JL Goslar und JLAnoden sollen an Investoren aus China verkauft werden
Die Beteiligten hoffen auf eine leuchtende Zukunft: Matthias Uebel (li.), Vorstand des JL-Eigentümers Endurance Capital, und Erhard Grab (re.) vom Eigentümer Pro Consult Plus unterzeichnen mit Li Renchao, dem Vorstandsvorsitzenden der China Western Power Industrial, im Beisein von Vertretern der Städte Goslar und Zigong den Verkaufsvertrag. Foto: privat
Goslar/Ilsenburg. JL Goslar, das ehemalige Bleiwerk, und die Ilsenburger Tochter JLAnoden sollen an Investoren aus China verkauft werden. Der Kaufvertrag mit der China Western Power Industrial Corporation wurde feierlich in der Kaiserpfalz unterzeichnet. Jetzt müssen noch Behörden zustimmen.
Goslar/Ilsenburg. JL Goslar, das ehemalige Bleiwerk, und die Ilsenburger Tochter JLAnoden sollen an Investoren aus China verkauft werden. Der Kaufvertrag mit der China Western Power Industrial Corporation wurde feierlich in der Kaiserpfalz unterzeichnet. Jetzt müssen noch Behörden zustimmen.
Seit Investoren aus China verstärkt Interesse an deutschen Unternehmen zeigen, wächst die Befürchtung, dass wichtige Technologie und Know-how nach Fernost verkauft werden. Eine Bertelsmann-Studie hat kürzlich untersucht, wie Unternehmen aus der Volksrepublik in Deutschland auf Einkaufstour gehen und sich vorrangig für Schlüsseltechnologien interessieren. Um einen Ausverkauf zu verhindern, wurde 2017 die Außenwirtschaftsverordnung verschärft.
Seither werden solche Übernahmen strenger geprüft: Im Fall des Bleispezialisten JL muss das Bundeswirtschaftsministerium zustimmen. JL-Geschäftsführer Dr. Franz Martin Knoop rechnet in vier bis sechs Monaten mit einer Entscheidung über den Verkauf.
JL Goslar und die Ilsenburger Tochter beschäftigen zusammen rund 165 Mitarbeiter. JL-Betriebsratsvorsitzender Harald Jührmann sagt, er sei „gedämpft optimistisch“. Die Vertreter des Käufers hätten erklärt, sie wollten expandieren, Arbeitsplätze sollten nicht abgebaut werden. Zudem bleibe das Unternehmen samt der Tarife im Arbeitgeberverband. Mit dem Verkauf des Unternehmens vor fünf Jahren durch die Altgesellschafter an die Endurance Capital AG in München sei klar gewesen, „dass wir weiterverkauft werden“, sagt Jührmann. Endurance ist eine auf Beteiligungen spezialisierte Mittelstandsholding. JL-Geschäftsführer Knoop sagt sogar: „Wir haben zielgerichtet nach einem chinesischen Partner gesucht.“ Er spricht von „beiderseitigen Vorteilen“. Das Unternehmen, Weltmarktführer für Container, in denen flüssiges Brom transportiert wird, sei schon jetzt in China präsent.
JL hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Betriebsratschef Jührmann erinnert an eine Insolvenz, einen Sanierungstarif 2016 und 2017 sowie an den Abbau von Personal.
Bereits voriges Jahr wurde die JL-Tochter Elsold, die 2013 von Goslar nach Ilsenburg ausgegliedert wurde, an japanische Investoren verkauft. Elsold produziert Lotprodukte für die Automobil- und Elektroindustrie und gehört mittlerweile zur Tamura Deutschland GmbH, einer Holding der Tamura-Gruppe.
JL und die zwei Töchter sind nicht die einzigen Betriebe aus dem Harz, die Eigentümer aus Fernost bekommen. Der Tantal-Bereich des Chemie-Unternehmens H.C. Starck wurde an japanische Investoren veräußert, für die Wolfram-Sparte sind Interessenten aus China im Gespräch.
Aufgeräumt: Blick in die Löterei des Bleispezialisten JL in Goslar.