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Grundschule feiert ihren 90. Geburtstag

So sahen damals die Klassen aus: Einschulungsfoto aus dem Jahr 1950.  Fotos: Privat

So sahen damals die Klassen aus: Einschulungsfoto aus dem Jahr 1950. Fotos: Privat

Oker. Ihren 90. Geburtstag feiert die Grundschule Oker. Das Gebäude in der Wolfenbütteler Straße wird seit 1929 für den Schulunterricht genutzt. Grundsteinlegung war bereits am 2. November 1917. Gefeiert wird am Freitag, 27. September.

Von Petra Hartmann Montag, 16.09.2019, 17:20 Uhr

Dafür haben die neue Rektorin Claudia Kohl und Hans-Jürgen Rappmann – er leitete die Schule von 1995 bis 2017 – sich in die Geschichte des Hauses eingearbeitet. „Schon 1922 machte man sich in Oker darüber Gedanken, in Unter-Oker eine Schule zu errichten“, sagt Rappmann. Der Ort war durch das Aufblühen der Industrie ständig angewachsen. „Mit der Einweihung der Schule in Unter-Oker standen 1929 in ganz Oker vier Schulgebäude mit 20 Klassenräumen zur Verfügung. Für alle Schüler waren 20 Lehrkräfte und ein Schulleiter zuständig“, zählt er auf.

Die Kommune hatte wenig Geld. Die Okeraner planten, dass die örtliche Industrie die Hälfte der Baukosten übernehmen sollte, ferner mussten Darlehen aufgenommen werden. Insgesamt 242.700 Reichsmark kostete der Bau schließlich.

Der ehemalige Schulleiter Herrmann Günther, hielt 1960 in seiner „Heimatkunde Oker“ fest, dass es anfangs schwierig war, die Klassenräume zu füllen. Oft mussten Kinder aus Ober-Oker in die Schule Unter-Oker überwiesen werden. Geändert habe sich das, „als das Gebiet zwischen Goslarscher Straße (heute Wolfenbütteler Straße) und Abzucht besiedelt wurde und kinderreiche Familien hier einzogen. Die Schülerzahl stieg im Schuljahr 1955/56 auf 446“, notierte er. Teilweise bestanden Klassen aus 40 bis 50 Schülern. An vier Wochentagen wurde in zwei Schichten bis 18 Uhr unterrichtet. Die Schule wurde 1953 selbstständig. Der Schichtunterricht endete, als 1959 ein Anbau mit Platz für vier Klassen und zwei Fachräume hinzukam. 1962 wurde die Schule erneut um zwei Klassen vergrößert. 1964 gab es 434 Schüler in 15 Klassen. 1971 wurde die Mehrzweckhalle eingeweiht. Eine Besonderheit war das Lehrschwimmbecken, das gut genutzt wurde. Oft gewannen die Okeraner den Arcachon-Pokal als die Schule, an der prozentual die meisten Schüler das Freischwimmabzeichen haben.

{picture1s} Dass die Erziehungsmethoden damals rau waren, stellte Schulleiterin Kohl beim Blick in die handschriftlichen Akten fest. So erhielt ein Schüler im Jahr 1969 Schläge „wegen unverschämten Verhaltens“ und „Herumwälzen auf dem Turnhallenfußboden“. Ein anderes Kind wurde im Jahr 1950 gezüchtigt „wegen ständiger Bummelei“, und der Schriftführer vermerkte: „Mutter einverstanden.“ Heute kaum noch vorstellbar, damals Normalität.

Nach Eingemeindung Okers in die Stadt Goslar 1972 wurde die Volksschule Unter-Oker eine dreizügige Grundschule mit zwölf Klassen und 270 Schülern. 1974 wurde ein Schulkindergarten eingerichtet.

Ende der 80er Jahre kam der Verdacht auf, dass sich die Umweltbelastung durch die Okeraner Industrie nachteilig auf die Intelligenz der Kinder auswirkt. Eine Professorin untersuchte Haare und Zähne der Schüler. Direkte Wirkungen auf die Intelligenz stellte sie nicht fest, warnte aber, Schwermetall-Belastung könne zu Konzentrationsstörungen führen. Darauf bekam die Schule für zehn Jahre zusätzliche Lehrerstunden zugewiesen.

1996 wurden Sprachheilklassen eingerichtet. Das Kollegium vergrößerte sich von acht auf 16 Lehrkräfte. 1998 wurde die Schule volle Halbtagsschule, zwei Jahre später verlässliche Grundschule.

Im gleichen Jahr nahm die Schule eine besondere pädagogische Herausforderung an und unterrichtete erstmals ein Kind mit Down-Syndrom. Im Jahr 2002 gab es schon eine zweite Integrationsklasse, diesmal mit insgesamt vier Integrationskindern.

Hart war 2001 das Ende des Lehrschwimmbeckens. Rappmann: „Einem Standbein der pädagogischen Konzeption war der Boden entzogen worden. „Glücklicherweise war bereits die Grundlage für eine musisch-kulturelle Neuausrichtung gelegt.“ Heute ist die Schule dreizügig und hat sich als Grund- und Förderschule mit sprachlichem Schwerpunkt etabliert. 16 Lehrer arbeiten dort, dazu kommen je eine Lehrkraft für Deutsch als Zweitsprache und herkunftssprachlichen Unterricht (Türkisch), ein Sozialpädagoge und ein BuFDi. Wünsche für die Zukunft? „Dass wir Ganztagsschule werden“, sagt Claudia Kohl.

Die Grundschule feiert ihren 90. Geburtstag am Freitag, 27. September, von 15 bis 17 Uhr. Die Schüler stellen dann die Ergebnisse ihrer Projektwoche „Schule – früher und heute“ vor. Besucher können eine Schreibstube besichtigen, ferner gibt es ein Lichtspielhaus und eine Lesestube. Wer mag, kann alte Spiele und Singspiele neu entdecken. Die Geschichts-AG und die AG Bühnenspiel stellen sich und ihre Projekte vor. Außerdem lernen die Gäste etwas über Schulen in anderen Ländern. Die alte Schulspeisung wird vorgestellt, und eine Ausstellung zeigt, wie die Klassenzimmer früher ausgesehen haben.

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