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Hansgeorg Engelke ist gestorben

Freundlich lächelnd, mit einem seiner Bücher in der Hand: So bleibt Hansgeorg Engelke den Goslarern in Erinnerung. Die Aufnahme entstand im März 2011 kurz vor seinem 80. Geburtstag.  Archivfoto: Schenk

Freundlich lächelnd, mit einem seiner Bücher in der Hand: So bleibt Hansgeorg Engelke den Goslarern in Erinnerung. Die Aufnahme entstand im März 2011 kurz vor seinem 80. Geburtstag. Archivfoto: Schenk

Goslar. Hansgeorg Engelke ist am Freitagabend nach zuletzt kurzer Leidenszeit friedlich im Krankenhaus Ballenstedt eingeschlafen. 

Von Frank Heine Dienstag, 27.06.2017, 06:00 Uhr

Die Stimme erklang gewöhnlich leise, die Worte waren immer klug gewählt. Sein guter Rat wird fehlen. Hansgeorg Engelke ist am Freitagabend nach zuletzt kurzer Leidenszeit friedlich im Krankenhaus Ballenstedt eingeschlafen. Der frühere Direktor des Christian-von-Dohm-Gymnasiums, langjähriger Vorsitzender des Geschichtsvereins und Träger der Ehrennadel der Stadt Goslar, wurde 86 Jahre alt.

Am 12.Januar hatte ihm Oberbürgermeister Dr.Oliver Junk das äußere Zeichen Goslarer Wertschätzung im Großen Heiligen Kreuz angesteckt. Mitte März ernannte ihn der Geschichtsverein zu seinem Ehrenmitglied. Beide Würdigungen kamen gerade noch rechtzeitig, um auf ein langes, verdienstvolles Wirken aufmerksam zu machen – auch wenn Hansgeorg Engelke selbst ein großes Tamtam nie gemocht hat. Er ruhte in sich selbst.

„Ich glaube, ich konnte gut ausgleichen“, erzählte er dereinst in einem Gespräch mit der GZ kurz vor seinem 80.Geburtstag. Maßlos untertrieben kennzeichnet dieser Satz gleichzeitig in der Tat seine unnachahmliche Stärke und jene Eigenschaft, die Eltern, Lehrer und Schüler an ihrem geduldigen Direktor schätzten. In 20 Goslarer CvD-Jahren begleitete er rund 2000 Schüler zum Abitur. Vorher war er von 1961 bis 1975 als Lehrer in Braunlage tätig.

Das zweite große Kapitel seines öffentlichen Lebens war der Geschichtsverein. 18 Jahre lang dessen Vorsitzender, anschließend Vize, Autor und Herausgeber diverser Beiträge zur Goslarer Geschichte – 2013 erschien mithin als Krönung der Goslarer Ratskodex. Seit 1999 hatte Engelke auf diesen Moment hingearbeitet. Unter seiner Ägide vergab der Verein gemeinsam mit der Tessner-Stiftung insgesamt zehn Geschichtspreise.

Den Menschen zugewandt – in erster Linie seiner Frau Ursula, mit der er fast sechs Jahrzehnte verheiratet war. Von seinen drei Kindern Barbara, Roland und Christoph sprach er immer freundlich und mit einem Lächeln.

Aber wer weiß schon, dass der zwölfjährige Hansgeorg für eine Adolf-Hitler-Schule ausgesucht war, weit weg in Hinterpommern das gnadenlose Aussortieren Schwacher und einen sadistischen Zugführer erlebte und ganz allein zurück nach Wernigerode floh? Entschlusskraft und Willensstärke zeichnen solches Handeln aus, das unter einem menschenverachtenden Regime gewiss nicht furchtlos, aber für ihn folgerichtig war. Dass Engelke beruflich über Umwege später in Goslar landete, war ein Glück für die Stadt und die Menschen, die in ihr wohnen und ihn kannten.

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