Kaiserring: Vier Pläne für das Unplanbare
Leonie Landfeld (links) und Mira Rotermund bringen das Mönchehaus auf Instagram groß raus. Museums-Chefin Bettina Ruhrberg applaudiert. Foto: Hartmann
Goslar. Wie geht es weiter mit dem Kaiserring? Auf der Jahreshauptversammlung des Vereins zur Förderung moderner Kunst im Mönchehaus stellte der Vorsitzende Florian Haacke klar, dass eigentlich nichts klar sei. Als Termin für die Verleihung des Kunstpreises war kürzlich der 8. November vereinbart worden (GZ berichtete). Aber: „Der Termin ist mit großer Unsicherheit behaftet“, so Haacke.
Bei der aktuellen Corona-Situation könne „so eine Planung jederzeit über den Haufen geworfen werden“, sagte der Vereinschef. So sei unklar, ob der neue Kaiserring-Träger Hans Haacke aus den USA überhaupt zur Verleihung nach Deutschland kommen könne. Zurzeit gebe es vier unterschiedliche Pläne, erklärte der Vorsitzende. Plan A: Der Künstler kommt nach Goslar. Plan B: Eine Delegation aus Goslar fliegt nach New York und übergibt den Ring. Plan C: Der Ring wird „entpersonalisiert“ übergeben, also eventuell durch einen Museumsdirektor in New York; die Goslarer könnten dann per Video-Übertragung mit dabei sein. Plan D: Die Verleihung fällt aus.
„Es bleibt ein kleines Überraschungspaket“, meinte Museumsdirektorin Dr. Bettina Ruhrberg. Vor allem die Reisebeschränkungen – sowohl von den USA als auch von Deutschland aus – seien ein Problem, aber auch das hohe Alter des Künstlers, der im August seinen 85. Geburtstag feierte, sagte Ruhrberg.
Im Jahr 2020 gab es wegen Corona weniger Veranstaltungen als üblich – bisher nur 15 statt jährlich rund 65. Aber das Interesse sei nach wie vor groß, betonten der Vorsitzende und die Museumsdirektorin. So habe es bei den drei Ausstellungseröffnungen mit dem Stipendiaten Alexander Iskin 300 bis 400 Besucher gegeben. Als neues Highlight kündigte Ruhrberg an, dass Iskin ab Mitte September noch einen Monat in Goslar leben und arbeiten werde, es wird ein Künstlergespräch geben, und er wird eine eigene Edition für das Mönchehaus schaffen. In der Vor-Corona-Zeit sei die Ausstellung von Gerd Winner und die Veranstaltungen mit dem Künstler und mit Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk gut besucht worden.
Zwar gab es im physischen Bereich nur eingeschränkte Aktivitäten, doch dafür punktete das Museum jetzt auf Instagram: Leonie Landfeld und Mira Rotermund sind das neue Duo, das moderne Kunst in den sozialen Medien bekannt machen will. Die beiden haben den Instagram-Account des Museums aufgefrischt. Erfolg: Über 500 Follower schauen sich inzwischen die Posts über moderne Kunst aus dem Mönchehaus an. Es gibt auch schon ein paar Infos über die virtuellen Fans: Männer und Frauen halten sich mit jeweils 50 Prozent die Waage, der Großteil ist zwischen 35 und 44 Jahre alt, 42 Prozent sind Goslarer und elf Prozent Berliner.
Ein Minus von rund 10.000 Euro hat der Verein zur Förderung moderner Kunst im Jahr 2019 eingefahren. Allerdings: So schlimm, wie sie aussieht, sei die rote Zahl bei näherer Betrachtung nicht, betonte Schatzmeister Jens Landfeld, als er auf der Jahreshauptversammlung seinen Bericht vorlegte. Es sei nie ganz genau zu bestimmen, wann eine Zahlung beim Verein eingehe. Tatsächlich habe es noch einen Betrag von 15.000 Euro für eine Sonderedition der Kaiserring-Trägerin Barbara Kruger gegeben, der allerdings erst im Jahr 2020 gebucht wurde. Somit hätte es eigentlich sogar ein kleines Plus gegeben, berichtete der Kassenchef. Wobei das Ziel ja eigentlich ohnehin eine „schwarze Null“ sei, wie Landfeld erinnerte, da der Verein ja gemeinnützig sei und keinen Gewinn machen dürfe.
Der Verein erzielte im vergangenen Jahr 214.131 Euro aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Eintrittsgeldern. Ferner gab es Zuschüsse von 151.459 Euro. Aus Verkäufen und Leihverträgen erhielt der Verein 226.007 Euro. Dem gegenüber stehen 208.994 Euro für Personalkosten, 27.465 Euro für Wareneinkäufe und 356.803 Euro für sonstige Ausgaben. Einen großen Anteil daran hatten die Kosten für die Barbara-Kruger-Ausstellung. Ferner waren 7575 Euro Steuern zu zahlen.
Insgesamt hat der Verein derzeit knapp 2100 Mitglieder. Den Löwenanteil davon machen die 1159 Einzelmitgliedschaften aus, ferner gibt es 107 Paarmitgliedschaften (also 214 Mitglieder), 22 ermäßigte Mitgliedschaften, 192 Fördermitgliedschaften und 24 Premiummitgliedschaften, darunter zwei Spenderfirmen. Hinzu kommen 49 Ehrenmitglieder – unter ihnen auch die Kaiserring-Träger – sowie 352 Normalfamilienmitglieder und 73 Förderfamilienmitglieder.
Kassenprüfer Holger Holste bescheinigte dem Kassenführer: „Die Buchführung war sehr übersichtlich, genau und ohne Fehl und Tadel.“ Daraufhin erteilten die Mitglieder dem Vorstand einstimmig, bei teilweiser Selbstenthaltung, die Entlastung.