Im Warnetal rollen nach 30 Jahren wieder Güterzüge
Bei der alten Hauptgenossenschaft Klein Mahner reaktiviert die Tourismus- und Warnetalbahn GmbH als Infrastrukturbetreiber der Strecke im Warnetal die alte Ladestraße. Dort werden von den Holztransportern die Stämme auf die Waggons umgeladen. Fotos: Gereke, Privat
Klein Mahner. Am 28. Mai 1988 rollte zum letzten Mal Güterverkehr über die Eisenbahnstrecke zwischen Salzgitter-Bad nach Börßum. Nach mehr als 30 Jahren geht es nun weiter. Vom Bahnhof Klein Mahner aus rollte ein Hunderte Meter langer, mit Holzstämmen beladener Güterzug Richtung Ostseeküste.
Hinter dieser Premiere steckt die Tourismus- und Warnetalbahn GmbH als Infrastrukturbetreiber der Strecke. Im Bereich des Bahnhofs Klein Mahner entstand seit Sommer eine Verlademöglichkeit von Lkw auf Schiene. Mit dieser neuen Möglichkeit seien Gespräche mit verschiedenen Partnern geführt worden, die nun zum Erfolg geführt hätten, so Kai Edelmann, Geschäftsführer der Tourismus- und Warnetalbahn GmbH.
Ideengeber war Forstunternehmer Jörg Nowak aus Klein Mahner. „Die Waldbesitzer haben alle das Problem, dass im und am Harz viel Holz durch Windwurf noch in den Wäldern liegt und nicht genügend Transportmittel zur Verfügung stehen, um das Holz aus den Wäldern abfließen zu lassen, damit Platz für neue Polter entsteht“, erklärt er. So entstand die Idee, die Ladestraße bei der alten Hauptgenossenschaft Klein Mahner zu reaktivieren.
Am Montag waren nun zehn Waggons mit einer Gesamtlänge von 230Metern mit Fichtenholz, alles vier Meter lange Stämme, beladen worden. Am Abend wurden dann acht weitere Waggons, die aus Münchehof kamen, angekuppelt, ehe es für den 450 Meter langen Zug mit rund 1200 Tonnen Holz gen Ostseeküste ging. Ein Waggon fasst die Ladung von zwei Lkw –bei insgesamt 18 Waggons ersparte dies 36Lkw-Transporte Richtung Küste. „Ziel ist es, Holz aus dem Vorharz mit der Bahn umweltfreundlich zum Kunden zu transportieren“, stellt Edelmann heraus, der auf weitere Aufträge hofft.
Zielort war der Hafen von Wismar, wo das Holz gen Schweden verschifft wird. „Eigentlich ist das skandinavische Land Holzexporteur. Doch im Sommer wüteten dort Waldbrände, sodass offenbar dort die Holzindustrie über nicht genug Rohstoff verfügt. Vermutlich ist Schweden jetzt erstmals Holzimporteur“, meint Nowak.
{picture1}
Alleiniger Gesellschafter der Tourismus- und Warnetalbahn GmbH ist übrigens die Dampflokgemeinschaft 41096 e.V., die den Museumsverkehr im Warnetal unterhält. „Für uns sind diese Transporte Mittel zum Zweck: Wir nehmen so Geld ein, was wir wieder in die Infrastruktur der Strecke investieren wollen“, sagt Christian Wegmann, Schriftführer der Dampflokgemeinschaft.
So plant beispielsweise die Tourismus- und Warnetalbahn GmbH, den Bahnübergang Lüderode durch den Bau einer Schrankenanlage besser zu sichern. „Hintergrund ist die fehlende Möglichkeit, für den Bahnübergang eine ,Sicherung durch Übersicht‘ herzustellen, weil dafür ein Wohngebäude zu nah an Straße und Bahnlinie steht“, erklärt Edelmann. Für den Umbau des Bahnübergangs plant die Gesellschaft derzeit mit Kosten in Höhe von 15.000 Euro, die von der Tourismus- und Warnetalbahn GmbH getragen werden. Und Geld wird auch für die Instandhaltung der Dampflok 41096 benötigt. „Uns fehlen noch 50.000 Euro“, so Wegmann.
Und noch etwas tut sich im Warnetal: Bald soll wieder Museumsverkehr auf der ganzen Strecke zwischen Börßum und Salzgitter-Bad aufgenommen werden. „In den vergangenen Jahren fuhren wir nicht mehr bis nach Börßum – das lag nicht daran, wie viele glaubten, dass die Eisenbahnbrücke über die Oker marode ist. Vielmehr bestand für Reisende in Börßum keine Umsteigemöglichkeit in die Züge, die zwischen Vienenburg und Braunschweig verkehren“, erläutert Wegmann.
{picture2}
Nun fanden aber Gespräche statt. Die Dampflokgemeinschaft 41096 e.V. plant derzeit zwei Sonderfahrten am Ostersamstag von Börßum über Werlaburgdorf, Gielde, Klein Mahner und Salzgitter-Bad nach Salzgitter-Ringelheim mit dem Ostereiersuchzug.
Als Warnetalbahn wird die Eisenbahnstrecke zwischen Börßum und Salzgitter-Bad bezeichnet. Sie ist ein Teil der Braunschweigischen Südbahn. Die Strecke wurde 1856 von Börßum nach Kreiensen eröffnet, um so eine Verbindung von Braunschweig ins Ruhrgebiet und nach Süddeutschland zu schaffen. 1868 erfolgte der zweigleisige Ausbau der Strecke. Zeitgleich wurde die Strecke Börßum–Jerxheim fertiggestellt. Von Jerxheim ging sie weiter bis Oschersleben und Magdeburg.
Mit der deutsch-deutschen Teilung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verlor die Strecke massiv an Bedeutung. 1968 wurde das zweite Gleis der Warnetalbahn demontiert. Den Personenverkehr stellte die Deutsche Bundesbahn 1976 ein. Danach übernahmen die Eisenbahnfreunde der Dampflok-Gemeinschaft 41 096 die Strecke und unterhielten dort einen Museumsverkehr.