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Historische Mauer am Burgberg weist eine Lücke auf

Vor der Lücke in der Mauer: Welche Schritte als nächste einzuleiten sind, legten Karen Ullrich von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Goslar, Katharina Malek vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (v.l.) und KTW-Chef Bernd Vollrodt (2.v.r.) fest. Ausführender Bauunternehmer Uwe Bartel gibt Anregungen.  Foto: Potthast

Vor der Lücke in der Mauer: Welche Schritte als nächste einzuleiten sind, legten Karen Ullrich von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Goslar, Katharina Malek vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (v.l.) und KTW-Chef Bernd Vollrodt (2.v.r.) fest. Ausführender Bauunternehmer Uwe Bartel gibt Anregungen. Foto: Potthast

Bad Harzburg. Es ist ein kleines Stück Mauer, das bröckelt. Und es sind viele, die dazu etwas zu sagen haben. Denn: Ein Teil des abgängigen Mauerabschnitts auf dem Burgberg soll sehr alt sein, also archäologisch wertvoll. Wie an der brüchigen Stelle nun verfahren werden soll, muss von Behördenseite noch entschieden werden. Für den Grundstückseigentümer, die Kur-, Tourismus- und Wirtschaftsbetriebe (KTW), geht es vorrangig um die Verkehrssicherung. Das wurde während einer Ortsbegehung deutlich.

Von Angela Potthast Dienstag, 25.06.2019, 11:48 Uhr

Am Weg, der hinauf zur Canossasäule, zur Harzsagenhalle, zur Gaststätte und zur Ruine der Harzburg führt, ist Mauerwerk zu sehen – und eine Lücke dazwischen. Im Winter schon hatten sich Elemente gelöst. Die KTW als Grundstückseigentümer sicherten die Stelle und entfernten im Frühjahr loses Material. Das alles geschah in Absprache mit dem Landkreis Goslar, dessen Untere Denkmalschutzbehörde eingebunden ist.

Ein Bauzaun sperrt nun den Hangbereich vom Wanderweg ab. Anfang Mai war laut Landkreissprecher Maximilian Strache die Abbruchstelle vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und durch einen ehrenamtlich Beauftragten für die archäologische Denkmalpflege photogrammetrisch (Bildmess-Methode) dokumentiert worden. Außerdem sei eine sogenannte Befundung vorgenommen und eine Mörtelprobe entnommen worden.

Der Mauerabschnitt ist nach derzeitigem Forschungsstand verschiedenen Epochen zuzuordnen, wie den Landkreis-Angaben zu entnehmen ist: Im unteren Bereich sei er ein Teil Befestigung aus Salier-Zeiten (1056 bis 1076). Im oberen Bereich seien Sanierungsmaßnahmen ablesbar, die vermutlich um 1909 angesetzt worden sind. Teilweise handele es sich um zweischaliges Mauerwerk mit Verfüllung, teilweise um einschaliges Mauerwerk. Vorgefunden worden seien Hornfels, Granitgestein und Kalkstein.

Wie nun weiter verfahren werden, und wie der frei liegende Hang künftig gesichert werden soll, hängt auch von der Analyse der Mörtelprobe ab. Diese möglichst schnell zu bekommen, sicherte Katharina Malek vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege KTW-Chef Bernd Vollrodt zu, der beim jüngsten Ortstermin auf rasches Handeln drang. Er will verhindern, dass sich noch mehr Material aus dem Hang löst und möglicherweise Menschen gefährdet. Die KTW stehen schließlich in der Verkehrssicherungspflicht.

Die nächste Maßnahme ihrer Wahl daher: Den überkragenden Böschungsbereich – er befindet sich oberhalb der Mauer – sehr bald abtragen zu lassen. Wenn das passiert, soll nach Aussagen von Katharina Malek jemand von ihrer Behörde dabei sein. Festgelegt wurde während des Ortstermins, dass die KTW vorab schon mal den Grünbewuchs wegschneiden lassen. Und, dass die Mauerteile rechts und links der Lücke durch Verfugung erhalten werden sollen. Wie, das soll ebenfalls die Mörtelanalyse zeigen.

Festgestellt wurde: Eine Aufmauerung schließe sich wegen fehlender Steine aus. Die von den KTW gesicherten Exemplare reichten nicht aus. Dass noch Steine im Gelände liegen, davon geht Dirk Junicke allerdings aus. Er ist Vorsitzender des Fördervereins Historischer Burgberg und schlägt vor, die Steine für zur Wiederverwendung zu sammeln.

Im Auftrag des Fördervereins hatte übrigens auch Archäologe und Bauforscher Thomas Moritz im vergangenen September bereits Mörtelproben genommen, um sie an der dänischen Universität Aarhus prüfen zu lassen (GZ berichtete). Bisher liegt dem Verein noch kein Ergebnis vor, darüber informierte jetzt Reinhard Vierke, Vize-Vorsitzender des Fördervereins.

Unterdessen gab es schon Überlegungen, was zur Hangsicherung getan werden könnte. Diplom-Ingenieur Uwe Bartel schlug vor, nach dem Entfernen der überkragenden Böschung Pflanzen einzusetzen, deren Wurzeln festigend wirken. Weitere Maßnahmen, die aus Sicht der Behörden unter anderem ebenfalls in Frage kommen könnten, um den Burgberg-Hang wieder zu stabilisieren: Mit Erdreich abdecken oder aber den Bereich mit einem Netz überdecken.

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