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Mansur Faqiryar: Ein Leben zwischen zwei Kulturen

Mansur Faqiryar vor der Kulisse der afghanischen Hauptstadt Kabul: Er will dort mit seiner Stiftung eine Sportschule für Kinder und Jugendliche aufbauen.  Foto: Knaus Verlag

Mansur Faqiryar vor der Kulisse der afghanischen Hauptstadt Kabul: Er will dort mit seiner Stiftung eine Sportschule für Kinder und Jugendliche aufbauen. Foto: Knaus Verlag

Eines vorweg: Goslar kommt in diesem Buch nicht besonders gut weg. Ein halbes Jahr stand Torwart Mansur Faqiryar im Jahr 2007 beim damaligen Fußball-Bezirksoberligisten GSC 08 unter Vertrag, aber viele positive Erinnerungen hat er nicht behalten.

Dienstag, 24.07.2018, 15:40 Uhr

Eines vorweg: Goslar kommt in diesem Buch nicht besonders gut weg. Ein halbes Jahr stand Torwart Mansur Faqiryar im Jahr 2007 beim damaligen Fußball-Bezirksoberligisten GSC 08 unter Vertrag, aber viele positive Erinnerungen hat er nicht behalten.

„In Goslar lernte ich viele tolle Leute kennen, aber insgesamt würde ich dieses Kapitel gerne vergessen“, schreibt der gebürtige Afghane in „Heimat Fußball“, eine Mischung aus Biografie, Sachbuch und politischem Statement. Am Ende kam er nur zu ein paar sporadischen Einsätzen und kehrte nach Bremen zurück. Dazu später mehr.

Denn vor allem hat das Buch durch den Rücktritt von Mesut Özil aus der deutschen Nationalmannschaft und die sich anschließende Rassismus-Debatte eine unerwartete Aktualität erhalten. Hier schildert einer, wie es ist, als Geflüchteter in Deutschland aufzuwachsen, was ein Leben zwischen zwei Kulturen für Auswirkungen mit sich bringt und welche Rolle der Fußball bei der Integration spielen kann.

Der heute 32-jährige Faqiryar kam im Alter von einem Jahr aus Afghanistan nach Deutschland, wuchs im Bremer Problemviertel Kattenturm auf und fand über den Fußball seinen Weg in die deutsche Gesellschaft. Sein sportlicher Weg führte ihn bis in die Regionalliga, überregionale Berühmtheit erlangte er, als er durch diverse Zufälle Torhüter der afghanischen Nationalmannschaft wurde und zu einem Volkshelden aufstieg.

Ein Hüftleiden beendete vorzeitig seine Karriere, nicht aber sein Engagement im Fußball. Neben seinem Studium kümmert sich Faqiryar um geflüchtete Jugendliche, die er über den Sport integrieren will. Zudem hat er eine Stiftung gegründet, um eine Sportschule in Afghanistan aufzubauen, die Kinder und Jugendliche aus dem ganzen Land zusammenbringen soll. Einer der ihm dabei geholfen hat, ist Alexander Nouri, einst Trainer beim Bundesligisten Werder Bremen.

Faqiryar plädiert in seinem Buch leidenschaftlich für Integration, fordert aber auch klare Regeln, wie er sie vom Fußball kennt. Wer diese nicht befolge, der werde verwarnt und notfalls ausgeschlossen. So einfach ist das, und doch so schwer, wenn verschiedene Lebensentwürfe aufeinanderprallen. Auch bei Mansur Faqiryar: Im Nachwort dankt er dem Allmächtigen, im Text bedient er sich bisweilen der viel diskutierten Gender-Schreibweise mit Sternchen (Geschäftsführer*innen).

Zurück noch einmal zu seiner Zeit in Goslar, die Stadt, „die mir nichts brachte, außer vielleicht wertvolle Lehren fürs Leben“. Neben dem Fußball jobbte Faqiryar in einem Parkhaus und geriet bei einem Rundgang mit einem jungen Pärchen, das sich in der obersten Etage herumtrieb, in ein Wortgefecht. Plötzlich zückte der Junge eine Pistole und hielt sie Faqiryar ins Gesicht. Wie sich herausstellte, war es eine unscharfe Waffe. Die Polizei schnappte den einschlägig bekannten Jugendlichen, sogar der Staatsschutz schaltete sich ein. Was aus dem Verfahren geworden ist, weiß Faqiryar bis heute nicht. Björn Gabel

Mansur Faqiryar, Heimat Fußball, Knaus Verlag, 20,- Euro

Mansur Faqiryar

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