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Königreich Romkerhall sucht nach Allianzen

Das Königreich Romkerhall ist Hotel, Restaurant und Ausflugsgaststätte. Seit zehn Jahren versucht Eigentümerin Susanne Bauer, dem ehemaligen Jagdschloss wieder Leben einzuhauchen.  Fotos: Roß

Das Königreich Romkerhall ist Hotel, Restaurant und Ausflugsgaststätte. Seit zehn Jahren versucht Eigentümerin Susanne Bauer, dem ehemaligen Jagdschloss wieder Leben einzuhauchen. Fotos: Roß

Goslar. Romkerhall, das kleinste Königreich der Welt, dürfte vielen Einheimischen ein Begriff sein. Doch was sich in dem ehemaligen Jagdschloss des Monarchen Georg V. abspielt, kriegen vor allem Touristen mit. Susanne Bauer kämpft schon seit zehn Jahren darum, ihre kleine Märchenwelt aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Und sie sucht Unterstützung für neue Projekte.

Freitag, 12.07.2019, 15:31 Uhr

20 Zimmer vermietet die gebürtige Oberfränkin an Gäste, dazu betreibt sie Innen- und Außengastronomie. „Mal sind wir komplett ausgebucht, mal sind nur ein oder zwei Gäste da“, beschreibt die 61-Jährige die Buchungslage. Wanderer verlaufen sich hingegen selten in die Gaststätte. „Meist nur, wenn sie zur Toilette müssen“, sagt die Wirtin. Woran liegt das?

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Der bis heute gemeindefreie Ort hatte in den vergangenen Jahren einige Rückschläge zu verkraften, unter denen auch das Image gelitten hat: Zunächst sei der Kauf des ehemaligen Jagdschlosses von Rechtsstreitigkeiten mit dem Vorbesitzer begleitet gewesen, erzählt Susanne Bauer. Die Immobilie war zudem in einem bemitleidenswerten Zustand.

Dann hat der bekannte Reichsbürger Norbert Schittke ein Auge auf Romkerhall geworfen, genauer gesagt auf ein Grundstück gegenüber dem Hotel. Aus dem Kauf und der geplanten „Exilregierung Deutsches Reich“ wurde jedoch nichts. Werbung für Romkerhall war das aber auch nicht gerade. „Bis heute gibt es Leute, die denken, wir wären Reichsbürger“, sagt die Hotel-Chefin. Kein Hingucker ist zudem das Nachbargebäude, dass wenige Hundert Meter talwärts an der Straße immer weiter verfällt. Doch das sei gar nicht in ihrem Besitz.

Susanne Bauer hat nach eigenen Angaben mittlerweile rund zwei Millionen Euro in ihr kleines Königreich investiert. Neben Übernachtungen in Standardunterkünften können zum Beispiel das Königszimmer oder die Dornröschen-Suite gemietet werden. „Alle Zimmer sind individuell gestaltet“, sagt die Gastgeberin.

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2015 hatte sie das Hotelgebäude schon fest fertig saniert. Dann musste wegen morscher Balken die komplette Fassade noch einmal abgerissen und erneuert werden. Acht renovierte Zimmer seien dadurch „völlig zerstört worden.“ Mittlerweile seien es noch fünf Zimmer, die auf eine Sanierung warten.

Die Betreiberin einer Nürnberger Reiseagentur versucht, ihrem Harzer Haus einen gewissen königlichen Pomp zurück zu verleihen. Sie bietet Ritteressen an großen Tafeln an, oder vermietet ihren Königssaal für Firmen-, Geburtstagsfeiern oder Hochzeiten. Auch eine Schlosskapelle gibt es. Für die nötige Atmosphäre sorgt ein eigens engagierter königlicher Hofstaat–auch Romkerhall-Erbauer Georg V. ist darunter und erzählt die Geschichte des Hauses.

Die Hausherrin selbst nimmt ihre Rolle als Fürstin Susanne im wallenden Kleid sehr ernst, erzählt die Legenden ihres kleinen Königreiches oder schlägt ihre Besucher zu Rittern. Auch der Gast kann sich fürs Bankett eine elegante Robe ausleihen. Der jahrelange Umbau ist an Susanne Bauer nicht spurlos vorbeigegangen. Sie wünscht sich einen Geschäftspartner, der die Chancen in Romkerhall sieht und die Märchenwelt mit ihr zusammen weiterentwickelt. Ideen hat die 61-Jährige: Im Dezember soll eine engere Verzahnung mit dem Goslarer Weihnachtsmarkt erfolgen. Denn im Winter verwandelt sich der 300 Quadratmeter große Romkerhaller Königssaal in ein Weihnachtswunderland – etwas, das man den Gästen des Weihnachtsmarktes als weitere Attraktion präsentieren könne. Kontakt zur Stadt habe sie bereits aufgenommen.

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