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<p>Mit Bauzaun und Bake sowie entsprechenden Schildern abgesperrt: das einsturzgefährdete Ensemble der früheren Loges-Schule an der Papenbergstraße. Foto: Breuer</p>

<p>Mit Bauzaun und Bake sowie entsprechenden Schildern abgesperrt: das einsturzgefährdete Ensemble der früheren Loges-Schule an der Papenbergstraße. Foto: Breuer</p>

Bad Harzburg. Eines der traditionsreichsten Gebäude in der Kurstadt Bad Harzburg steht vor dem Abriss. Nach Bestätigung des Landkreises Goslar ist die Abbruchgenehmigung für das bislang denkmalgeschützte Ensemble an der Papenbergstraße 12 erteilt.

Von Heinz-Georg Breuer 05.12.2018, 17:30 Uhr

Nach Darstellung von Kreissprecher Maximilian Strache hat das Bauamt des Kreises vor einem Jahr auf Hinweis der Stadt Bad Harzburg eine Ortsbesichtigung durchgeführt, nachdem auf der Internetplattform „Lost Places“ Aufnahmen vom Gebäude aufgetaucht waren und von Einsturzgefahr berichtet wurde. Das Gebäude war über offene Fenster und Türen zugänglich, eine Außenwand wies erhebliche Verformungen auf und eine Wand im Inneren erschien stark einsturzgefährdet.

Im November 2017 wurde der Eigentümer aufgefordert, Fenster und Türen im Erdgeschoss dauerhaft zu verschließen und einen Bauzaun rund ums Gebäude aufzustellen. Das geschah im Januar 2018, zugleich wurde der Abbruch des Gebäudes angekündigt. Der Abbruchantrag, erforderlich wegen der vorliegenden Denkmaleigenschaft, wurde im Mai gestellt und mit fehlender Standsicherheit begründet.

Da das Betreten nur noch unter Lebensgefahr möglich war, wurden zur Beurteilung der Bausubstanz ältere Aufnahmen und Berichte aus dem Forum „Lost Places“ herangezogen. Laut Aussagen eines Landkreis-Statikers ist anhand dieser Unterlagen eindeutig erkennbar, dass durch Teileinbrüche der Decke und Wände, innen und außen sichtbarer Verformungen und Schiefstellungen der Wände sowie Ausbeulungen an den Fassadenverkleidungen das Gebäude in wesentlichen Teilen stark einsturzgefährdet ist.

Dies hat laut Sprecher Strache den Verlust der Denkmaleigenschaft zur Folge, da bei einer Sanierung ein Neubau entstehen würde. Das Landesamt für Denkmalpflege wurde informiert. Vor diesem Hintergrund erteilte der Kreis im Oktober die Genehmigung zum Abbruch. Antragsteller, so Strache, war „ein Bauplanungsbüro im Auftrag des Eigentümers“.

Im Jahre 2003 war die Loges-Schule Bad Harzburg GmbH samt Immobilie von der auf dem Pflege- und Betreuungssektor tätigen Tilch Verwaltungsgesellschaft mbH aus Northeim erworben worden, hinter der Gründer Sven Tilch als Geschäftsführer steht. Der Versuch einer Kontaktaufnahme der GZ in dieser Woche blieb unbeantwortet.

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In die Zeit des Eigentumsübergangs fiel auch die letzte Phase der Loges-Schule als renommierte und überregional bekannte Ausbildungsstätte für Physiotherapeuten. Nach einem handstreichartigen Rückzug der wissenschaftlichen Loges-Leitung um Prof. Dr. Werner Siems und Andreas Bremer Anfang 2006 mit der Eröffnung des KortexMed nur drei Tage später im zwangsersteigerten „Parkhotel“ am Hindenburgring war die Einrichtung an der Papenbergstraße fortan ohne Nutzung und blieb es auch.

Somit war dann auch 2000 das letzte Jahr eines glanzvollen Jubiläums. Mit einem Festakt feierte das Institut für Physiotherapie sein 75-jähriges Bestehen. Ilse Loges-Speidel, betagte Tochter des Schulgründers Karl Loges, nahm in der WandelhalleimBadepark dieGlückwünsche von Vertretern der Stadt und der Bezirksregierung entgegen.

