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Sigmar Gabriel feiert 60. Geburtstag

Kleine, aber feine Feier auf dem „Tabaluga-Schiff“

Zehn Jahre zurück: Seinen 50. Geburtstag feiert Sigmar Gabriel mit großem Bahnhof und rund 500 Gästen in der alten Schlosserei des Rammelsberges. An seiner Seite sitzt Dr. Anke Stadler, mit der er damals frisch liiert ist. Seit August 2012 sind beide verheiratet. Das Paar hat zwei Töchter – Marie (7) und Thea (2) – und wohnt in der Kleinsthofsiedlung bei Hahndorf.  Archivfotos: Epping, Kleine

Zehn Jahre zurück: Seinen 50. Geburtstag feiert Sigmar Gabriel mit großem Bahnhof und rund 500 Gästen in der alten Schlosserei des Rammelsberges. An seiner Seite sitzt Dr. Anke Stadler, mit der er damals frisch liiert ist. Seit August 2012 sind beide verheiratet. Das Paar hat zwei Töchter – Marie (7) und Thea (2) – und wohnt in der Kleinsthofsiedlung bei Hahndorf. Archivfotos: Epping, Kleine

Sigmar Gabriel wird am heutigen Donnerstag (12. September)  60 Jahre alt. Seinen ersten Geburtstag als Goslarer Ehrenbürger feiert er fern der Heimat im kleinsten Kreis auf einem Segelschiff auf dem Mittelmeer vor der Côte d’Azur. Die Zeiten ändern sich.

Von Frank Heine Donnerstag, 12.09.2019, 07:00 Uhr

Der große Bahnhof mit Riesenfeten am Rammelsberg oder in Zirkuszelten vor der Jugendherberge war gestern. Für den einstigen deutschen Chef-Genossen schließt sich mehr und mehr ein Kapitel, das ein ereignisreiches Jahrzehnt seines politischen Lebens ausgemacht hat.

Rückblick auf den Rummel vor zehn Jahren: In der alten Schlosserei am Rammelsberger Welterbe feiern rund 500 Gäste in fröhlicher Runde den Fünfzigsten des Noch-Umweltministers. Die Stimmung ist ausgelassen, obwohl sich die erste GroKo nach einer Wahlschlappe für die SPD ihrem Ende zuneigt. In Berlin scharren die Liberalen schon mit den Hufen.

Altkanzler Gerhard Schröder schaut mit seiner damaligen Frau Doris vorbei. Aus Hannover ist außerdem Scorpions-Sänger Klaus Meine mit seiner Gabi angereist. Aus Braunschweig kommt Gerhard Glogowski, Gabriels Vorgänger im Amt des Ministerpräsidenten. Andere Parteifarben sind ebenfalls vertreten: Der ehemalige Grünen-Chef Reinhard Bütikofer fühlt sich auch unter so vielen Roten wohl.

Einen mindestens für Party-Gäste legendären Auftritt legt der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hin. In seinem typischen Sauerland-Stakkato überbringt er die Glückwünsche aller „525.000 roten Brüder und Schwestern“ – was waren das für Zeiten. Er verkündet das Ende des jugendlichen Leichtsinns bei Gabriel, erwartet von ihm aber auch ausdrücklich keine Altersweisheit. Und: Müntefering heißt den Goslarer, der als einer von wenigen Genossen einen fulminanten Wahlkampf hingelegt hat, in der ersten Liga willkommen. Nicht links, nicht rechts, sondern als „Sigmarist“ genau in der Mitte der Partei verordnet „Münte“ den Jubilar und wünscht ihm „die Kraft von zwei 25-Jährigen, die Neugierde von zehn Fünfjährigen und den Durst von 50 Einjährigen“.

{picture1s} Als echter Profi korrigiert der Genossen-Boss am Ende seiner Rede quasi im Nebensatz auch noch seinen Fauxpas vom Anfang, als er Gabriels neue Partnerin Dr.Anke Stadler mit dem Vornamen von dessen Ex-Freundin angesprochen hatte. Beide Personen sollen den weiteren Lebensweg des einstigen Falken prägen. „Münte“, der vermutlich an diesem Tag schon weiß, dass er den Goslarer keinen Monat später als Kandidat für seine Nachfolge vorstellt. Unvergessen: Am 13.November 2009 wird der begnadete Redner Gabriel nach einem fulminanten Auftritt von den jubelnden Delegierten mit 94,2 Prozent zum Vorsitzenden gewählt. Er nimmt das Amt mit Tränen in den Augen an – und gibt es erst im Januar 2017 an Martin Schulz ab. Wirtschafts- und Außenminister, Vize-Kanzler, in Goslar am 21.September 2018 Ehrenbürger – den Goslarern mehr zu erzählen, hieße wohl, Eulen nach Athen zu tragen.

Seine Anke heiratet Gabriel im August 2012 in Wöltingerode. Die aus dem Mansfelder Land stammende Zahnärztin schenkt dem Goslarer mit Marie (7) und Thea (2) nicht nur zwei Töchter und das lange ersehnte Familienglück. Sie erdet ihn aber auch stets und verlässlich, wenn der Politiker zwischendurch bei neuen Höhenflügen die Bodenhaftung zu verlieren droht.

Es mag also niemanden verwundern, dass der Rahmen für den Sechzigsten im Jahr 2019 erheblich kleiner ausfällt. Nicht mehr als ein gutes Dutzend enge Freunde haben sich auf den Weg nach Nizza gemacht, um zusammen mit den Gabriels auf der „Sir Robert Baden Powell“ ein paar Tage in See zu stechen. Als „Tabaluga-Schiff“ hisst die „Sir Robert“ ihre Segel auch für die Stiftung von Gabriel-Kumpel Peter Maffay und nimmt regelmäßig traumatisierte und benachteiligte Kinder und Jugendliche an Bord.

Auf normaler Tour finden in den sechs Kabinen maximal 17 Personen Platz. Neben Falken-Freunden von früher ist dies Gabriels Spezi Burkhard Siebert. Der Erste Stadtrat muss aber früher zurück nach Goslar, weil am Wochenende das Partnerschaftsjubiläum mit Windsor gefeiert wird. Bürgermeisterin Renate Lucksch und ihr Mann, Kleinkunst-Chef Walfried Lucksch, sind als alte Segel-Kumpane ebenfalls gesetzt. Zu ruhig sollte es zum Geburtstag also auch nicht werden.

Wohin geht für Gabriel die Reise? Gefragt ist er weiterhin international, war gerade erst in China und muss demnächst wieder in die USA reisen. Am Wochenende nahm er aber auch Goslarer Heimat-Termine zu Frauenhaus und Sudmerberger Kindertagesstätte wahr. 2021 will er nicht mehr für den Bundestag kandidieren, vielleicht schon früher in Berlin aufhören. Was bringt das nächste Jahrzehnt?

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