Kasties-Wechsel: Neustart am 15. September
Fatales Foto: Für die Urkunde, die er Direktorin Reusing übergab, wurde Oliver Kasties später öffentlich gerüffelt. Jetzt geht er zur Stadt Archivfoto: Pagenkemper
Goslar. Den Termin hat Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk bereits bestätigt: Am 15. September fängt Oliver Kasties als neuer Fachbereichsleiter für Zentrale Dienste in der Stadtverwaltung an.
Nach 27 Jahren in der Kreisverwaltung hinterlässt sein Weggang ein weiteres Loch in der Führungsebene an der Klubgartenstraße. Mag sein, dass sich Kasties gewundert hat, als Jens Goldmann als sein ursprünglicher Mitbewerber um die Stadt-Stelle von Landrat Thomas Brych nach erfolgreichem Nachverhandeln zum Verbleib überredet und als „Kind des Landkreises“ tituliert wurde. „Groß geworden bin ich dort auch“, sagt der Noch-Chef des Fachbereiches Bildung & Kultur fast emotionslos – und viel mehr auch nicht.
Über eine angeblich „schlechte Stimmung“ rund um die Wahl von Regine Körner zur Ersten Kreisrätin will er sich nicht äußern. Er sei nicht der Typ, der schmutzige Wäsche wäscht. Als seine Motivation für den Wechsel nennt er das neue Aufgabengebiet mit Personal und Verwaltungsmodernisierung, das er vor seiner aktuellen Aufgabe auch beim Landkreis wahrgenommen habe. Und nicht zu vergessen: Die Stelle bei der Stadt ist höher besoldet.
Kein Geheimnis ist allerdings, dass seine öffentliche Zurechtweisung durch die Chef-Etage Spuren beim Diplom-Verwaltungswirt hinterlassen hat. Als er im Frühjahr der Clausthal-Zellerfelder Robert-Koch-Schule eine Bestandsurkunde überreichte, kam diese als Scherz gemeinte Aktion bei seinen Vorgesetzten gar nicht gut an – trotz vorab öffentlich ausgesprochener Garantien für alle Schulstandorte durch SPD und CDU im Kreistag.
In sieben Wochen hat er neue Chefs – und startet mit Rückenwind. Im Verwaltungsausschuss gab es nur eine Gegenstimme gegen seine Anstellung. Der Linke Rüdiger Wohltmann lastet dem 48-jährigen Westeröder – verheiratet, ein Sohn – die umstrittene Schulentwicklungspolitik an. „Ich werte das Votum als großen Vertrauensbeweis und prima Ausgangslage“, sagt Kasties. Obwohl er am Ende einzig verbliebener Kandidat aus einem Trio war? Bei 50 Anfangsbewerbern und einer Siebener-Endauswahlrunde stelle sich diese Frage für ihn so nicht.
Auf wen müssen sich seine Mitarbeiter bei der Stadt einstellen? „Ich komme nicht als Hopplahopp-Typ, der von vornherein weiß, wie’s geht“, verspricht Kasties. Viel reden und noch mehr zuhören, Erwartungshaltungen klären, Priorisierungen absprechen – all dies wird die ersten Wochen beherrschen. „Ich bin von Haus aus Verwaltungsreformer und habe viel mit neuen Steuerungsmodellen gemacht“, sagt er und hat ebenfalls seine Vorstellungen. Er arbeite stets nah am Team und projektorientiert.
Was klar sein dürfte: Seit dem faktischen Weggang des Ersten Stadtrates Klaus Germer, der die Aufgaben des neuen Kasties-Fachbereichs zehn Jahre lang unter sich hatte, Mitte Februar 2014 wird einiges liegen geblieben sein –zu tun gibt es also genug für den begeisterten, aber „nicht gefahrengeneigten“ Mountainbiker und Kanufahrer, der gern in skandinavische Länder reißt und Konzerte besucht –zuletzt die Lincke-Ring-Träger Clueso und Die Fantastischen Vier.
Wo die Arbeit für die Stadt beendet ist, fängt sie für den Landkreis jetzt an: An der Klubgartenstraße muss ein neuer Leiter für den schwierigen Fachbereich Bildung & Kultur mit der verminten Schulentwicklung gefunden werden. Zum Januar 2016 wird bereits ein neuer Chef für den Fachbereich Familie, Jugend und Soziales gesucht. Die Stellenanzeige für die Nachfolge des erfahrenen Jürgen Slotosch, der seit einigen Wochen erkrankt ausfällt und in Pension geht, stand am Samstag in der GZ.