Zähl Pixel
GZ-Archiv

Küster: Ein Beruf für Quereinsteiger

Der langjährige Küster Quaas hofft, noch als Aushilfe gebraucht zu werden. Aktuell bummelt er noch Urlaubsstunden ab.

Der langjährige Küster Quaas hofft, noch als Aushilfe gebraucht zu werden. Aktuell bummelt er noch Urlaubsstunden ab.

Clausthal-Zellerfeld. Mit Menschen umgehen, ein offenes Ohr haben und handwerkliches Geschick beweisen sind nur einige der Eigenschaften, die ein Küster mitbringen sollte. Einer von ihnen ist Jürgen Quaas.

Von Franziska Nixdorf Freitag, 19.06.2015, 14:52 Uhr

Für 28 Jahre hat er diese Aufgabe in Clausthal-Zellerfeld übernommen. Zurzeit beurlaubt, geht er nun in Rente und hat den Stab bereits im März an den 37-jährigen Daniel Pätzolt weitergereicht.

Jürgen Quaas war Maurer, als er sich auf die Stelle des Küsters beworben hat – ein Beruf, den man in keiner Ausbildung erlernen kann. Es ist aber auch ein Job, der sich über die vergangenen Jahre gewandelt hat: „Früher war man mehr sein eigener Herr“, erzählt der der Oberharzer. Mittlerweile sei der Beruf schon aus dem Grund strenger reglementiert, da die Kirche mit einem begrenzteren Budget auskommen müsse. Was man wann zu erledigen hat, sei damit laut Jürgen Quaas strikter festgesetzt. Eine große Herausforderung war es zudem, die üblichen Aufgaben auch mit fünf Wochenstunden weniger zu bewältigen – im Laufe seiner Arbeitsjahre wurden sie von 38,5 auf nur noch 33,5 reduziert.

Trotzdem habe er die Arbeit gerne angetreten. Insbesondere die zwei Tage pro Woche, an denen er draußen auf dem Friedhof an der frischen Luft herumwerkeln konnte, hätten ihm Spaß gemacht.

„Am meisten vermissen werde ich bestimmt, mit den Kollegen zusammenzuarbeiten“, so der Küster, der ab dem 1. Juli offiziell in Rente geht. „Nach so langer Zeit kennt man einfach jeden Menschen und jeden Stein der Kirche.“ Sein Rat an den Nachfolger: „Wenn Sie ein Jahr rumhaben, wissen Sie viel, aber noch nicht alles.“.

Auf die Stelle des Küsters aufmerksam wurde der Neuling Daniel Pätzolt über eine Zeitungsanzeige. Aus der Unzufriedenheit mit seinem ursprünglichen Beruf heraus versuchte der gelernte Kfz-Mechaniker sein Glück und bewarb sich ebenfalls als Quereinsteiger.

Früh aufzustehen stört den zweifachen Familienvater dabei nicht. Um sieben Uhr beginnt seine Arbeit, bis zum Nachmittag ist er beschäftigt. Es sind gute Arbeitszeiten, die ihm ermöglichen, mehr Augenblicke mit seiner sechsjährigen Tochter und seinem dreijährigen Sohn zu erleben. „Vorher ist das deutlich zu kurz gekommen, weil ich in Seesen gearbeitet habe, viel hin- und hergefahren bin und frühestens 18 Uhr Feierabend hatte“, so der 37-Jährige.

Seine Tätigkeit als Küster in der Clausthaler Marktkirche ist vielfältig. „Es ist jeden Tag etwas Neues“, sagt er. „Das ist das Spannende: Man weiß nicht, was als Nächstes kommt“.

Aber auch Routinearbeiten warten im Alltag auf Daniel Pätzolt. Sobald er morgens um sieben die Kirche betritt, heißt es, einmal durch das Gotteshaus zu gehen und zu schauen, „ob alles noch steht“. Immerhin sind die Kirchenbetreuer am Vorabend nur bis 17 Uhr vor Ort. Somit muss sich Daniel Pätzolt vergewissern, dass in der Zwischenzeit nichts Außergewöhnliches passiert oder liegen geblieben ist. Dann kümmert er sich beispielsweise um die Blumen und die Kerzen in der Kirche, fegt und wischt, wenn nötig. Gottesdienste werden von ihm vor- und nachbereitet, wozu er zum Beispiel auch die Tafel mit den zu singenden Kirchenliedern beschriftet und aufhängt. „Montags habe ich frei, das ist quasi mein Sonntag“, sagt er.

Zudem bezeichnet er sich selbst als den „Hausmeister“ der Gemeinde und Kirche. Auch auf dem Friedhof arbeitet er regelmäßig: Er hilft beim Rasenmähen ebenso wie beim Ausheben von Urnen- und Sarggräbern. Insgesamt wird er ein Jahr brauchen, um jede seiner Arbeitsstationen einmal durchlaufen zu haben – vor allem wenn der organisatorische Balanceakt von drei Gottesdiensten an einem Tag zu Weihnachten ansteht.

Seine Küsterstelle ist unbefristet, weshalb er hofft, diesen Job auch bis zur Rente machen zu können, wie Daniel Pätzolt erklärt. So ganz allein wird der 37-Jährige aber auch in Zukunft nicht gelassen werden. Sein Vorgänger steht weiterhin gerne für kleine Arbeiten zur Verfügung und bietet an, beispielsweise als Urlaubsaushilfe einzuspringen.

Der neue Küster Daniel Pätzolt ist mit vielen Aufgaben vertraut: Dazu gehört auch, die Tafel mit den zu singenden Kirchenliedern zu versehen.  Fotos: Nixdorf

Der neue Küster Daniel Pätzolt ist mit vielen Aufgaben vertraut: Dazu gehört auch, die Tafel mit den zu singenden Kirchenliedern zu versehen. Fotos: Nixdorf

Die Redaktion empfiehlt
Diskutieren Sie mit!