Harzklub beerdigt das Kalkofen-Projekt
Hahausen. Eine Restaurierung des Hahäuser Kalkofens ist in weite Ferne gerückt: Der Vorstand des Harzklub-Zweigvereins Neuekrug-Hahausen hat die Pläne für das Projekt zu den Akten gelegt – per Vorstandsbeschluss. Und das lag nicht an fehlenden Finanzmitteln, informiert Rainer Hoffmeister, Mitglied des erweiterten Hahäuser Harzklub-Zweigvereinsvorstands.
Die ganze Geschichte: „Ins Blickfeld geriet der Kalkofen vor einigen Jahren wieder, weil beim Landkreis Goslar eine Beschwerde über den Zustand des geschützten Industriedenkmals einging, der der letzte in seiner Bauweise erhaltene Ofen sein soll“, berichtet Hoffmeister. „Daraus erwuchs eine Initiative im Dorf zur Rettung des Kalkofens, denn alle älteren Hahäuser kennen das Bauwerk, auch ich bin als Kind auf ihm herumgeklettert“, gesteht der 57-Jährige.
Relativ schnell war dann der Harzklub-Zweigverein im Boot. „Es hätte ja genau zur Vereinssatzung gepasst mit dem Aspekt der Heimatpflege“, sagt Hoffmeister. Die Harzklubler seien bereit gewesen, das Gelände zu erwerben, sie erstellten eine erste Kalkulation für die Restaurierung – und landeten bei etwa 230.000 Euro für die Rettung. Eine stattliche Förderkulisse stand unter anderem über die Dorferneuerung in Aussicht, es hätte ein Projekt zur Tourismusförderung werden sollen. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz signalisierte Bereitschaft, Geld zu geben, so Pressewart Hoffmeister.
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„Die erste Förderzusage erhielten wir dann vom Landkreis Goslar – 60.000 Euro“, so Hoffmeister, um den Backstein-Schornstein in Schieflage zu sichern. „Der Kalkofen bei Hahausen ist von seiner Bauweise historisch von besonderer Bedeutung und stellt den Anfang der industriellen Entwicklung der für unsere Region entscheidenden Kalk-Gipsproduktion plastisch und so eindrucksvoll dar, dass er geeignet ist, zu einem Wahrzeichen der Vorharz-Region zu werden“, hieß es in der Vorlage des Kreistags. Gleichzeitig gab der Landkreis noch ein weiteres Fachgutachten in Auftrag – „und die genauere Betrachtung samt Erstellung eines Sanierungsplans hatte dann zum Ergebnis, dass die geschätzte Sanierungssumme um weitere 100.000 Euro anstieg“, erzählt Hoffmeister.
„Wir hatten auch berechtigte Hoffnungen, dass es uns sogar gelingen könnte, die Finanzierungslücke zu schließen“, so Hoffmeister. Doch es gab für den Harzklub eben auch zwei große Risiken, die dann den Vorstand zu dem Entschluss brachten, das Projekt zu beerdigen. „Keiner hätte uns eine Garantie geben können, dass die Sanierung erfolgreich verläuft. Der Schlot hätte auch während der Arbeiten in sich zusammenstürzen können. Dann hätten wir ein Grundstück mit einer Ruine am Hacken gehabt. Wir hätten uns um die Entsorgung des Bauschutts kümmern müssen, gleichzeitig hätten wir die bis dahin verbauten Fördergelder zurückzahlen müssen. Der zweite Pferdefuß war das benötigte Eigenkapital in Höhe von 10.000 Euro, was zu jeder Förderung zugeschossen werden muss. Wir hätten unter Umständen Mitgliedsbeiträge dafür nehmen müssen, aber die werden für andere Aufgaben benötigt“, so Hoffmeister. Der Vorstand habe lange überlegt, ob er wirklich dieses Projekt fallen lassen soll – um sich dann doch für das Aus zu entscheiden.
„Es war ein einzigartiges Projekt, der Hahäuser Kalkofen hätte als Landmarke an der Bundesstraße 82 zu einem Eingangstor zum Harz werden können, man hätte ihn touristisch entwickeln können. Aber bei einem Altersdurchschnitt im Verein von über 65 Jahren ist es auch schwierig, die Leute für solche Projekte zu bekommen“, so Hoffmeister. Denn es wäre ja nicht nur die Sanierung gewesen – das Areal hätte fortlaufend auch gepflegt werden müssen. Fazit: „Die Bedenken waren zu groß – und so ein Großprojekt kann nur gelingen, wenn alle dafür brennen“, sagt er. „Auch die Denkmalbehörde bedauert es sehr, dass diese Hahäuser Sanierungslösung nicht zustande kommt – ihr hätte nichts Besseres passieren können, als dass jemand aus dem Dorf aufsteht und es macht.“
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Wie geht es jetzt weiter? Eine Sanierung ist nicht in Sicht – und Hoffmeister befürchtet für das Denkmal das Schlimmste. „Bei den ersten Untersuchungen gab der Gutachter dem Kalkofen noch einen Winter – mittlerweile sind wir im dritten Winter und er steht noch“, sagt Hoffmeister. Aber der bauliche Zustand wird von Jahr zu Jahr schlechter. Auch, weil Unbekannte, die an historischem Baumaterial interessiert waren, sich dort der Ziegelsteine bedienten. Eine Prognose, wie lange sich das Industriedenkmal im Verborgenen noch in den Himmel reckt, vermag er nicht abzugeben.
„Das heute noch zu sehende Bauwerk ist der Rest von Priens Kalkofen“, erklärt Hahausens Ortsheimatpfleger Hans-Jürgen Seewaldt. „An dieser Stelle, wo früher schon Kalk gewonnen wurde, errichtete Baumeister Schaper aus Braunschweig in den Jahren 1927/28 ein modernes Kalkwerk. 1941, mitten im Zweiten Weltkrieg, wurde das Kalkwerk stillgelegt, da der alte Herr Prien es allein nicht leiten konnte und seine beiden Söhne im Krieg waren“, berichtet Seewaldt aus der Hahäuser Chronik. „Die Bauten und Maschinen wurden zum großen Teil zerstört und die Eisenteile kamen als Schrott deklariert abhanden“, berichtet der Hahäuser Ortsheimatpfleger.
„Teile der Fabrik sollen nach dem Zweiten Weltkrieg gesprengt worden sein, weil die Engländer eine Rüstungsfabrik vermuteten“, ergänzt Rainer Hoffmeister. Verarbeitet worden sei in dem Werk der Muschelkalk der benachbarten Osterköpfe. „Im Ofen wurde Brandkalk erzeugt, der als Futter, Düngemittel und Baustoff diente“, so Hoffmeister. „Es ist eine der wenigen erhaltenen Spuren aus der Hahäuser Gründerzeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts – ob Essigfabrik oder Filzfabrik, deren Relikte sind schon komplett verschwunden“, fügt Hoffmeister an.