Kiosk "Fiffikus" macht nach 23 Jahren Schluss
<p>Der Kiosk „Fiffikus“ ist seit 1995 eine Instanz am Zellbach in Clausthal-Zellerfeld. Doch nun hören Klaus-Dieter Blume (70) und Partnerin Christiane Rienert auf. Foto: Haberstumpf</p>
Clausthal-Zellerfeld. Aus und vorbei: Nach 23 Jahren zwischen Tabakdosen, Lottoscheinen und Lakritzschnecken machen Christiane Rienert und Klaus-Dieter Blume Schluss. Am Samstag schließen sie ihren Kiosk „Fiffikus“ am Zellbach.
Aus Altersgründen, denn Herr Blume hat gerade die 70 überschritten. Trotzdem ist er traurig, sagt er, „dass es jetzt zu Ende ist.“Und dass dieser Traditionsladen, in dem es schon in den 50er-Jahren einen Tabakhandel gab, nun ganz und gar verschwindet – „das macht es sogar noch eine Nummer trauriger“, fügt seine Partnerin an.
Lange hat das Paar nach einem Nachfolger gesucht. Fündig wurden sie nicht. Besonders die Gespräche mit ihren treuen Stammkunden, die auch während der zermürbenden Phase der Zellbach-Baustelle zu ihnen kamen, werden sie vermissen. Rienert sagt: „Zu vielen Kunden haben wir eine persönliche Bindung gehabt.“ Der „Fiffikus“ ist ihr Herzensladen, eröffnet haben sie ihn im Jahr 1995. Er war der Grund, warum sie in den Oberharz kamen. Seit 30 Jahren sind die beiden ein Paar, erzählt der Verkäufer – und seine Partnerin guckt dabei ein wenig skeptisch. Denn so persönlich möchte sie eigentlich gar nicht werden. Ist nicht ihr Ding. „Bloß keine Homestory über uns“, wehrt sie Fragen ab, die auf ihr Leben abseits ihres Ladens zielen. Was sie jetzt vorhat? „Ist noch nicht raus.“ Ob sie im Oberharz bleibt? „Noch unklar.“ Nicht mal ihr Alter verrät sie. Nur, dass sie gelernte Krankenschwester ist.
Das Verkaufen Seite an Seite hat das Paar in den vergangenen 23 Jahren verbunden. „Für unseren gemeinsamen Weg haben wir uns diesen Laden ausgesucht“, fasst Christiane Rienert zusammen. Das vollgestopfte Lädchen am Zellbach, Hausnummer 86, wurde zur Kiosk-Instanz in Clausthal-Zellerfeld. Er hat bessere Tage gesehen. Doch immer wieder geht die Tür auf und Kunden kommen herein, die sich auf die Ladentheke stützen und sagen: „Wirklich schade, dass Sie aufhören.“ Viele seien traurig, meint Rienert. Im Innenraum stapelt sich der Tabak dosenweise, daneben Kaugummi-Päckchen, Schokoriegel, Zeitschriften, alte Postkarten (20 Stück für drei Euro), Aschenbecher, Feuerzeuge, Pfeifen, Zigarren und eine Wand voll Zigaretten. „Alles, was Sie bei uns kaufen, kriegen Sie auch im Supermarkt“, sagt sie. „Das ist der Nachteil kleiner Läden.“
Supermärkte mit langen Öffnungszeiten und günstigeren Preisen sind die größte Konkurrenz. Jedes Jahr schließen in Deutschland Hunderte Kioske. Genaue Zahlen sind schwierig zu ermitteln; ein einheitliches Gewerbeverzeichnis fehlt. Der Abwärtstrend ist indes nicht zu übersehen. „Die Entwicklung im ländlichen Bereich ist traurig“, findet Rienert. Ob für Kioske, Haushaltswarengeschäfte oder Arztpraxen – „es finden sich keine Nachfolger.“
Mit dem „Fiffikus“ stirbt nun ein weiterer Laden vor Ort. Er war nicht nur Kiosk, sondern Tabakwarenfachgeschäft. E-Zigaretten oder Wasserpfeifen gab es hier auch. Auf den unzähligen Schachteln und Dosen hinter dem Tresen und auf den Holzregalen prangen überall die Warnsätze und Schockbilder der EU-Gesundheitsminister.
Machen Hinweise wie „Raucher sterben früher“ und Fotos von faulenden Raucherbeinen dem Kioskverkäufer das Dasein noch schwerer? „Ach, im Schnitt rauchen die Leute genauso wie früher“, winkt Rienert ab. Vor allem Zigaretten seien teurer geworden, loser Tabak dagegen günstiger. Seit Jahren steigen daher immer mehr Raucher auf losen Tabak zum Selberdrehen um. Früher hatte der Zellbach-Kiosk davon nur zehn Sorten, heute sind es 25.
Wer sich hier bis Samstag noch mit Feuerzeugen oder Pfeifen eindecken möchte, könnte manches Schnäppchen finden. Denn das Meiste muss raus. Zigaretten oder Zeitschriften gehen allerdings an die Großhändler zurück. „Wir freuen uns auf jeden Fall über jeden Kunden, der noch zu uns kommt“, sagt Christiane Rienert. Aber pünktlich um 13.15 Uhr macht der „Fiffikus“ dann wirklich Schluss.