Junge Ärztin steigt bei der Mutter ein
Cornelia Langnickel und ihre Tochter Liane-Johanna kümmern sich seit gemeinsam um die Patienten in Wolfshagen und Lautenthal. Fotos: Ciszewski
Wolfshagen. Dr. Liane-Johanna Langnickel hat sich ihre Entscheidung, nach der Ausbildung aufs Land zu gehen, gut überlegt. Die 34-Jährige ist nach ihrem Medizinstudium an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und der Erteilung der Approbation wieder nach Wolfshagen zurückgekehrt, um in der Praxis ihrer Mutter einzusteigen.
Bei ihrer Station in einem großen Krankenhaus in Zürich hat sie gern Großstadtluft geschnuppert, sagt sie, doch gleichzeitig hat sie wohl auch die Landluft ein bisschen vermisst. „Zürich ist Zürich, aber hier ist eben Zuhause“, sagt die junge Ärztin, die ihre Dissertation über Nahttechniken bei einem Riss der Beugesehne geschrieben hat. Den komplizierten Titel ihrer Doktorarbeit bringt sie auf den entscheidenden Punkt: „Es ging darum: Wie nähe ich eine Verletzung, die entsteht, wenn sich jemand kräftig mit dem Brotmesser in den Finger geschnitten hat.“ Eine ziemlich praktische Frage, für deren Bearbeitung sie die Note „magna cum laude“ erhalten hat.
Bis sie sich als Ärztin niederlassen kann, muss sie zuerst ihre fünfjährige praktische Ausbildung beenden. Den stationären Teil hat sie bereits an einem Krankenhaus im hessischen Lich absolviert, nun schließen sich zwei Jahre in der allgemeinmedizinischen Praxis ihrer Mutter, der Diplommedizinerin Cornelia Langnickel, an. Danach kann sie ihre Facharztprüfung ablegen und sich niederlassen. Seit Mai ist sie in der Praxis ihrer Mutter angestellt, mittelfristig soll sie diese übernehmen, so der im Familienrat abgestimmte Plan.
Cornelia Langnickel freut sich über die familiäre Verstärkung, mit der Tochter sollen die Felder Diagnoseverfahren und Prävention ausgebaut werden. Weitere Screenings von häufig unentdeckten Krankheiten werden angeboten, ebenso Vorträge zu allgemein interessierenden medizinischen Themen wie Diabetes, COPD oder Bluthochdruck. Außerdem ist geplant, die Sprechzeiten in der Praxis in Lautenthal zu erweitern. Darüber hinaus lädt Liane-Johanna Langnickel die Patienten jeden Montag zu Schulungen ein, um über weitverbreitete Krankheiten zu informieren. Durch diese Angebote möchte sie nicht zuletzt auch die Patientenbindung stärken und eine nachhaltige Versorgung ermöglichen.
Wann sich Cornelia Langnickel aus der Praxis zurückzieht, lässt sie noch offen. „Ich liebe meine Arbeit. Die Praxis ist auch gleichzeitig mein Hobbyraum“, sagt sie und lacht. Der Beruf scheint bei der Familie genetisch vererbt zu werden. „Bereits mein Vater und mein Großvater waren Landärzte“, sagt die 62-Jährige. Auch ihre zweite Tochter studiert Medizin.
Im Behandlungszimmer in Wolfshagen sind in einer Glasvitrine noch alte medizinische Utensilien ausgestellt, darunter der Arztkoffer, mit dem ihr Großvater in den 1920ern in Hüpstedt im Eichsfeld die Hausbesuche machte – „teilweise mit dem Schlitten“, erzählt sie.
Das wird der 34-Jährigen, die in einer festen Beziehung ist und in ihrer Freizeit die Bildhauerei betreibt, auch auf dem Land wohl erspart bleiben. Und das Leben in der Stadt wird sie auch nicht aufgeben müssen, denn sie wohnt in Goslar.
In der Glasvitrine im Sprechstundenzimmer in Wolfshagen sind alte medizinische Instrumente ausgestellt.