Großer Baßgeigen-Happen für Dr. Freist
<p>Rund 50.000 Quadratmeter misst die Erweiterungsfläche, die sich „Dr. Freist Automotive“ in der Baßgeige gesichert hat. Oben sind die Produktionshallen des Unternehmens zu sehen, rechts die Gerhard-Weule-Straße. Foto: Stadt Goslar</p>
Goslar. Expansionspläne in der Baßgeige: Der Automobil-Zulieferer „Dr. Freist Automotive“ (DFA) will sich ein rund 50.000 Quadratmeter großes Grundstück neben seinem Produktionsstandort an der Alten Heerstraße sichern und dann Schritt für Schritt wachsen.
Rund vier Millionen Euro würden im ersten Abschnitt investiert, erklärt DFA-Prokurist Andreas Hannig. Dazu gehört die Einrichtung einer neuen Produktionslinie kommendes Jahr am alten Standort, wodurch erst einmal rund 30 weitere Arbeitsplätze entstehen sollen.
Das neue Grundstück an derGerhard-Weule-Straße soll dann als Logistikfläche entwickelt werden, auf dem Rohstoff- und Fertigteile-Lager eingerichtet und direkt mit der Produktion verbunden werden. Rund 17.500 Quadratmeter sollen im ersten Schritt als Erweiterungsfläche dienen.
Dafür müsse das Unternehmen der Stadt eine „mittlere sechstellige Summe“ zahlen. Die restliche rund 33.000 Quadratmeter große Fläche stehe Dr. Freist für einen Perspektivzeitraum von geplant zehn Jahren nach Bedarf zur Verfügung, erklärte Wirtschaftsförderer Dirk Becker die Bedingungen des Geschäfts. Für den Kauf wäre dann noch einmal eine „siebenstellige Summe“ fällig. Diese Größenordnung sei „kein alltägliches Geschäft“ für die Stadt, so Becker.
Die geplante Investition des Herstellers für Bitumenfolie, die überall dort in einem Auto zum Einsatz kommt, wo es klappern könnte, kommt zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt. Denn DFA-Gesellschafter Dr. Christoph Freist berichtet von einer erwarteten Umsatzdelle von rund 25 Prozent für die Monate November bis Januar. Alle großen deutschen Automobilhersteller gehörten zu den Freist-Kunden. „Die Industrie befindet sich in einem Strukturwandel“, so Freist. Vor allem die Umstellung auf Elektromobilität versetze die Branche in Aufruhr. Freist glaubt aber daran, dass die Geschäftszahlen bald wieder ansteigen, nicht zuletzt, weil auch Elektroautos seine Bitumenfolie bräuchten.
Vier Standorte betreibt DFA, in Goslar, Bielefeld, Mexiko und in den USA. Dr. Freist habe in seine anderen Betriebe bereits kräftig investiert. „Und jetzt ist Goslar dran“, sagt der Firmenchef. Der Betrieb platze nämlich aus allen Nähten.
Für die Stadt habe die geplante Expansion eine „besondere Bedeutung“, sagte Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk. Nicht nur Unternehmen, auch Städte „stehen im Wettbewerb“ um Investitionen und Arbeitsplätze. „Wo fühle ich mich wohl?“ Diese Frage sei für Geschäftsleute entscheidender als die Höhe der Gewerbesteuer. Und es sei Aufgabe der Stadt, eine Wohlfühl-Atmosphäre für Unternehmer und Arbeitnehmer zu schaffen. Dies sei bei der DFA gelungen.
Die Politik soll im ersten Quartal ausführlich 2020 über das Projekt informiert werden. Der Grundstückskauf stelle die Verwaltung vor weitere Aufgaben. Denn das Gewerbegebiet Baßgeige ist damit laut Junk bis auf wenige Restflächen vermarktet. Die Stadt müsse sich nun auf die Suche nach alternativen Flächen machen.
DATEN & FAKTEN
Die Dr. Freist Automotive GmbH
(DFA) geht am 1. Juli 2004 in der
Goslarer Baßgeige an den Start.
2006 wird die erste Bitumenfolien-Anlage in Betrieb genommen.
2009 folgt der Neubau von Labor und Technikum.
Im April 2011 folgt das neue Logistikzentrum (ehemals Getränke-
Brüdern) mit Lager-, Büro- und
Sozialräumen
Am Standort Goslar arbeiten laut Firmenangaben rund 250 Menschen. Weltweit beschäftigt DFA demnach 700 Mitarbeiter.
Dr. Oliver Junk, Rosemarie Walter, Dr. Christoph Freist und Dirk Becker vor der Entwicklungsfläche: Im Hintergrund sind die Produktionshallen von „Dr. Freist Automotive“ zu sehen. Foto: Roß