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Herbe Kritik: Image-GAU für die Harzwasserwerke

Die Innerstetalsperre leitet Wasser in die Granetalsperre. Dort wird es zu Trinkwasser aufbereitet. Daher wollen die HWW ein Schutzgebiet für die Innerste.  Foto: Archiv

Die Innerstetalsperre leitet Wasser in die Granetalsperre. Dort wird es zu Trinkwasser aufbereitet. Daher wollen die HWW ein Schutzgebiet für die Innerste. Foto: Archiv

Langelsheim/Hildesheim. Mit ihren Plänen zur Erweiterung des Wasserschutzgebietes für die Granetalsperre haben die Harzwasserwerke unerwartet heftige Kritik ausgelöst. Sie kratzt am Image des Unternehmens.

Von Oliver Stade Mittwoch, 06.05.2015, 18:30 Uhr

Es klang ein wenig hilflos, als die Grünen-Kreistagsabgeordnete Cornelia Grote-Bichoel am Montag im Kreistag sagte: „Ich bin überzeugt, dass die Harzwasserwerke keine böse Firma sind.“ Richtig aber ist, dass das Unternehmen, das Trinkwasser verkauft, zurzeit ein regelrechtes Image-Desaster erlebt.

Auslöser ist die geplante Erweiterung des Grane-Wasserschutzgebietes bis ins Innerstegebiet. Betroffen ist eine Fläche zwischen Langelsheim, Lautenthal und Clausthal-Zellerfeld. Derzeit werden die Betroffenen gehört, im Amtsdeutsch die „Träger öffentlicher Belange“. Der Kreistag lehnte das Vorhaben deutlich ab. Landrat Thomas Brych fürchtet gar „Verwerfungen“.

Abgesehen von Grünen und Linken herrscht die Meinung vor, dass die Harzwasserwerke (HWW) am Trinkwasser der Region verdienen, es bis nach Bremen liefern, aber den Harz nicht profitieren lassen, die Region stattdessen aber mit Auflagen gängeln. Das Unternehmen aus Hildesheim muss sich vorhalten lassen, kaum Gewerbesteuer im Harz zu zahlen. Und es wird befürchtet, ein weiteres Schutzgebiet verschrecke Investoren.

Brych sagte, seine Verwaltung „hat ganz klar festgestellt, dass bestimmte Vorhaben und Maßnahmen“ verboten werden. Betriebe und Kommunen müssten mit stärkerer Überwachung und Mehraufwand durch Auflagen rechnen.

Der Landrat, kein Mann lauter Töne, warf sich engagiert ins Wortgefecht. „Es geht um echte Standortvor- und -nachteile. Es geht um die Lebensader unserer Menschen hier“, sagte er in Anspielung auf befürchtete Einschränkungen für den Chemiestandort Langelsheim.

Henning Wehrmann von der Bürgerliste brachte ein neues Argument in die Debatte: Die norddeutsche Tiefebene solle nicht aus der Pflicht genommen werden, eigene Trinkwasservorkommen zu nutzen. Mit Blick auf den HWW-Firmensitz sagte er anklagend: „Zum Ausplündern ist uns der Harz zu schade.“ Er kritisierte zudem, dass der Inner-stestausee für Hochwasserschutz, nicht aber für die Trinkwasserversorgung gebaut worden sei.

Am Dienstag, einen Tag nach der Kreistagssitzung, traf sich der SPD-Unterbezirksvorstand Goslar zum Gespräch mit HWW-Geschäftsführer Renke Droste. Vorsitzende Petra Emmerich-Kopatsch berichtete, sie habe ihm vorgehalten, das Unternehmen agiere ohne Rücksicht auf die Belange der Region.

Droste will dennoch an dem Antrag für das Wasserschutzgebiet festhalten. Dass sein Unternehmen plötzlich an Ansehen verliert, nimmt er wahr: „Die Heftigkeit der Debatte hat mich auch betroffen gemacht. Imagemäßig ist das eine ganz schwierige Sache.“

Droste sagt, die HWW bräuchten die Innerste zur Trinkwasserversorgung, um den Bedarf der Kunden zu decken. Die Innerste leite Rohwasser an die Grane, das dann aufbereitet werde.

Seit 30 Jahren liegt ein Antrag für eine Erweiterung des Wasserschutzgebietes vor. Warum ist die Erweiterung erforderlich, wenn es in der Vergangenheit keine Probleme gegeben hat? Droste will die HWW für „eventuelle Fälle“ wappnen. Straßenarbeiten etwa könnten zu „Bodenveränderungen führen und Schadstoffe in die Talsperre spülen“. Droste sieht die höheren Kosten und Mehraufwand für Kommunen, Gewerbe und Industrie. „Im Zweifel ist das so.“ Den Kritikern bietet er „Kompromissbereitschaft“ an.

Derweil läuft das Beteiligungsverfahren weiter, es liegt in der Hand des NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz). Wann eine Entscheidung fällt, sei nicht abzusehen, meint Droste.

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