Kaiser lässt grüßen: Mittelalter-Geschichte als Comic
Der Ostfalia-Verleger Dr. Thomas Dahms stellt seinen Historien-Comic zu den Salier-Kaisern Konrad II. und Heinrich III. vor.
Goslar. Das hohe Mittelalter in bunten Bildern, mit einem Schuss Humor und Anspielungen sowie doppelten Erzählebenen und verschiedenen Zielgruppen: Ostfalia-Verleger Dr.Thomas Dahms verriet am Donnerstagabend im Kreishaus am Beispiel der Salier-Ausgabe „Kaiserglanz für Goslar“, wie seine Bände in der Reihe „Deutsche Geschichte im Comic“ funktionieren.
Goslar. Das hohe Mittelalter in bunten Bildern, mit einem Schuss Humor und Anspielungen sowie doppelten Erzählebenen und verschiedenen Zielgruppen: Ostfalia-Verleger Dr.Thomas Dahms verriet am Donnerstagabend im Kreishaus am Beispiel der Salier-Ausgabe „Kaiserglanz für Goslar“, wie seine Bände in der Reihe „Deutsche Geschichte im Comic“ funktionieren.
Mehr als 70 Gäste, darunter die beiden nächsten, schon einmal Probeluft schnuppernden Referenten Manfred Watzlawik und Ernst Steinecke, begrüßte Vorsitzender Günter Piegsa zu einem thematisch ungewöhnlichen Auftakt für das Vortragsprogramm – aber wieder am angestammten, „akustisch weniger problematischen“ Ort. Die Abende zum 1000. Geburtstag von Kaiser Heinrich III. waren in der Pfalz über die Bühne gegangen.
Zielgruppen? Laien und Experten, Erwachsene und Kinder, Frauen und Männer – eigentlich sollten sich alle für ein lehrreiches Historien-Comic begeistern können, zumal es ohne erhobenen Zeigefinger daherkommt. Ja, dass Comic-Leser zu 60 Prozent Männer mit Bildungshintergrund seien, wisse er. Umso mehr freue er sich, wenn er einen Fan-Brief von einem elfjährigen Jungen aus Eisenach erhalte: „Kinder lesen eben auf ihre Weise.“ Aber hat Dahms mit seinem Anliegen auch wirtschaftlichen Erfolg? Der Frage wich der Verleger geschickt aus, indem er erklärte, Niedersachsen fördere sein Projekt nicht, weil zu viel Sachsen-Anhalt in den Bänden stecke – und umgekehrt ganz genau so.
Erzählebenen? Dieser Punkt ist kaum von den Zielgruppen zu trennen. Wie moderne Erfolgsfilme immer Sympathie-Figuren für jede Generation bereithielten, damit die Eltern gerne mit den Kindern ins Kino gingen, so müsse auch ein Comic angelegt sein. Ja, und es muss immer möglich sein, dass Leser schmunzeln und etwas lernen.
Etwas ist gut: Welches Schulbuch druckt heute noch alle 95 Thesen Martin Luthers ab, wie es der Wittenberg-Band von Dahms tut? Mit Schulen allerdings tut sich der Verleger mittlerweile schwer. Einer Frage zur Nutzung im Unterricht blieb er wiederum die Antwort schuldig. Später verriet er am Rande den Grund: Mehr als 50 Schulen habe er besucht, Probe-Exemplare seien aber meist in dunklen Kanälen verschwunden. Also Liebhaber mit Bildungshintergrund?
Humor und Anspielungen? Im Band sind einige Schätze verborgen. „Mist: falscher Ort, falsche Zeit!“, denkt sich etwa ein Martin Luther auf dem Marktplatz und rempelt einen Schotten an: „Ey, here I stand.“ Aber kann der auch anders? Ein Glatzkopf will in einer anderen Ecke mit einem Kaiserring für einen anonymen Bestseller aus der Normandie zahlen – Titel: „England ist eine Reise wert“. Und an anderer Stelle auf einer anderen Seite erfahren Welterbe-Vater Professor Reinhard Roseneck und Rammelsberg-Montanarchäologe Dr. Lothar Klappauf eine verdiente Ehrung.
Unterhaltsam ist aber auch, wie Dahms seinen Stoff vorträgt. Und lustig war es zudem, dass sich sein Zeichner Karsten Mentzendorff, der seine Aufgabe als „Herausforderung und Lebenstraum“ bezeichnete, um eine Viertelstunde verspätete, weil sich der Hildesheimer bei der Anfahrt ausgerechnet auf der Hildesheimer Straße verfranst hatte – ein Navi wie aus dem Mittelalter...
Das Comic „Kaiserglanz für Goslar – der salische Höhenflug unter Konrad II. und Heinrich III. von Speyer nach Goslar“ umfasst 40 Seiten, kostet 15 Euro und ist im Goslarer Buchhandel erhältlich. Der nächste Band soll im Mai zum 950-jährigen Bestehen der Harzburg erscheinen und „Hickhack um die Harzburg – Heinrich IV. zwischen Sachsenkriegen und dem Gang nach Canossa“ heißen.
Zum Vormerken: Am 8.Februar trägt Ex-Heimatpfleger Manfred Watzlawik um 19.30 Uhr beim Geschichtsverein im Kreishaus vor. Sein Thema lautet „Immenrode – Beständigkeit und Umbruch“.
Werla, Goslar, Hildesheim, Quedlinburg, Wittenberg, Donauwörth: Die Comics ranken sich stets um Menschen und Städte. Fotos: Heine