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Rund 150 Gäste lauschen im Haus der Kirche dem Vortrag über Hans Christian Andersen. Fotos: Mühling

Rund 150 Gäste lauschen im Haus der Kirche dem Vortrag über Hans Christian Andersen. Fotos: Mühling

Bad Harzburg. Einen ganz besonderen literarischen Abend bescherten die Evangelische Seniorenbildung Bad Harzburg und die Deutsch-Dänische Gesellschaft als Veranstalter rund 150 Gästen im Haus der Kirche am Samstagabend. Detlef Stein, Kurator aus Bremen, und Cellistin Laura Moinian porträtierten Hans Christian Andersen als „Poet mit Feder und Schere“.

21.10.2019, 14:15 Uhr

Bad Harzburg. Einen ganz besonderen literarischen Abend bescherten die Evangelische Seniorenbildung Bad Harzburg und die Deutsch-Dänische Gesellschaft als Veranstalter rund 150 Gästen im Haus der Kirche am Samstagabend. Detlef Stein, Kurator aus Bremen, und Cellistin Laura Moinian porträtierten Hans Christian Andersen als „Poet mit Feder und Schere“.

Dass der Däne Hans Christian Andersen ein viel gelesener Märchenerzähler ist, der mit „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ oder „Die Prinzessin auf der Erbse“ Kinder wie Erwachsene faszinierte, ist den meisten bekannt. Dass er aber auch Zeichner war und Papierkünstler, dass er mit der Schere ganze Panoramen zauberte, wird vielen Zuhörern neu gewesen sein. Stein spannte nicht nur einen Bogen von Andersens ärmlicher, aber fantasievoller Kindheit bis hin zu seinem Tod, er faszinierte seine Zuhörer auch mit vielen interessanten Details. Ein sehr intensives und leidenschaftliches Porträt bot Stein seinen Zuhörern.

Kein Wunder, ist ihm das Thema auch eine „Herzensangelegenheit“. In Bremen kuratierte er in der Kunsthalle eine Ausstellung über den Künstler. Steins Vortrag mit Bildern, Zeichnungen und Scherenschnitten wechselte sich mit Cellopassagen der jungen Musikerin Laura Moinian ab. Die Cellistin wird demnächst mit dem Sinfonieorchester des bayrischen Rundfunks auf Tournee gehen. Sie führte ihr Instrument mit viel Gefühl und in sich versunkener Leidenschaft. Mal leise, mal temperamentvoll, aber immer authentisch.

Andersen schaffte es mit viel Mut und Entschlossenheit, aber auch mit einer Portion Dreistigkeit, wie Stein beschrieb, in Kopenhagen Fuß zu fassen. Er hatte viele Förderer und Unterstützer, probierte es am Theater, wurde aber erst als Schriftsteller erfolgreich. Dass er auf winzigen Papierstücken kleinformatige Skizzen anfertigte, wann immer er auf Reise war, war wenigen bekannt. Aus Angst vor einem Urteil zeigte er sie nicht. Mit seinen Scherenschnitten machte er dagegen Kindern wie Erwachsenen viel Freude.

Beim Vortragen seiner Märchen schnitt und faltete er zeitgleich und zauberte am Ende Figuren, Motive, ganze Bilder aus Papier. Ein Medium, dass er auf moderne Weise auch in seinen „aufregenden Collagenbüchern“ zum Leben erweckte. Er fügte Verse, Skizzen, Papierschnitte und viel mehr zusammen und schenkte die fertig geklebten Bücher seinen Patenkindern.

Andersen ist viel gereist. Rechnet man seine gesamte Reisezeit zusammen, sind es neun Jahre seines Lebens, die er unterwegs gewesen ist. Noch so ein interessantes Detail. Oder auch jenes, dass er erst mit gut 60 Jahren sein erstes eigenes Bett anschaffte und sesshaft wurde. Vorher lebte er immer bei Gastfamilien. In seinen letzten Lebensjahren war er von Zahnschmerzen geplagt, bekam Gicht und Krebs. Er starb 1875. In seinem Nachlass befanden sich Hunderte Zeichnungen und über 150 Märchen. Die Scherenschnitte aber hat er zeitlebens immer an Kinder, Freunde und Gastgeber verschenkt.

Detlef Stein blickt in Andersens Leben, Laura Moinian begleitet ihn musikalisch.

Detlef Stein blickt in Andersens Leben, Laura Moinian begleitet ihn musikalisch.

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