Integrationszentrum ist wieder Hotel
Rustikale Werbung für ein Hotel, das bis vor Kurzem als Integrationszentrum Flüchtlinge beherbergte.
Goslar. Vom Hotel zum Flüchtlings-Integrationszentrum und wieder zurück: Die „Harzlodge“ an der Clausthaler Straße in Goslar wird wieder als Hotel geführt. Das Zwischenspiel als Vorzeigeeinrichtung für Asylbewerber ist beendet. Inhaber Carsten Czoske ist mit den ersten Wochen nach der Wiedereröffnung sehr zufrieden. „Seither sind wir fast voll belegt.“
Czoske hat das weitläufige Hotel vor dem Neustart „komplett saniert“, wie er sagt. Das habe nichts mit der Nutzung als Integrationszentrum zu tun, betont er. Das Haus sei 2009 als Hotel eröffnet worden, eine Sanierung habe ohnehin angestanden.
2009 hat Czoske die Harzlodge-Gebäude mit dem „Fuchsbau“, der für Feiern angemietet werden kann, von Multi-Unternehmer Heiko Rataj gepachtet und 2011 gekauft. 2016 gründete er auf dem Höhepunkt der Einreisen von Flüchtlingen mit Rataj die Gesellschaft „Zu Gast bei Freunden“, um die Gebäude von Februar 2016 an als Integrationszentrum zu betreiben. Der Landkreis stellte die Geschäftsführerin und weiteres Personal und organisierte die Integrationsangebote.
Rund 1200 Flüchtlinge durchliefen von Februar 2016 bis September 2017 das Zentrum. Die Einrichtung bot zunächst Platz für 300, später für 250 Menschen und war bereits in früheren Jahren Sammelunterkunft für Flüchtlinge. Das Integrationskonzept von 2016 sah vor, dass sich die Flüchtlinge einige Wochen in den Gebäuden aufhalten, Sprach- und Kulturkurse belegen und mit dem Leben in Deutschland vertraut machen. Danach zogen sie in Wohnungen im Landkreis, sofern sie in der Region blieben.
Zur Eröffnung der Einrichtung, laut Landkreis war es das erste Flüchtlings-Integrationszentrum in Niedersachsen, wurde Ministerpräsident Stephan Weil mit einer Videobotschaft zugeschaltet. In seiner Grußbotschaft nannte er das Konzept „wirklich überzeugend“.
Dennoch gab es auch kritische Fragen. Der Vertrag zwischen Czoske, Rataj und dem Landkreis für das Heim endete erst im Januar 2018: Weil dem Landkreis Goslar immer weniger Flüchtlinge zugewiesen wurden, sank die Zahl der Bewohner zuvor deutlich. Von Mitte September bis Ende Januar stand die Einrichtung leer – bei laufenden Kosten von nahezu 300.000 Euro pro Monat. Landrat Thomas Brych erklärte, die Kosten seien durch die Zuschüsse des Landes für die Flüchtlingsbetreuung gedeckt.
Czoske und Rataj waren dem Landkreis zuvor entgegengekommen, indem sie etwa die Platzzahl von 300 auf 250 und somit die Kosten für die öffentliche Hand verringerten, als die Belegung sank. Aus dem Vertrag wollten sie den Landkreis dann aber nicht auch noch vorzeitig entlassen.
Neben solchen Diskussionen gibt es einige berührende Geschichten. Bei einem Besuch des damaligen Vizekanzlers Sigmar Gabriel im Sommer 2016 zeigten sich viele der Menschen in der Einrichtung erleichtert und froh, dass sie in Deutschland aufgenommen wurden. Eine Mutter und ein Vater aus Syrien, deren Tochter einige Wochen zuvor in Goslar zur Welt gekommen war, kamen mit ihrem kleinen Mädchen zu den Besuchern, die Gabriel begleiteten, und erzählten stolz, dass sie es aus Dankbarkeit „Merkel“ genannt hatten.
Landkreismitarbeiterin Gaby Töpperwien, die die Einrichtung geleitet hat und heute für die Fachgruppe Integration zuständig ist, berichtet, dass nach wie vor viele Flüchtlinge, die früher in dem Zentrum lebten, zu ihr und ihren Mitarbeitern in die Kreisverwaltung kommen, wenn sie Rat suchen.