laut Dieter Färber um den Erhalt der Gaststätte. Foto: GZ-Archiv
Bad Harzburg. „Bis auf Weiteres geschlossen“ heißt es auf der Internetseite, dem Anrufbeantworter und an der Tür des Molkenhauses. Im traditionsreichen Ausflugslokal wird seit einigen Tagen niemand mehr bewirtet, die bisherigen Pächter Beate Menz und Sabi Said haben den Gastronomiebetrieb eingestellt und werden das Molkenhaus verlassen.
Sprechen mochten sie über die Hintergründe mit der GZ nicht. Aber in einem Aushang danken sie nicht nur für Treue und Zusammenarbeit, sondern erklären auch das Ende ihrer Tätigkeit im Molkenhaus: „Zu personellen und kleinen gesundheitlichen Schwierigkeiten schlichen sich finanzielle mit ein. Und trotzdem ‘kämpft’ man und hofft auf bessere Zeiten. Ehe man sich versieht, kann man nicht mehr allen Verpflichtungen nachkommen – so auch den Verpflichtungen gegenüber unserer Verpächterin. Die letztendliche Konsequenz, die wir daraus zu tragen haben, ist nun eingetreten und wir ‘dürfen’ gehen – zwölf Jahre Zusammenarbeit sind nicht genug“, heißt es in dem Schreiben.
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Im Jahr 2007 hatten Beate Menz und Sabi Said das Gasthaus übernommen und damit ein traditionsreiches Erbe angetreten. Denn bereits im Jahr 1883 war das 1665 als Nachtlager für die Kuhhirten erbaute Molkenhaus zur Raststätte für Wanderer ausgewiesen worden. Bei Landwirt Otto Reuß konnten sich Brockengänger mit Milch, Zucker, Zimt und Brot stärken. Otto Reuß war es auch, der das Molkenhaus binnen weniger Jahre zur bekanntesten Hotelpension im Harz machte, der den Wintersport vorantrieb und mit der Wildfütterung begann.
Bis 1973 führten die Nachfahren von Otto Reuß die beliebte Ausflugsgaststätte weiter, weil aber die Ausstattung des Hauses nicht mehr den modernen Ansprüchen der Gäste genügte, verließ die Familie das Haus. Das „alte“ Molkenhaus wurde letztlich im Dezember 1973 auf Anordnung der Forstverwaltung niedergebrannt. Drei Jahre später wurde nördlich des Hasselteiches das „neue“ Molkenhaus errichtet. Die Initiative für den Neubau war von Manfred Kaetz ausgegangen, der die Wanderstation mit seiner Familie bis 2006 betrieb.
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Zur Zukunft des Hauses gibt es keine Informationen. Daniel Färber, Geschäftsführer der ehemaligen Molkenhaus Gaststätten GmbH, wollte auf Nachfrage der GZ keine Auskunft geben. Die Molkenhaus Gaststätten GmbH war laut Handelsregister 2011 in die Baltic Appartments GmbH übergegangen, deren Geschäftsführer Färber ist.
Das Molkenhaus ist schon das zweite renommierte Harzburger Ausflugslokal, das nun leer steht. Denn für das Kästehaus über dem Okertal sucht die Forstverwaltung weiter nach einer Perspektive. Interessenten für den Betrieb der Gastwirtschaft gebe es nach wie vor, versichert Michael Rudolph als Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten im Bereich Clausthal.
Doch zunächst einmal wolle die Forst prüfen, mit welchen Auflagen und welchen Kosten ein Umbau des Hauses – oder auch ein Neubau verbunden wäre. Abriss und Neubau sind zumindest eine Option, sagt Rudolph. Da es sich aber mitten im Wald keineswegs um eine „normale“ Baustelle handeln würde, hänge vieles auch von behördlichen Genehmigungen ab. Das soll intern geklärt werden, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Fest steht bisher nur eines: „Eine Neueröffnung in 2019 wird nicht mehr klappen“. Spätestens ab 2020 soll die Käste aber als Gasthaus wieder am Start sein.