Insolvenz: Streit um Autohaus Lemke
HL-Automobile, ehemals Autohaus Lemke, ist seit Anfang des Jahres geschlossen. Zwischen Mieter und Vermieter ist ein heftiger Streit entbrannt. Foto: Epping
Goslar. Das Ehepaar Lemke schiebt eine Teilschuld auf den Vermieter, warum HL Automobile geschlossen werden musste.Dieser wehrt sich und will rechtliche Schritte einleiten.
Das Autohaus HL-Automobile in der Vienenburger Straße 12 ist seit Anfang des Jahres geschlossen. Hinter den verriegelten Türen des ehemaligen Autohauses Lemke lagert nicht nur Kundenware, sondern es brodelt auch, denn Mieter und Vermieter liegen im Streit: Heike und Detlef Lemke schieben die Mitschuld am Niedergang ihres Geschäfts auf den Vermieter Thomas Wilde, Goslarer Unternehmer und selbst ehemaliger Autohändler. Der reagiert, gibt Contra und schaltet seinen Anwalt ein. Derweil läuft abermals ein Insolvenzantragsverfahren gegen das Autohaus.
In einer Mail schildern Lemkes der GZ ihr Dilemma: 2014 sei der Pachtvertrag mit dem neuen Eigentümer der Immobilie abgeschlossen worden. Man habe neue Hoffnung geschöpft, schließlich hatte das Ehepaar Lemke mit seinen Unternehmen in der Vergangenheit schon mehrmals mit der Insolvenz zu kämpfen.
Dann sei aber das gefolgt, was Detlef Lemke einen „geplanten Rausschmiss“ nennt. Lagerräume seien verkleinert und Verkaufsbereiche abgegeben worden, Baulärm habe den Verkauf gestört – alles bei gleichbleibender Pacht. Mündliche Versprechungen blendeten, selbst die Mitarbeiter seien nicht von Schikanen verschont geblieben, behauptet Lemke.
Im Februar habe der Vermieter dann die Schlösser ausgetauscht und den Strom abgeschaltet, so Lemke. Und das sei von langer Hand geplant und später auch angedroht gewesen, denn Wilde habe schon im vergangenen September die Elektronik so umbauen lassen, dass eine partielle Stromabschaltung möglich ist. 14 Mitarbeiter seien nun ohne Arbeit. Maschinen, die eigentlich Lemke gehörten und Fremdeigentum – unter anderem geschätzt 300 eingelagerte Reifen – stünden hinter verschlossenen Türen.
Thomas Wilde, Eigentümer der Immobilie, ist mit dieser Darstellung überhaupt nicht einverstanden. Das Autohaus Lemke habe schon seit Mitte 2016 finanzielle Probleme, zudem sei der Mietvertrag Ende 2016 beendet worden. Eine Nutzungsentschädigung habe er nach Vertragsende für die genutzten Räumlichkeiten nicht erhalten. Und auch die Unterstellung, dass er das Unternehmen Lemke sukzessive habe untergehen lassen, weist Wilde entschieden zurück. Im Gegenteil: Vergangenes Jahr habe er Lemke mehrere zehntausend Euro Kredit gegeben, die nicht komplett zurückgezahlt worden seien.
Wilde kündigt nun rechtliche Schritte an: Zusammen mit seinem Anwalt will er Strafanzeige gegen Lemkes stellen – wegen übler Nachrede und Verleumdung. Denn, die Autohändler hätten nicht nur Kunden erzählt, dass er Schuld an dem Niedergang ihres Autohandels sei. Sie hätten auch ein Schild an dem Gebäude angebracht, auf dem stand, dass Wilde das Autohaus schließe. Dieses Schild sei mittlerweile abgehängt.
Der Streit ist vor allem deshalb unübersichtlich, weil Lemke von vielen mündlichen Abmachungen berichtet. Viele Verträge lägen schriftlich erst gar nicht vor. Fakt ist aber, dass im Januar ein Insolvenzantragsverfahren gegen Heike Lemke, die als Inhaberin des Autohauses eingetragen ist, eröffnet wurde. Antragssteller sei in diesem Fall das Finanzamt, sagt ihr Mann. Peter Steuerwald, der als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt wurde, bestätigt der GZ, dass das Unternehmen Lemke schon in der Tat vor Miet-Ende in einer Krise gesteckt habe.
Detlef Lemke wollte auf GZ-Anfrage zumindest einen Neuanfang nicht ausschließen – wohl aber nicht mehr in der Größe. Er möchte auch nicht die Komplettschuld auf Wilde wälzen. Ja, es habe 2016 für „Zwischengeschäfte“ Kreditzahlungen seitens Wilde gegeben – die hätte er aber vollständig mit Zinsen zurückgezahlt. Trotzdem bleibt er dabei: Mit aus seiner Sicht unfairem und fragwürdigem Handeln sei seinem Betrieb die Luft zum Atmen genommen worden.
Der Autohandel um Heike und Detlef Lemke hat nicht das erste Mal mit der Insolvenz zu kämpfen. Schon 2009 berichtete die GZ über das Autohaus Lemke, das als Konsequenz aus den damals dramatisch eingebrochenen Absatzzahlen der US-Marke Chrysler insolvent gegangen war. Der Rettungsanker für den Händler in der Vienenburger Straße war Hyundai: Mit dem südkoreanischen Autohersteller als Zugpferd konnte die Krise überwunden und der Standort unter dem neuen Namen Autogalerie Lemke gerettet werden. Vier Jahre später der nächste Schlag: Die Autogalerie mit ihren 27 Mitarbeitern meldete Insolvenz an. Und auch hier ging es wenige Monate weiter: Die Insolvenz wurde abgewendet, die Firma zu HL-Automobile–Autoprofi Lemke umgenannt. Mit Hyundai besteht mittlerweile keine Partnerschaft mehr, HL-Automobile war zuletzt Vertragshändler mit dem südkoreanischen Hersteller Ssangyong.