Heidrun Lenz-Exner setzt auf die Kraft der Kunst
Kunstschaffen mit Augenzwinkern: Die kleinen Harzzwerge haben Betrachtern schon manches Lächeln entlockt. Fotos: Kempfer
Vienenburg. Die Heilpädagogin und Erzieherin Heidrun Lenz-Exner aus Goslar stellt bis Mai im Curanum Seniorenpflegezentrum in Vienenburg aus. Eine Folgeausstellung auf den Goslarschen Höfen ist geplant.
Spitzbübisch blicken einen die Zwerge mit den dunklen Bärten und roten Zipfelmützen an. „Es sind Harzzwerge“, erklärt Heidrun Lenz-Exner augenzwinkernd; schließlich seien wir hier im Harz. Die 51-Jährige ist ein Mensch mit viel kreativem Potenzial; derzeit profitieren Bewohner und Mitarbeiter des Seniorenwohnheims „Curanum“ am Vienenburger See davon. Dort ist die Ausstellung der Goslarerin bis Mai zu sehen, im Sommer stellt sie in den „Höfen“ aus.
Die Zwerge sind eine Ausnahme. Zwar hat sich Heidrun Lenz-Exner auch an einem Bild von Donald Trump versucht, dessen frappierende Ähnlichkeit mit Heino (der dunklen Brille wegen) eigentlich nicht gewollt war. „Porträts liegen mir nicht so“, gesteht sie, nimmt die Herausforderung aber immer wieder an.
Stark ist sie hingegen in Landschaften, in Motiven mit ineinanderfließenden Formen und Farben – die Heilpädagogin ist tatsächlich keine Frau der klaren Linien, der klaren Abgrenzung – die Dinge fließen ineinander, eines ihrer Lieblingsbilder erinnert an den „Schrei“ – nicht von der Bildaussage her, sondern von der Machart mit den diversen von innen nach außen gehenden Schichten, deren Mitte ein Energiefeld zu sein scheint. Öl ist ihr Lieblingsmaterial, es trockne langsamer als Acryl. Vieles hat sie schon verschenkt und verkauft, bei einigen Arbeiten bestand Pfarrer Thoma Exner, ihr Mann, darauf, dass sie im Haus bleiben. Beliebt sind Meermotive mit Sand, Himmel, Strand und Möwen – und die Muscheln sind glatt echt und heben sich von der zweidimensionalen Leinwand ab, ein kleiner 3-D-Effekt.
Bewohner und Personal freuen sich über die Abwechslung auf den Wänden, sagt Jutta Abmeier, Pflegedienstleiterin im Curanum. Im Speisesaal im Erdgeschoss, in dem die rund 50 „mobilen und orientierten“ Bewohner des Hauses ihre Mahlzeiten einnehmen, müssen die meist farbenfrohen Bilder einfach appetitanregend wirken.
Dass Kunst nicht nur ein Selbstzweck ist, hat Heidrun Lenz-Exner, die eigentlich am liebsten auf Seide malt und darüber hinaus der Fotokunst zugewandt ist, schon lange erkannt. Zum einen ist es ihr ein Bedürfnis, sich bildlich auszudrücken – schon als Kind habe sie gemalt, als Jugendliche trat sie einer Fotogruppe bei, erzählt sie. Zum anderen setzt sie die Wirkung von Kunst heute gezielt für heilpädagogische und therapeutische Angebote ein, in der Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigungen; aus der zunächst ehrenamtlichen Arbeit entwickelte sich ein hauptberufliches Engagement, dass sie weiter ausbauen will. Nicht die Kunst allein, auch die Pädagogik steht also im Mittelpunkt, denn Lenz-Exner sucht den Kontakt zu den Menschen. 2016 bot sie in Seesen Kunsttherapie für die Patienten einer Reha-Klinik an, inklusive Kreativkurse an der Kreisvolkshochschule Goslar sind in Planung.
Harzzwerge von Heidrun Lenz-Exner, die im Curanum ausstellt