Loges-Speidel würdigte seinerzeit das Schaffen ihres Vaters und die Geschichte des Hauses, das bei der Gründung 1925 in Hannover beheimatet war. Nach mehrfachem Umzug kam man 1962 von Wilhelmshaven nach Bad Harzburg. Ursprünglich stand die Gymnastiklehrer-Ausbildung im Mittelpunkt. Einen inhaltlichen Wendepunkt markierte im Jahre 1987 die neue berufliche Ausrichtung auf den therapeutischen Bereich.

Über den Wandel der Lehrkonzepte sprach beim Jubiläum Volker Ose, damals ärztlicher Leiter der Schule: Es sei bereits Ziel des Gründers Karl Loges gewesen, die natürliche Bewegung des Menschen zu fördern. „Heute versuchen wir, ausgehend von einem körperlichen Leiden, den ganzen Menschen therapeutisch zu begleiten“, so Ose, „Erleben und Verhalten, die Zusammenhänge von Körper und Seele finden immer mehr Beachtung.“

Die Tochter des Schulgründers, 2012 im hohen Alter von 91 Jahren verstorben, war auch zur Eröffnung dabei, als die (inzwischen in Insolvenz gegangene) Nachfolgeeinrichtung KortexMed im Februar 2006 die Arbeit aufnahm –mitsamt der Schüler, die ihren Lehrern an den Hindenburgring gefolgt waren.

An der Papenbergstraße hingegen setzte zur gleichen Zeit der Verfall ein. Youtube-Filmchen im Netz, zum Teil mit ehemaligen Loges-Schülern als Zeitzeugen, geben einen Eindruck wider. Sorgen machten sich zunehmend auch die Sicherheitskräfte in der Stadt wegen der schwierigen Steilhang-Bedingungen in einem Einsatzfall. Es machte bereits der Begriff vom „zweiten Harzburger Hof“ die Runde. Und die Sorgen nahmen kein Ende. In den Monaten nach der Sperrung, so Kreissprecher Strache in dieser Woche, „gab es aus der Nachbarschaft trotz der erfolgten Sicherungsmaßnahmen immer wieder Beschwerden über den gefährlichen Zustand des Gebäudes und Hinweise dahin gehend, dass Unbefugte das Gebäude weiterhin betreten würden“.

  • An der Papenbergstraße entstand – Luftlinie nicht allzu weit entfernt vom „Harzburger Hof“ – ein zweites großes Kurstadt-Hotel im 19. Jahrhundert: Das „Hotel Ludwigslust“, erbaut 1864 vom Lohnfuhrmann Ludwig Großhennig. Die Geschichte des Hauses war so wechselvoll wie der Name: Nach Ludwigslust kam das „Hotel Kaiserhof“, dann das „Palast-Hotel Kaiserhof“ und am Ende nur noch das „Palast-Hotel“.

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  • Nach dem Tod von Großhennig heiratete dessen Witwe den Müller Heinrich Hinze. Dessen Tochter verkaufte 1904 das Hotel an Lynar Raspe. 1912 stand Hoflieferant Bruno Seyffert als Eigentümer in den Unterkunftsverzeichnissen. Vorher war er Pächter des Alten Kurhauses. 1919 folgte F. A. Enke in der Hotel-Leitung. Danach übernahmen die Gebrüder Gustav und Friedrich Wünschmann für lange Jahre die Geschicke des Hauses.
  • Im Laufe der Zeit wurde das Gebäude umgebaut und vergrößert, zudem kam unterhalb des Haupthauses nahe des ehemaligen Haus Reusche an der Amsbergstraße ein zweites Gebäude hinzu. Reusche war bis zur Pensionierung Wirt vom ersten Gasthof auf dem Burgberg. Der untere Gebäudeteil stand in den dreißiger Jahren als Haus Annenhöhe in den Prospekten, die Leitung hatten die Geschwister Herold.
  • Im Zweiten Weltkrieg war das Gebäude-Ensemble wie viele andere Harzburger Hotels auch Lazarett. Nach dem Krieg ging der Hotelbetrieb einige Jahre weiter. Geführt wurde das Haus vom Manager Kurt Enke. Von 1958 bis 1962 fungierte es als Beamtenheim des Bundesgrenzschutzes. Danach erwarb die Familie Speidel beide Anwesen und siedelte die Loges-Schule an.
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