Krisenintervention: Helfer, die die Seele retten
Die Ausbilder Petra Horaiske (2.v.re.) und Christian Lenz (hinten) mit dem Kriseninterventionsteam. Foto: Schenk
Verbrechen, Brände, Unfälle: Die Nachwirkungen solcher einschneidenden Ereignisse sind für Betroffene oder Angehörige Katastrophen, die sie aus der Bahn werfen und seelische Krisen auslösen.
„So was ist immer weit weg, aber auf einmal ganz nah“, sagte Landrat Thomas Brych am Dienstag, als er das ehrenamtliche Kriseninterventionsteam des Landkreises vorstellte und den elf Frauen und Männern Urkunden und Ausrüstung überreichte.
Brych weiß, wovon er spricht, nicht nur deshalb, weil er früher Leiter der Polizeiinspektion Goslar war. Doch manchmal fehlen die Worte, um Unfassbares zu beschreiben. „Die Überbringung von Todesnachrichten ist eine Sache, die wirklich schwierig ist“, sagte er in nüchternen Worten, die eine solche Aufgabe kaum angemessen beschreiben.
Von April an sollen die elf Kriseninterventions-Helfer aus dem Kreis Goslar eingesetzt werden können. Die Einsatzleitstelle, bei der Notrufe eingehen, erhält einen Dienstplan mit den Telefonnummern der 25 bis 54 Jahre alten Helfer, die überwiegend beim Landkreis beschäftigt sind.
In den ersten Monaten werden sie von Christian Lenz (48) begleitet. Der Rettungsassistent bei den Kreiswirtschaftsbetrieben ist Dozent an der Rettungsschule Goslar und hatte die Idee für das Interventionsteam, das sieben Monate lang in 82 Stunden von ihm und der Peiner Gemeindereferentin und Notfallseelsorgerin Petra Horaiske (52) auf die schwierige Aufgabe vorbereitet wurde.
Dr. Tobias Steffen, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes, würdigte die Helfer und beschrieb sie als „die Gruppe, die hilft, die Seele zu retten“. Zu ahnen ist, dass sie manchmal selbst an Grenzen stoßen. Brych betonte, der Landkreis stehe ihnen in schwierigen Situationen bei.
Schon die Ausbildung dürfte nicht ganz einfach gewesen sein. Manchem aus der Runde rann eine Träne aus dem Auge. „Freudentränen“ wollte Lenz bei Ausbilderin Horaiske erkannt haben.
Immerhin wurden die Frauen und Männer auf den Umgang mit potenziellen Selbstmördern vorbereitet, auf die Begleitung von Eltern, deren Kinder gestorben sind oder auf die Betreuung von Menschen, die bei Bränden oder Unfällen Hab und Gut verloren haben oder schwer verletzt wurden. Sie besuchten Pathologie, Bestatter, Hospiz und Krankenhausseelsorge und mussten bereit sein, viel über sich selbst nachzudenken.
Mit dem Kriseninterventions-Team will der Landkreis eine Lücke schließen. Häufig würden Pfarrer die Notfallseelsorge übernehmen. Für ein großes Gebiet seien aber „meist nur wenige Notfallseelsorger“ zuständig, heißt es in einer Mitteilung zu dem Projekt, mit dem die Behörde nach eigener Einschätzung neue Wege beschreitet.