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Geschäftssinn trifft auf soziale Ader

Im Lautenthaler Hotel Berliner Bär sind derzeit 34 Flüchtlinge untergebracht, darunter viele Kinder.  Foto: Ciszewski

Im Lautenthaler Hotel Berliner Bär sind derzeit 34 Flüchtlinge untergebracht, darunter viele Kinder. Foto: Ciszewski

Lautenthal/Wolfshagen. Karl-Heinz Makowsky ist seit 35 Jahren Eigentümer des Hotels Berliner Bär in Lautenthal. Das Haus verfügt über 75 Betten. Seit Dezember ist ein Teil mit 34 Flüchtlingen belegt.

Von Jörg Ciszewski Donnerstag, 10.12.2015, 17:44 Uhr

Dabei handelt es sich vorrangig um Familien mit Kindern aus Syrien. Darunter auch Säuglinge. Untergebracht sind sie in einem Nebengebäude, das gesondert von dem Hauptgebäude steht. Im Hauptgebäude mit Rezeption und Wellnessbereich auf der gegenüber liegenden Straßenseite soll der Hotelbetrieb regulär weiterlaufen, sagt Makowsky.

Auf die Frage, warum er sein Hotel für Flüchtlinge geöffnet hat, sagt der 80-Jährige: „Wir müssen helfen.“ Er erzählt dann, dass er selber 1945 aus Danzig flüchten musste. „Man kann die Menschen doch nicht auf der Straße stehen lassen.“ Der wirtschaftliche Aspekt spiele eine untergeordnete Rolle. Die Hotelbetreiber erhalten für jeden untergebrachten Flüchtling eine Pauschale vom Landkreis. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Probleme vieler Hotels in der Region kann das lukrativ sein. Die Hotels melden eine durchschnittliche Auslastung von 30 bis 40 Prozent. „Das kommt auch bei uns so ungefähr hin“, bestätigt Makowsky.

Doch es sei auch ein unsicheres Geschäft, sagt Makowskys Sohn Thomas, der mit seiner Ehefrau Andrea das Hotel leitet. „Wir wissen nicht, wie lange die Menschen bleiben, und ob der Ruf des Hauses Schaden nimmt.“ Anfeindungen über soziale Medien habe es bereits gegeben. Es gebe aber auch sehr viel Hilfsbereitschaft. „Bei uns wird Garderobe für Kleinkinder abgegeben, und es kommen Lautenthaler, die ihre Unterstützung anbieten.“ Im Berliner Bär wäre noch Kapazität für elf weitere Flüchtlinge. Das sei auch so beim Landkreis hinterlegt. „Bei 45 Menschen soll aber Schluss sein“, sagt Makowsky junior. Er betrachtet die Unterbringung der Asylbewerber ohnehin als zeitlich befristetes Projekt.

Das bestätigt Jana Warnecke, Sprecherin des Landkreises Goslar. Bei der Unterbringung in Pensionen und Hotels handele es sich immer um Übergangslösungen. „Ziel ist es, die Menschen möglichst schnell dezentral in Wohnungen einzuquartieren.“ Verträge über Laufzeiten gebe es nicht.

Auch Sascha Klingebiel vom Berghotel in Wolfshagen ist offen für Flüchtlinge. Zum Jahresende stellt er Hotelbetrieb und Gastronomie ein. 14 Mitarbeitern sei zum Jahresende gekündigt worden. Catering mache er weiterhin. „Ich finde kein geeignetes Personal, um das Geschäft angemessen aufrecht zu erhalten“, begründet Klingebiel den Schritt. Auf der Suche nach wirtschaftlichen Alternativen sei die Unterbringung von Flüchtlingen „auf jeden Fall eine Option“. Ihm sei das auch ein soziales Bedürfnis. Sein Interesse sei in Goslar hinterlegt. Auf Nachfrage beim Landkreis heißt es gestern, dass der Wohnraumkoordinator für Flüchtlinge das Angebot aufgenommen habe. Jetzt müsse noch geprüft werden.

Klingebiel will erst einmal im Januar und Februar schließen. „Wir wollen die Auszeit nutzen, um uns neu zu sortieren.“ „Die Voraussetzungen im Berghotel sind für Flüchtlinge ideal“, ist sich Klingebiel sicher. „Hier wird gekocht, wir haben Raum für Schulungen. Eigentlich könnten die Menschen sofort hier einziehen.“

Um ein weiteres Hotel ranken sich derzeit Gerüchte. Das seit Anfang des Jahres leer stehende Hotel Berghof am See an der Innerstetalsperre ist seit einigen Wochen verkauft. Die neuen Besitzer, angeblich ein Trio aus Belgien und den Niederlanden, scheuen allerdings die Öffentlichkeit. Über ihre Pläne wird spekuliert. Mitte der Woche, so die Gerüchte, sei dort ein Bus mit 35 Flüchtlingen aus dem Hahnenkleer Ramada-Hotel vorgefahren. Allerdings hätten sie dort vor verschlossenen Berghof-Türen gestanden und mussten wieder umdrehen.

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