Lurchi fühlt sich im Kalten Tal wohl
<p>Im Kalten Tal findet der Feuersalamander gute Lebensbedingungen vor. Foto: Annette Westermann</p>
Bad Harzburg. Tiere rund um Bad Harzburg: Der Feuersalamander liebt kühles Wasser und feuchte Waldböden. Maßnahmen zu dessen Schutz scheinen zu greifen.
Wer bei einem Spaziergang durch das Kalte Tal aufmerksam Waldboden und Bach beobachtet, der könnte bald wieder auf einen der vielen Feuersalamander treffen. Noch ist es den Tieren ein bisschen zu kalt, meint Otfried Wüstemann, Salamanderexperte des Nationalparks Harz. Aber sobald es wärmer wird, kommen die Lurche aus den Wäldern und wandern an die Fließgewässer, um dort im Frühjahr ihre Larven abzulegen, sich aufzuwärmen oder Futter zu suchen.
Man erkennt sie an ihrer auffälligen gelben Rückenzeichnung, die potenzielle Fressfeinde abschreckt. Zu ihrem Schutz können sie ein Sekret absondern, das für kleinere Tiere giftig ist. Das Aussehen des Salamanders hat die Menschen früher zu vielen abergläubischen Vermutungen verleitet. So glaubte man zum Beispiel, der Feuersalamander könne Feuer löschen – daher auch sein Name.
Er ist in den tieferen und mittleren Lagen des Harzes und speziell im Kalten Tal noch weit verbreitet. Dort besiedelt er Laub- und Mischwälder, seltener Fichtenwälder. Die Waldtiere mögen es warm und feucht. Im Winter fallen sie in die Winterstarre und kommen erst im Frühjahr wieder hervor, um in Bächen und Teichen mit kühlem, sauerstoffreichem Wasser ihre lebenden Larven abzusetzen. Das Lebendgebären ist ein besonderes Merkmal dieser Art.
Feuersalamander wandern aber je nach Klima auch im übrigen Jahr von ihren Waldverstecken an die Gewässer, weiß Nationalpark-Ranger Marko Bodenstein. Zum Beispiel finde man im Sommer nach starken Regenfällen viele Tiere, die ihren „Raubzug“ nach Nacktschnecken oder Regenwürmern antreten.
Gefahren sind die Feuersalamander, wenn nicht durch Fressfeinde, dann doch durch Eingriffe in ihre natürlichen Lebensräume ausgesetzt. Eine Veränderung der Fließgewässer, zum Beispiel durch Aufstauung oder auch durch übermäßiges Aufräumen, schadet den Tieren, betont Wüstemann.
Die vermeintliche „Unordnung“ im Bach durch Steine, Laub oder Holz diene den Lurchen zur Ablage der Larven und fördere die Strukturvielfalt des Lebensraumes. Auch die von Zulieferern oder Bussen befahrene Straße Richtung Molkenhaus und Rabenklippe sei immer wieder „Unfallschwerpunkt“ gewesen. Die Tiere überqueren den Forstweg auf ihrer Wanderung vom Wald Richtung Gewässer.
Verschiedene Maßnahmen zum Schutz des Feuersalamanders haben die Niedersächsischen Landesforsten, die Naturschutzbehörde und der Nationalpark in den letzten Jahren durchgeführt. Die Wärme speichernde Teerdecke des Forstwegs wurde abgetragen, Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt und die Nutzung der Zufahrt zeitlich eingeschränkt.
Zudem wurden unter der Straße salamandergerechte Durchlässe eingebaut. Das habe die Lage laut Wüstemann schon erheblich entspannt. Darüber hinaus baut der Nationalpark die bestehenden Fichtenbestände in den oberen Lagen des Kalten Tals in Laubbestände um. Die Schutz- und Vorbeugemaßnahmen scheinen zu greifen. Bisher hat sich die Population der Feuersalamander im Kalten Tal jedenfalls gut gehalten, bestätigt Bodenstein.
Wissenschaftlicher Name: Salamandra salamandra
Verbreitungsgebiet: West-, Mittel- und Südeuropa, in Deutschland vor allem im Harz
Lebensraum: Laub- und Mischwälder mit kühlen Fließgewässern wie Bäche, Tümpel, Teiche
Nahrung: Schnecken, Regenwürmer, Asseln, Käfer
Besonderheit: leuchtend gelbe Flecken oder Streifen, gebärt lebende Larven