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Mit dem Knüppel fing alles an

Mit dem großen Bumerang hat Peter Lorenz zum ersten Mal geworfen. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr hinzu –  er kauft sie und er baut sie.  Foto: Potthast

Mit dem großen Bumerang hat Peter Lorenz zum ersten Mal geworfen. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr hinzu – er kauft sie und er baut sie. Foto: Potthast

Bad Harzburg. Psychologe Peter Lorenz ist vom Bumerang-Virus infiziert. Mehr als 400 Wurfgeräte hat er bislang gesammelt. Er ist im „100-Meter-Club“ und hat Meistertitel bekommen.

Donnerstag, 20.08.2015, 18:01 Uhr

Nimmt er einen Bumerang in die Hand, weiß er, wer ihn entwickelt, wer ihn gebaut hat, wie er heißt. Peter Lorenz ist Bumerang-Werfer und -sammler seit Anfang der 80er Jahre – mit Pause. Mehr als 400 der Sportgeräte sind in seinem Besitz. Viele davon hat er selbst produziert.

Ein Buch, ein Bumerang, beides vor rund drei Jahrzehnten als Geschenk für seinen Sohn. „Wir haben es ausprobiert und waren wenig erfolgreich damit“, so Peter Lorenz. Daher wurde beides wieder weggelegt. Drei, vier Jahre lang blieb der Knüppel, wie er das große hölzerne Wurfgerät mittlerweile nennt, außer Acht.

Während eines Gespräches mit einem Studenten, Peter Lorenz war als Psychologe Studentenberater an der Universität in Hannover, kam er wieder auf das Thema: Der Mann war nämlich Bumerangwerfer. Im nächsten Österreich-Urlaub hatte Peter Lorenz den Knüppel dabei. „Drei Stunden lang hat’s gedauert, bis ich ihn zum ersten Mal zurück bekam.“

Das war es dann. Er hatte sich das Bumerang-Virus eingefangen. Denn Werfen und Fangen bringen Flow-Erfahrung: Völlige Vertiefung in das Tun, das wie von selbst läuft. Glückshormone werden freigesetzt. „Ich versuche, das Virus seit 23 Jahren loszuwerden, aber ohne Erfolg.“ Er ist einfach schon zu sehr damit verbunden. Anfang der 90er Jahre wurde er Mitglied der Werfergruppe Wedemark im Deutschen Bumerang Club. Außerdem ist er im „100-Meter-Club“. „Darauf bin ich ganz stolz.“ Nur, wer, mehr als diese 100 Meter wirft, wird aufgenommen. Peter Lorenz schaffte 107. Im Jahr 2008 war das, er war bereits 66. Titel als Deutscher Seniorenmeister hat er auch eingeheimst.

Aber nicht nur das Sportliche und die Wirkung reizen Peter Lorenz. Es ist auch die Produktion von Bumerangs. Jeder Mensch hat seine eigene Art zu werfen, und der kann man mit Marke Eigenbau entsprechen. Sogar den Knüppel hat er noch mal aufgelegt. „Ich fand, der war verbesserungswürdig.“ Übrigens: „Alles, was vorne rund und hinten flach ist, fliegt.“ Sogar Katzen und Herzen. Auf den Schliff kommt es an, auf die Abwurfhaltung – schräg sollte sie in der Regel sein – und auf die Lockerheit.

Trainingsort für Peter Lorenz ist der Platz des TSV Westerode. „Ich bin die Bumerang-Sparte im Verein.“ Vor ein paar Jahren konnte er noch die ehemalige Sportanlage im Stübchental nutzen. Doch die wuchs irgendwann einfach mit Grün zu. Der beste Flecken ist sowieso die Küste. „Da kommt der Wind unverwirbelt.“ Nicht geübt wird, wo Menschen und Tiere getroffen werden könnten.

Eine Regel, egal wo geübt wird: Keiner geht, bevor er nicht einmal gefangen hat. Fangmethoden sind unter anderem: Flach vor dem Bauch mit beiden Händen, unter dem Bein hindurch, hinter dem Rücken und mit den Füßen.

Seine Sportgeräte sind sortiert nach Wind – die mit Schlitzen und Löchern sind bei Starkwind einzusetzen – und Wettkampf-Disziplin – unter anderem Weitwurf, Ausdauerwerfen und als Königsdisziplin die Australische Runde. Unter den Bumerang-Werfern ist er verschrien als Preuße. Peter Lorenz listet all seine Stücke: Bei welcher Windstärke sie beispielsweise fliegen, vermerkt er, und ihr Gewicht.

Weswegen er das Virus gar nicht los werden kann: „Das Tolle am Bumerang-Sport ist, dass Erfahrungen sofort weiter gegeben werden.“ Da gebe es einfach keine Geheimniskrämerei unter den Werfern. Sein Wissen übermittelt er an Ferienpass-Kinder und andere, die ihn unter Telefon 780378 buchen. st

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