Mit Speed-Dating zum Traumberuf
Sigrid Strecke (li.) vom Familien- und Kinderservicebüro des Landkreises Goslar erklärt einer Arbeitssuchenden in kurzer Zeit die Anforderungen einer Arbeitsstelle beim Kreis. Foto: Pagenkemper
Goslar. In fünf Minuten zum neuen Mitarbeiter? „Das geht“, sagt Norman Frenzel. Der Pflegedienstleiter vom Haus am Harly ist einer der Arbeitgeber, die ihren Betrieb beim Speed-Dating präsentiert haben.
Bereits zum zweiten Mal bietet das Jobcenter Goslar arbeitssuchenden Eltern, deren Kinder in diesem Jahr eingeschult werden, eine Gelegenheit, in Kurzgesprächen neue Arbeitgeber kennenzulernen. Das alles findet im Rahmen des bundesweiten Aktionstages „Einstellungssache! Jobs für Eltern“ statt.
„Im letzten Jahr haben elf von 45 Menschen es geschafft, einen Job zu finden“, teilt Bereichsleiter Jürgen Reinert mit. Beim Speed-Dating am Donnerstag sind von 45 eingeladenen Eltern aber nur elf erschienen. „Das kann ich überhaupt nicht verstehen“, sagt Fidan Kücük und wundert sich.
Die Mutter möchte nach sechs Jahren Elternzeit unbedingt wieder eine Arbeit finden. „Ich will meinem Kind den richtigen Weg zeigen.“ Die 37-Jährige habe zuerst ein mulmiges Gefühl gehabt, das sich während der Gespräche jedoch schnell gelegt habe. „Hier wird man direkt so warmherzig begrüßt und fühlt sich erwünscht.“
Beim Speed-Dating haben Eltern und Arbeitgeber fünf Minuten Zeit, um sich einen ersten Eindruck vom Gegenüber zu verschaffen. Dann ertönt ein Klingeln, das den Wechsel ankündigt. „Wenn die Sympathie passt, kann das Gespräch aber auch mal länger dauern“, sagt Frenzel mit einem Lächeln. Eine Favoritin hat der Pflegedienstleiter bereits. „Wenn die Arbeitnehmerin Interesse hat, kann sie gleich nächste Woche anfangen.“ Zudem sei diese Art von Jobbörse sehr effizient. „Ich habe mit acht Leuten gesprochen. Hätte ich alle zu mir ins Haus eingeladen, wären acht Stunden weg“, erklärt er. Besser könnten diese zwei Stunden Speed-Dating nicht sein.
Zufrieden zeigen sich auch die sechs anderen Betriebe: Beka Hotel, Personalmanagement Harz, Habekost und Fichtner, Med-X-Press, Bildungswerk der Niedersächsischen Volkshochschulen und das Familien- und Kinderservicebüro des Landkreises. „Es wird immer schwerer, motivierte Menschen auf dem Arbeitsmarkt zu finden“, sagt Axel Bender vom Beka Hotel in Hahnenklee.
„Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist immer ein wichtiges Thema und gerade mit der Einschulung des Nachwuchses beginnt sowohl für die Kinder als auch für die Eltern ein neuer Lebensabschnitt, der als Startschuss genutzt werden sollte“, betont Andreas Dolle, Geschäftsführer des Jobcenters.
Nach dem guten Eindruck der Teilnehmer will die Geschäftsführung weitere Speed-Dating-Termine anbieten. „Wir wollen jede Chance für den Arbeitsmarkt nutzen“, so Dolle. Wenn der erste Eindruck stimmt, werde der Rest auch funktionieren. Und auf den ersten Eindruck kommt es ja bekanntlich immer an...