Gunnar Demuth wird neuer Schulleiter der Robert-Koch-Schule
Hier hat er selbst 1990 Abitur gemacht (das kleine Foto stammt aus der Abizeitung), nun wird er ihr Direktor: Gunnar Demuth vor der Robert-Koch-Schule... Fotos: Römhild/Privat
Clausthal-Zellerfeld. Ab dem 1. August wird Gunnar Demuth neuer Schulleiter der Robert-Koch-Schule. Er folgt Jutta Reusing nach, die zum Ende des Schuljahres in den Ruhestand geht, nachdem sie die letzten sechs Jahre das Gymnasium geleitet hatte.
Die knapp 500 Schülerinnen und Schüler der RKS haben dann einen Rektor, der etwas mit ihnen gemeinsam hat: Er weiß, wie es ist, in der RKS zur Schule zu gehen. Demuth hat 1990 hier Abitur gemacht. Es ist, jedenfalls, soweit Einheimische sich erinnern, überhaupt das erste Mal, dass ein Ehemaliger die Geschicke der Schule lenkt.
Wobei der Pädagoge schon seit 2016 die RKS mitgestaltet, bislang als stellvertretender Schulleiter. Nach dem Studium in Braunschweig war er Lehrer in Northeim, Herzberg und Bad Lauterberg. Dort hat er an der Kooperativen Gesamtschule sechs Jahre lang den Gymnasialzweig geleitet und in den letzten drei Jahren in Personalunion als Oberstufenkoordinator eine gymnasiale Oberstufe neu aufgebaut. „Eine spannende Aufgabe“, sagt er. „Aber irgendwann hatte ich dort alles erreicht, es war Zeit für etwas Neues.“ Dann war die Stelle an seiner alten Schule ausgeschrieben, und er hat nicht lange gezögert. „Das ist hier meine Heimat, ich kenne die Harzer, ich kenne die Infrastruktur.“
Und er mag die RKS. Nicht nur aus Nostalgie (obwohl er sich immer noch erinnert, wo sein erster Klassenraum als Siebtklässler war). Sondern vor allem wegen der anderen Lehrer. „Wir haben hier ein junges, nettes und unheimlich engagiertes Kollegium.“ Die sich auch offenbar recht wohlfühlen an der Schule: So kann es vorkommen, dass nach mehr als dreistündigen Zeugniskonferenzen noch ein Spieleabend stattfindet, an dem dann noch viele der rund 45 Kolleginnen und Kollegen teilnehmen. Manch anderer Betrieb könnte neidisch werden bei so einem Betriebsklima.
Dass Demuth, der in Wildemann aufwuchs, mal Lehrer werden wollte, konnte man früh ahnen. Schon in der fünften Klasse gab er anderen Kindern Nachhilfe und hat während seiner ganzen Schulzeit damit sein Taschengeld aufgebessert. „Und das hat ganz gut geklappt“, sagt er, und es klingt fast ein bisschen verlegen.
Trotzdem schwankte er nach dem Abitur noch zwischen dem Lehrerberuf, einem Medizin- oder einem Informatikstudium. Seinen Zivildienst absolvierte er im Kinderheim Wiesengrund am Galgensberg, anschließend war er für ein halbes Freiwilliges Soziales Jahr an einer Klinik in Seesen. Danach wusste er, dass es doch nicht Medizin werden sollte, und begann das Lehramtsstudium für Mathe und Chemie an der TU Braunschweig.
Als er das Studium beendet hatte, lag der Numerus Clausus, also die Zugangsnote für das Referendariat, bei 1,5 - Demuth hatte die Examensnote 1,8. Damals war der Pädagoge nebenbei als Fußball-Schiedsrichter tätig. Drei Jahre lang pfiff er bis hinauf in die dritthöchste Spielklasse, in der 2. Bundesliga war er Linienrichter. Über einen Bekannten aus dem Sport hörte er von einer Stelle bei einer großen Versicherung in Göttingen. Er bewarb sich und arbeitete rund drei Jahre lang dort.
Heute ist er froh über diesen kleinen Umweg im Lebenslauf: „Es war eine wertvolle Erfahrung, andere Strukturen kennenzulernen, die nicht so demokratisch organisiert sind wie eine Schule, sondern mit einem Chef, der sagt, wo es langgeht.“
Die Stelle bei der Versicherung war interessant und abwechslungsreich, erinnert er sich - aber irgendwann lockte die Pädagogenlaufbahn doch stärker. Und über mangelnde Abwechslung oder zu wenig Herausforderungen kann er sich, insbesondere künftig als Schulleiter, nicht beklagen.
An der RKS sieht er noch Entwicklungspotenzial, „auch wenn hier schon vieles richtig gut ist.“ Personalentwicklung gehört dazu, aber auch die Ausgestaltung der Digitalisierung. Außerdem interessiert ihn, wie man das Fördern und das Fordern besser verbinden könnte: „Für die, die Hilfe brauchen, wird meist schon viel getan. Aber wie können wir die Guten fördern und die Schwächeren dabei mitnehmen?“
Und noch etwas liegt ihm am Herzen. „Ich habe einen extremen Gerechtigkeitssinn“, sagt Demuth. Damit meint er, dass jeder das bekommen sollte, was er verdient. „Das versuche ich, auch meinen Schülerinnen und Schülern beizubringen: Wenn man etwas erreichen will, muss man dafür etwas tun. Wer hartnäckig ist, wird auch was erreichen.“
Durchhaltevermögen der ganz besonderen Art fordert dem 48-Jährigen derzeit die Corona-Krise ab. Nicht nur, dass der Stabwechsel in der Schulleitung vermutlich etwas kleiner ausfallen wird, als sonst zu solchen Gelegenheiten üblich. Und dass die Koordination von halbierten Klassenstärken an sich schon eine Herausforderung ist.
Im Augenblick weiß er nicht mal, wie viel Lehrkräfte er im kommenden Schuljahr zur Verfügung hat. Schon jetzt sind Kollegen an insgesamt vier andere Schulen abgeordnet. „Und wenn es an anderen Schulen viele Lehrer gibt, die zur Risikogruppe gehören, werden wir auch da aushelfen müssen.“
Unterrichtsverteilung und Stundenplan unter solchen Umständen zu gestalten, ist auch für einen erfahrenen Pädagogen ein gewisses Kunststück. Auf einen neuen Stellvertreter rechnet er zudem erst ab Februar. Aber Gunnar Demuth lässt sich so leicht nicht einschüchtern: „Wenn wir das durchgestanden haben“, lacht er, „dann sind wir immerhin kampferprobt.“