Mit Stock und Hund auf dem Jakobsweg
<p>Noch sind sie zu Übungszwecken in der Feldmark unterwegs. Doch in zwei Wochen werden Nadine und Luna auf dem Jakobsweg Kilometer machen. Foto: Ciszewski</p>
Bredelem. Nadine Vollbrecht aus Bredelem plant ihre Pilgerreise nach Santiago de Compostela mit einem Vierbeiner.
Der neun Kilo schwere Wanderrucksack steht schon gepackt im Hausflur, die Route von Burgos nach Santiago de Compostela ist abgesteckt – in zwei Wochen geht es für Nadine Vollbrecht aus Bredelem zum Pilgern auf den Jakobsweg.Damit die Tour garantiert zum tierischen Erlebnis wird, ist ihr Hund Luna mit dabei. Der Schäferhund-Mischling, den sie auch liebevoll als Senf-Hund bezeichnet („da hat jeder seinen Senf zugegeben“), wird auch einen kleinen Rucksack auf dem Rücken tragen. Gefüllt ist er mit Leckerli und kleinen Wanderschuhen, damit die Pfötchen sich auf der langen Strecke auf Asphalt- oder Schotterwegen nicht wund scheuern.
Rund 500 Kilometer sind in gut drei Wochen planmäßig zurückzulegen. „20 bis 25 Kilometer sollten wir dafür täglich schaffen“, gibt die 24-Jährige, die bei Elektroinstallateur Olbrich in Astfeld arbeitet, die Marschrichtung vor. Sie hat aber auch einige Ruhetage vorgesehen. Die Rückkehr ist für den 6. Juni geplant. Damit sich Hund und Frauchen auf die Strapazen einstimmen können, pilgern die Beiden bereits seit Februar an den Wochenenden zur Probe. „Ich habe dann den gepackten Rucksack auf, damit ich mich an ihn gewöhne“, erklärt Nadine Vollbrecht. Für Luna ist die Vorbereitung auch wichtig, damit sie ihre Ausdauer trainiert. Schließlich ist sie nicht mehr die Jüngste – bald wird sie sechs Jahre.
Auf den Wegen durch die Feldmark rund um Bredelem – meist bricht sie morgens auf und ist am Nachmittag zurück – sei sie schon einige Male von Spaziergängern auf den Jakobsweg angesprochen worden. „Die sprechen mich wegen der Jakobsmuschel auf meinem Rucksack an. Die gilt als Erkennungszeichen der Pilger“, erzählt sie.
Die Vorfreude wächst von Tag zu Tag. Los geht es am 6. Mai zunächst mit dem Auto bis Saarbrücken. „Da gibt es dann noch eine letzte komfortable Übernachtung im Hotel“, sagt sie. Am nächsten Tag geht es weiter nach Bordeaux, dort wird dann schon gezeltet. Tags drauf ist dann Santiago erreicht. Mit dem Mietwagen geht es nach Burgos, um von dort loszupilgern.
Das Zelt teilt sich Nadine übrigens mit Luna. „Das hat im vergangenen Jahr beim Urlaub in Schottland auch schon gut geklappt.“ Die Generalprobe in den Highlands hat sie erst auf den Geschmack gebracht. Ihr erster Trecking-Urlaub mit Hund hat ihr so gut gefallen, dass sie seit Oktober die Pilgerreise nach Spanien plant. Religiöse Gründe spielen für sie für die Reise keine Rolle. „Ich möchte einfach mal raus, die Freiheit genießen. Manchmal erdrückt einen der Alltag einfach. Ich möchte auf mich allein gestellt sein und mal so richtig Aufatmen können“, sagt sie. Das Zelten ist am Jakobsweg geduldet, mit Gaskocher werden die Mahlzeiten zubereitet. Die wenige Wäsche wird unterwegs mit der Hand gewaschen.
Wenn am Ende noch Zeit ist, möchte Nadine am Zielpunkt noch ein bisschen bleiben. Die Reise Revue passieren lassen, das Erreichte genießen. Und dann hat sie noch einen Traum. „Vielleicht schaffe ich es noch, an die Küste zum Kap Finisterre zu fahren. Dort auf dem Leuchtturm den Sonnenuntergang zu genießen, das wäre ein toller Abschluss“, sagt sie.