Kindergarten ohne Leiterin: Aus für Seesens CDU-Chefin
<p>Ab sofort läuft die Kita Münchehof ohne Leiterin Sabine Wendt: Der DRK-Ortsverein hat sie am Freitag freigestellt. Übers Wochenende ist die vormalige CDU-Chefin zudem von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Archivfoto: Epping</p>
Seesen. Politisches Erdbeben in der Sehusa-Stadt: Nach Bekanntwerden neuer Vorwürfe, die mit ihrer beruflichen Position als Leiterin der DRK-Kindertagesstätte Münchehof zu tun haben, ist Seesens CDU-Vorsitzende Sabine Wendt am Wochenende nach Aufforderung aus dem Kreisvorstand mit sofortiger Wirkung von allen politischen Ämtern zurück- und aus der Partei ausgetreten.
Diesen Schritt bestätigten am Sonntag als Erste ihre beiden Stellvertreter in der Partei, der Seesener Ratsfraktionsvorsitzende und frühere Landtagsabgeordnete Rudolf Götz sowie Herbert Keunecke aus Herrhausen. Beide befanden beziehungsweise befinden sich im Urlaub und hatten deshalb keinen direkten Kontakt mit Wendt, die selbst auch nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war.
Laut Keunecke zog Wendt aber nach einem Gespräch am Samstagabend mit Christiane Raczek, die im Seesener Rat und als CDU-Fraktionsvize im Kreistag sitzt, die persönlichen Konsequenzen aus den offenkundig erweiterten polizeilichen Ermittlungen. Die Seesener Ratsfrau und CDU-Chefin Wendt ist bisher auch Abgeordnete im Kreistag, Mitglied im CDU-Kreisvorstand und stellvertretende Ortsbürgermeisterin von Münchehof gewesen.
Überaus deutliche Worte fand am Sonntag der CDU-Kreisvorsitzende Ralph Bogisch aus Goslar: „Ich bin zutiefst schockiert und menschlich enttäuscht.“ Stets hätten sich die Christdemokraten bislang schützend vor Wendt gestellt und die Unschuldsvermutung gelten lassen. „Nach den Erkenntnissen, die uns jetzt vorliegen, ist das nicht mehr haltbar“, sagt Bogisch, ohne ins Detail gehen zu wollen.
Der Kreisvorstand distanziere sich von Wendt und habe sie deshalb in Person von Raczek aufgefordert, die notwendigen Schritte zu vollziehen. „Mir liegt ihr Schreiben bereits vor“, erklärte Bogisch. Er gehe davon aus, dass Landrat Thomas Brych (SPD) und Seesens Bürgermeister Erik Homann (CDU) in dieser Woche ebenfalls Post erhielten. Homann hatte die politische Informationskette am Freitagabend in Gang gesetzt, als er die Fraktionsspitzen über neue Untreue-Vorwürfe gegen Wendt in Kenntnis setzte. Mittlerweile soll ein sechsstelliger Betrag im Raum stehen.
<p>Von allen Ämtern zurück- und aus der Partei ausgetreten: Seesens CDU-Chefin Sabine Wendt zieht am Wochenende Konsequenzen aus neuen Vorwürfen der Ermittler. Archivfoto: CDU Seesen</p>