Jugendherberge Torfhaus baut ihr Erlebnisprogramm aus
Anreisetag in der Jugendherberge Torfhaus: Eine Gruppe aus Großbritannien ist soeben angekommen. Foto: Ebeling
Torfhaus. Naturerlebnis, Sport und Freizeitspaß mit Lerneffekt: Jugendherbergen bieten heute weit mehr als Betten und Vollpension. Bestes Beispiel im Harz ist die Jugendherberge Torfhaus.
Unter neuer Leitung richtet sich die Jugendherberge derzeit verstärkt auf Umweltbildung und Erlebnispädagogik aus. Und das im vollen Lauf. Florian Brinkmann, der nach mehrmonatiger Vakanz Anfang April die Leitung übernahm und mit Frau und Kind in die „Herbergsvater-Wohnung“ zog, hat im Tagesbetrieb alle Hände voll zu tun: Schülergruppen aus dem In- und Ausland begrüßen, Zimmer verteilen, Sportgeräte rausgeben, An- und Abreisen koordinieren und mehr. Um Feiertage herum ist das Haus „knallvoll“ – bei geschicktester Zimmeraufteilung nebst Zustellbetten bekommt er 175 Gäste unter. Die „Normalbelegung“ liege aber bei 120 bis 150 Leuten.
„Zu 75 Prozent haben wir Schulklassen“, sagt er, „drumherum“, meist übers Wochenende, gruppieren sich erwachsene Gäste und Familien. Das Deutsche Jugendherbergswerk bietet Senior- und Familienmitgliedschaften (22,50 Euro Jahresbeitrag) an, dafür wirbt er gern bei Gästeanfragen: „Ich sage dann immer, sehen Sie das als Spende“, denn Jugendherbergen arbeiten lediglich kostendeckend, „Gewinne werden vom Landesverband gleich wieder reinvestiert.“
Dies und die Grundidee, die dahintersteht – jungen Menschen unabhängig vom Geldbeutel Reisemöglichkeiten und fröhliche Gemeinschaft zu bieten – hat den gelernten Hotelfachmann zur Wahl seiner neuen Lebensaufgabe bewogen. Ausgebildet im Schwarzwald, hat er 15 Jahre lang unter anderem in der Schweiz und in Hamburg als Restaurantleiter und Manager gearbeitet und eine Zusatzausbildung als Buchhalter absolviert.
Die Erfahrungen aus dieser Zeit kann der Familienvater – „das zweite Kind ist unterwegs“ – jetzt gut nutzen. „Die Häuser füllen sich nicht mehr von selbst“, weiß er. Nicht nur wirtschaftlich muss es passen, auch das Angebot ist maßgebend. Einige gute Dinge dafür hat er auf dem weitläufigen Gelände vorgefunden, „sie müssen nur wiedererweckt werden“, sagt Brinkmann. Die kleine Freiluftbühne etwa, der Lagerfeuerplatz und die Grillhütte. Langlaufski und Schlitten gibt es auch, und in der vom DWD gesponserten Wetterstation kann er Schülern zeigen, wie die Werte bestimmt werden.
Und natürlich die Natur, die das Haus ja von allen Seiten umgibt: „Wir wollen die Kooperation mit dem Nationalparkhaus wieder intensivieren“, plant der neue Leiter, und neben Umwelt- und Wildnis-Themen soll auch die reiche Oberharzer Bergbaugeschichte ins Programm.
Ab 1. Juni bekommt das derzeit achtköpfige Herbergsteam Verstärkung durch eine Vollzeit-Erlebnispädagogin, im Sommer hofft Brinkmann, die neue Küchenleitung begrüßen zu können. Inklusive Assistenten wird die Jugendherberge Torfhaus dann 11 Beschäftigte haben. Und was das Schönste ist: „Zwei Saisonen im Jahr – Sommer und Winter“, freut sich Florian Brinkmann. Und erzählt vergnügt von seinem Start Anfang April: „Da hatten wir einen Meter Neuschnee.“
Florian Brinkmann an seinem neuen Lebensmittelpunkt: Nach 15 Jahren Hotelfach übernahm er Niedersachsens höchstgelegene Jugendherberge.