Kritik an Zirkus-Gastspiel: Sind Dressuren Tierquälerei?
Pferde in der Moreno-Manege: Kritiker sehen in der Tierhaltung und -dressur in Zirkussen pure Quälerei. Anstoß erregen auch die Ausbindezügel zwischen Trense und Longiergurt. Die findet man aber auch in Reitsport und -ausbildung. Foto: Patrick Kaiser
Clausthal-Zellerfeld. Das Gastspiel des Circus Moreno hat in der Unistadt eine Diskussion angestoßen, die auch nach der Abreise der Schaustellertruppe noch die Gemüter bewegt: Ist es noch zeitgemäß, Tiere von Spielort zu Spielort zu fahren und sie in Dressuren vorzuführen? Oder ist es Tierquälerei?
Samuel Menacher tendiert eindeutig zu Letzterem. „Sehr kleine Gehege, insgesamt sehr wenig Einstreu und ein Stromgenerator direkt neben den Tieren, der ungeheuren Krach machte“ schildert der Clausthal-Zellerfelder seine Beobachtungen während der Vorstellung am ersten Gastspielsonntag. Und die Pferde seien „ausgebunden“ gewesen. Diese umstrittene, wenngleich auch im Pferdesport verbreitete Zügelmethode hindert die Tiere daran, den Kopf hochzuwerfen oder auch nur den Hals zu strecken.
Tierschützer üben seit Langem öffentliche Kritik an Zirkussen mit Tiershows. Auch über Moreno finden sich aus dem Jahr 2015 Blog-Beiträge im Internet, mit denen die Tierschutzorganisation Peta und der Buchautor Denny van Heyen die Tierhaltung in dem Betrieb als Quälerei anprangern. Samuel Menacher hat sich an das Veterinäramt des Landkreises gewandt und auch in der Einwohnerfragestunde des Rates die Frage aufgeworfen, warum die Stadtverwaltung einen wegen „Tierquälerei“ in der Kritik stehenden Zirkus auftreten lasse. Landkreis-Sprecher Maximilian Strache bestätigt, dass beim zuständigen Fachdienst für Verbraucherschutz und Veterinärwesen ein entsprechender Hinweis eingegangen und eine „anlassbezogene Kontrolle“ erfolgt sei. „Der Zirkus wäre jedoch ohnehin kontrolliert worden, denn Zirkusbetriebe werden von den zuständigen Veterinärbehörden in Niedersachsen, so auch vom Landkreis Goslar, regel- und routinemäßig überprüft“, fügt er hinzu. Wirklich Schwerwiegendes hat die Kontrolle offenbar nicht ergeben. Den Morenos sei aufgetragen worden, Wasserbehälter aufzufüllen sowie den Wiederkäuern und Pferden Salzlecksteine zu geben, so Strache.
Ob diese Auflagen erfüllt wurden, lässt sich freilich nicht mehr nachprüfen: Der Zirkus ist mit seinen Pferden, Eseln und Kamelen am Montag nach Thale im Ostharz weitergezogen. Zirkuschefin Conchita Moreno, die eigentlich Weisheit-Sperlich heißt und ein Kind der berühmten deutschen Hochseilakrobatenfamilie Weisheit ist, bestreitet Verstöße gegen Tierschutz und Tierwohl in ihrem Betrieb: „Bei uns ist alles in Ordnung“, sagt sie. „Wir leben vom Zirkus – wie könnten wir da unsere Tiere schlecht behandeln.“ Die Spielzeit in Clausthal sei ein Minusgeschäft gewesen, die letzte Vorstellung am Sonntag habe sie absagen müssen, weil sich nur vier Zuschauer eingefunden hätten. „Das ist bitter für uns, nach so viel Arbeit“, klagt die Zirkuschefin.
Ob dabei wohl auch Preis und Leistung eine Rolle spielten? Menacher jedenfalls beurteilt die Show als überwiegend „enttäuschend“. Im Zelt habe es nach Mist gerochen, und die Eintrittsgelder für Vorstellung und Pausen-Tierschau empfand er als zu hoch. Dass es auch anderen Besuchern so ging, lässt sich nicht ausschließen, und in einer Kleinstadt wie Clausthal-Zellerfeld spricht sich Kritik schnell herum...