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Karstadt gibt die Familienkarte auf

Werbung für die Familienkarte.  Foto: Archiv

Werbung für die Familienkarte. Foto: Archiv

Goslar. Karstadt als größter Partner aus dem Einzelhandel hat sich von der landkreisweiten Familienkarte verabschiedet. Die Bonuskarte kann bei dem Filialisten nicht mehr eingesetzt werden. Derweil überarbeitet der Landkreis das Konzept.

Von Oliver Stade Montag, 17.12.2018, 17:02 Uhr

Goslar. Karstadt als größter Partner aus dem Einzelhandel hat sich von der landkreisweiten Familienkarte verabschiedet. Die Bonuskarte kann bei dem Filialisten nicht mehr eingesetzt werden. Derweil überarbeitet der Landkreis das Konzept.

„Im Grunde genommen hat sie bei uns zunehmend an Bedeutung verloren“, sagt Geschäftsführer Matthias Ecke und begründet so den Ausstieg aus dem landkreisweiten Rabattsystem, an dem sich viele Geschäfte und Vereine beteiligen, indem sie ihren Kunden bei Vorlage der Karte Rabatte gewähren.

Karstadt-Chef Ecke verweist auf die eigene Kundenkarte, die eine weitere überflüssig mache. „Mit unserer eigenen Karte haben wir bessere Argumente“, sagt er und formuliert zugleich Kritik an dem Rabattsystem und am Landkreis, der die Karte an Familien ausgibt.

Das Warenhaus müsse „wirtschaftlich unterwegs“ sein, erklärt Ecke. Nach seiner Einschätzung werde die Familienkarte auch von Kunden genutzt, die keinen Anspruch hätten. Die Karte werde „unter der Hand weitergegeben“. Eigentlich aber werde sie von der Kundschaft ohnehin kaum eingesetzt. „Da ist zu wenig Dampf drin“, sagt Ecke.

Aufgekündigt hat Karstadt seine Beteiligung bereits vor einigen Monaten. Der Schritt war bisher nicht bekannt geworden. Matthias Ecke sagt, er habe den Landkreis rechtzeitig informiert, dass das Warenhaus mit der Familienkarte unzufrieden ist. Aber der Landkreis „war noch nicht einmal in der Lage, zu sagen, wie viel Karten eigentlich draußen sind“, berichtet der Karstadt-Chef weiter.

Patrick Werner, Vorsitzender der Kaufmannsgilde in Goslar, verweist darauf, dass es der Einzelhandel aktuell schwer habe, um dem Online-Handel zu trotzen. Er meint, dass Systeme wie die Familienkarte möglicherweise von Zeit zu Zeit hinterfragt werden müssten.

Die Familienkarte wird seit 2012 vom Landkreis Goslar ausgegeben. Vor zwei Jahren hieß es, dass5000 Exemplare im Umlauf seien. Der Landkreis erhalte von den Kommunen Daten über Familien und versende die Familienkarte dann unaufgefordert. Verschickt wird sie an Familien mit minderjährigen Kindern.

Hat sich das System der lokalen Kundenkarten möglicherweise überlebt? Fakt ist, dass die 2003 eingeführte Bad-Harzburg-Card in der Kurstadt aktuell eine Schwächephase durchleidet. Von einem „starken Rückgang“ der Akzeptanzstellen auf 36 Geschäfte und Betriebe und einem schwindenden Umsatz hatten Beteiligte jüngst berichtet.

Der Landkreis Goslar selbst räumt ein, die Familienkarte sei in die Jahre gekommen. Derzeit gebe es 335 Anbieter. Für Mitte Januar sei ein Treffen mit den beteiligten Kommunen geplant, um sich abzustimmen und die bisherigen Regelungen zu überarbeiten, auch wegen des Datenschutzes. Diskutiert werde außerdem über eine App. Außerdem solle Karstadt angesprochen werden, um das Kaufhaus wieder ins Boot zu holen.

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