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Grenzdenkmal Wülperode: Die ersten Hinweistafeln kehren zurück

<p>Die braune Gedenktafel, die an die Grenzöffnung an dieser Stelle erinnert, kommt wieder an ihren Platz.  Foto: Gereke</p>

<p>Die braune Gedenktafel, die an die Grenzöffnung an dieser Stelle erinnert, kommt wieder an ihren Platz.  Foto: Gereke</p>

Nordharz. An einer Ecke des Grenzdenkmals Wülperode kehrt nach der Schändung in der Nacht zum 9. November wieder ein Stück Normalität ein. Gestern erfolgte das Wiederaufstellen der braunen Schilder, die an den Moment erinnern, an dem sich an dieser Stelle zwischen Wülperode und Wiedelah die Grenze öffnete. Damit schließt sich eine von mehreren Wunden, die Unbekannte hinterlassen haben.

Montag, 18.11.2019, 17:36 Uhr

Alle Beteiligten gingen sofort von einer politisch motivierten Straftat aus – das war auch der Grund, warum das Aufstellen so schnell erfolgte. „Weil es einen politischen Hintergrund hat, rutschte es auf der Agenda nach ganz oben“, erklärt Klaus-Peter Uebigau, Leiter der Straßenmeisterei Halberstadt. Im strömenden Regen waren gestern die Männer im Auftrag der Straßenmeisterei Halberstadt aktiv, um zunächst das Gestell zu errichten und die Schilder zu montieren, die aufgrund der sogenannten Brocken-Erklärung der Verkehrsminister 2009 entlang der ehemaligen Grenze aufgestellt worden sind.

Die schnelle Reaktion – sie ist ganz im Sinne der Initiatoren des Grenzdenkmals. „Wir dürfen uns nicht in die Knie zwingen lassen“, hatte Lothar Engler vom Grenzerkreis Abbenrode am Rande der Feierlichkeiten zu den Grenzöffnungen als Zuspruch erfahren und die Devise ausgegeben: „Alles so schnell wie möglich wieder aufbauen.“

Noch nicht klar ist allerdings, wann die Informationstafeln von Fallstein-Gymnasium Osterwieck und Grenzerkreis Abbenrode wieder errichtet werden. „Schnell ist gut, aber nicht immer besser“, sagt Osterwiecks Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ. Nach der Denkmal-Schändung waren die Schautafeln auf dem Gelände des Osterwiecker Bauhofs zwischengelagert worden. Mittlerweile befänden sie sich bei einem Tischler, der die Tafeln wieder aufarbeiten soll.

„Erst dann lässt sich auch sagen, wie hoch die Schadenssumme tatsächlich ist“, sagt die Verwaltungschefin. Ihre Idee: Das Wiederaufstellen soll eine gemeinsame Aktion mit der Schule werden. Apropos Schadenssumme: Alleine der Neubau der Konstruktion für die braunen Schilder und ihr Verzinken haben einen vierstelligen Betrag gekostet, so Uebigau.

Unterdessen kennzeichnen Wagenführs Worte noch immer Wut und Entsetzen über die Tat der Unbekannten. „Wir sind alle betroffen, enttäuscht und entrüstet. Dass so etwas nach fast 30 Jahren deutscher Einheit möglich ist“, sagt sie. „Es geschah zu einem symbolträchtigen Datum und war eine geplante Aktion“, ist sie sich sicher.

Derweil gibt es aber keine neuen Erkenntnisse zu der Schändung, nachdem der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen hat. „Es tauchte bislang kein Bekennerschreiben auf, auch die Befragungen lassen kein Motiv erkennen“, sagt Uwe Becker, Pressesprecher des Polizeireviers Harz in Halberstadt.

Zeugen hätten sich nach dem Vorfall allerdings auch nicht gemeldet. In diesem Zusammenhang ergeht noch einmal sein Appell: Wer in der Nacht zum 9. November verdächtige Beobachtungen rund um das Grenzdenkmal in Wiedelah oder Wülperode gemacht hat oder wer im Nachgang hört, dass sich vielleicht jemand mit der Tat brüstet, sollte Kontakt mit der Polizei in Halberstadt aufnehmen: Telefonnummer (03941) 674-293.

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