Konflikte mit Braunschweig
Thomas Moritz
Goslar. „Ich möchte Sie in die Zeiten der Reformation und des 30-jährigen Kriegs führen.“ Thomas Moritz, Kurator und Referent, schaute zu den zahlreichen Interessierten. Sie drängten sich im Erdgeschoss des Zinnfigurenmuseums und lauschten dem ersten Vortragsteil „Goslars Rolle sowie die Rolle der Familie Cramer von Clausbruch während der Reformation und dem 30-jährigen Krieg“.
Die Gäste erfuhren, dass über Jahrhunderte der Bergbau im Rammelsberg und die Konflikte mit dem Herzogtum Braunschweig im engen Zusammenhang standen. Bereits 1235 sei der Rammelsberg Herzog Otto I. (Otto das Kind) von Kaiser Friedrich II. zugesprochen worden. In dieser Zeit habe sich der Bergbau in einer Krise befunden: tiefere Stollen standen unter Wasser. Trotzdem habe die Reichsstadt Goslar Rechte am Berg gegen Pfandgeld erworben und mit viel Mühe und hohen Investitionen die Stollen leer gepumpt. 1460 hätte der Erzabbau wieder begonnen. „Die Bergwerke förderten Kupfer, Silber und Blei. Die Gewinne lösten in Goslar eine zweite Blütezeit aus“, so Moritz. Bald sei das Interesse des Hauses Braunschweig und Lüneburg wieder erwacht. Herzog Heinrich der Jüngere habe 1527 die Pfandsumme beglichen und die alten Eigentumsrechte hergestellt. „In dieser Zeit war Goslar in sich tief gespalten. Es gab eine schwerreiche katholische Oberschicht und eine verarmte Mehrheit, die den Lehren Martin Luthers anhing. 1527 explodierte die Wut auf den katholischen Herzog. Goslarer stürmen vier Klöster in ihrer Stadt, die sich im Herrschaftsbereich des Braunschweigers befanden. Um die Stadt kochte es.“ Kämpfe, Belagerung und der katastrophale Riechenberger Vertrag seien die Folge gewesen. Später wären noch tiefere Religionskonflikte, Hexenverfolgungen und die Pest dazugekommen.
In diesen dramatischen Jahrzehnten sei Ruprecht Cramer von Clausbruch von Köln nach Goslar gezogen. Er habe im großen Stil mit Vitriol gehandelt und in relativ kurzer Zeit ein Vermögen verdient. „Vitriol wurde im Bergbau gebraucht und war wichtiger Bestandteil beim Gerben von Fellen.“ 1571 sei Ruprecht als Bürger der Kaiserstadt aufgenommen worden und zu den einflussreichen Kreisen aufgestiegen. „Sein Wappen ziert noch heute ein Glasfenster im St. Annenhaus.“ Neben dem Referenten erschienen auf einer Projektionswand Fotos des Familienwappens. Rupert habe mit seiner Frau Marie Meyer drei Söhne gehabt: Henning, Heinrich und Hans. Sie hätten eine fundierte Ausbildung durchlaufen. Der älteste Sohn Henning sei sogar zum Bürgermeister aufgestiegen und hätte in den blutigen Zeiten des 30-jährigen Kriegs Goslars Politik mitbestimmt. Doch darüber wollte Moritz nicht mehr dozieren. „Kommen Sie am 6. September zum zweiten Teil des Vortrags.“ Die Besucher spendeten lange Beifall.