„Jadine“ schließt vor Weihnachten
Der Umzug des Traditionsgeschäfts „Jadine“ an den Marktplatz war ein Versuch, das Geschäft zu beleben. Jetzt ist Ausverkauf. Fotos: Kempfer
Goslar. Vor zehn Monaten zogen sie von der Bäckerstraße an den Marktplatz, ohne Erfolg: Im traditionsreichen Goslarer Brautmodengeschäft „Jadine“ gehen zum Ende des Jahres die Lichter aus.
„Wir schließen“ verkünden die Plakate schon von weitem, und dieses Mal gibt es keinen Plan B: „Es ist wirklich Ende. Es geht nicht weiter mit Jadine“, sagt Nadine Neumann im Gespräch mit der GZ.
Die Hoffnungen, die Sabine und Nadine Neumann Ende letzten Jahres nach dem Umzug von der Bäckerstraße an den Marktplatz in den neuen Standort gesetzt haben, haben sich nicht erfüllt – die beiden ziehen die Reißleine. Die ersten Gedanken darüber hätten sie sich in den Sommerferien gemacht, der Entschluss sei aber erst vor drei Wochen gefallen; mangelnde Umsätze gibt Geschäftsführerin Nadine Neumann als Grund an; worauf sie zurückzuführen sind, liegt wohl an vielen Faktoren – so richtig verstehen können die beiden das immer noch nicht.
Das Geschäft liege nicht mehr an der Laufstrecke, meinten einige Kunden, es sei nicht gemütlich genug, sagten andere („Es ist immer noch ein bisschen Rossmann“), auch die Schaufenster-Deko fanden einige gut, andere abschreckend. „Die Baustelle hat uns den Rest gegeben“, sagt Sabine Neumann, die Straße sei „wie ausgestorben“ und das Sommerloch extrem gewesen.
Alles in allem reichte das, was erwirtschaftet wurde, nicht aus, um die Kosten zu decken – die an diesem Standort mit 220 Quadratmetern Verkaufsfläche höher sind als in der Bäckerstraße, wo das Geschäft auch schon stagnierte. Seit drei Jahren habe das Internet explosionsartig zugenommen, haben Mutter und Tochter beobachtet; immer mehr Kundinnen (jeden Alters) probierten Kleider an, fotografierten Artikelnummern ab und wurden nicht mehr gesehen .
Strich drunter, nach vorne geschaut – nach dem Schrecken der Entscheidung, am 23. Dezember endgültig zu schließen, kommt die Erleichterung darüber. „Es ist jetzt ein Ende abzusehen, und dann geht etwas Neues los“, sagt Nadine Neumann (36), die jetzt wieder ruhiger schläft. Von der Selbstständigkeit hat sie erst einmal die Nase voll; und der Einzelhandel lockt sie auch nicht mehr: „Ich habe auch noch andere Fähigkeiten“, sagt die zweifache Mutter selbstbewusst. Auch Mutter Sabine (61), die 1989 mit Jadine auf der Herzog-Wilhelm-Straße in Bad Harzburg startete, sucht, ebenso wie drei weitere Mitarbeiterinnen, nach neuen Betätigungsfeldern. „Wir sind wieder zu haben“, sagt sie – und kann dabei noch lachen.
Doch zunächst heißt es bei den Neumann-Frauen: Alles muss raus, („Wir wollen noch alle Kleider an die Bräute bringen“) und ein Nachmieter muss rein, denn mit „Jadine – Mode am Markt“ mussten sie sich auf mehrere Jahre vertraglich binden. Auch neue Ware wird noch erwartet – denn nicht alle Aufträge konnten storniert werden.
Nadine und Sabine Neumann (v.li.).