„Ist der Mensch frei?“
Karikatur „Der Mensch eine Marionette“.
Ist der Mensch frei?“ Diese Frage beschäftigt seit Jahrtausenden ganze Generationen. In seiner gleichnamigen Vorlesung vermittelte Professor Dr. Philipp Hübl einen Überblick über die Freiheit des Menschen und ihre Beschränkungen. In der Aula des Ratsgymnasiums versammelten sich am Dienstagabend Dutzende Schülerinnen, Schüler, Eltern, Lehrer und andere Interessierte.
Ist der Mensch frei?“ Diese Frage beschäftigt seit Jahrtausenden ganze Generationen. In seiner gleichnamigen Vorlesung vermittelte Professor Dr. Philipp Hübl einen Überblick über die Freiheit des Menschen und ihre Beschränkungen. In der Aula des Ratsgymnasiums versammelten sich am Dienstagabend Dutzende Schülerinnen, Schüler, Eltern, Lehrer und andere Interessierte.
Hübl, Professor an der Universität Stuttgart, erklärte, dass mit Freiheit, freies Handeln gemeint sei. Das hätte drei Merkmale: etwas willentlich zu tun, sich zum Tun entschieden zu haben und schließlich aufgrund von Wünschen tätig zu werden. Auf der Projektionswand neben dem Dozenten erschien eine Büste des Philosophen Aristoteles mit dem Zitat: „Wo das Tun in unserer Gewalt ist, ist es auch das Unterlassen.“ Hübl dazu: „Wir haben hier die Zwei-Wege-Freiheit, das Tun und das Unterlassen.“
Der sehr gut besuchte Vortrag war der zweite in einer Veranstaltungsreihe, zu der das Ratsgymnasium im Rahmen des Martin-Luther-Jubiläumsjahrs eingeladen hatte.
Hübl umriss den „klassischen“ Freiheitsbegriff, nach dem „wir meistens frei sind“. Im Gegensatz dazu habe vor etwa 30 Jahren die Neurowissenschaft die Freiheit widerlegt. Nach deren Untersuchungen würde das Gehirn die Handlungen bestimmen und dem Menschen Entscheidungsfreiheit nur vorgaukeln. Doch auch dieser Ansatz sei heftig umstritten.
Einen weiteren und aktuellen Aspekt würde die Psychologie bieten. Danach sei „der Mensch grundsätzlich frei“ hätte allerdings spürbare Einschränkungen. „Eine davon ist die Manipulation, zum Beispiel durch Werbung.“ So würden wir in Supermärkten Waren kaufen, weil Händler sie attraktiv präsentierten. „Diese Manipulation ist so lange unbedenklich, wie wir bewusst unsere Handlungen lenken. Wie können wir uns mit Reflexion, das heißt mit Vernunft, gegen diese Manipulation schützen?“ Eine weitere Einschränkung sei der Gruppenzwang. „Hier übernehmen wir Ansichten und Handlungsweisen, weil soziale Bindungen es von uns erwarten.“
Auch gegen diese Einschränkung könnten wir uns mit Reflexion schützen. Außerdem würden moralische Werte unsere Handlungsfreiheit einengen. „Untersuchungen haben ergeben, dass wir in lebensbedrohlichen Situationen nach dem Grundsatz handeln: ,Töte einen, rette viele.‘“ So würden die meisten handeln, keineswegs alle. Und in Abwandlungen solcher Situationen sei die Bandbreite unserer Handlungen noch größer und somit unbestimmter. Der Professor fasste zusammen: „Psychologisch neigen wir dazu, unsere Handlungsfreiheit zu überschätzen. Doch sie wird eingeschränkt. Durch bewusstes und vernünftiges Handeln können wir die Beschränkungen verringern.“
Nach dem Vortrag diskutierten Schüler und andere Interessierte lange in der Aula, trotz des milden Abends. Eindeutig eine freie Entscheidung.
vortrag im Ratsgymnasium Referent Dr. Philipp Hübl