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Gesamtschule steht vor einem Rätsel

Die Adolf-Grimme-Gesamtschule benötigt mehr Schüler-Nachschub für ihre Oberstufe: Ende Januar 2019 eröffnen Oberstufen-Leiter Dr. Julian Geisler (li.) und Direktorin Isabell Lenius den neu hergerichteten Trakt für die oberen Jahrgänge.  Archivfoto: Heine

Die Adolf-Grimme-Gesamtschule benötigt mehr Schüler-Nachschub für ihre Oberstufe: Ende Januar 2019 eröffnen Oberstufen-Leiter Dr. Julian Geisler (li.) und Direktorin Isabell Lenius den neu hergerichteten Trakt für die oberen Jahrgänge. Archivfoto: Heine

Goslar. Nur noch 28 Anmeldungen für den fünften Jahrgang: An der Okeraner Adolf-Grimme-Gesamtschule (AGG) herrscht momentan Ratlosigkeit und Besorgnis. „Wir sind schockiert und stellen uns schon die Frage: Was ist eigentlich passiert?“ Die kommissarische Schulleiterin Isabell Lenius bringt es auf den Punkt. Und sie formuliert auch die grundsätzliche Frage: „Ist die Konzeption einer Gesamtschule überhaupt gewünscht im Landkreis Goslar? Ich bin schon erschreckt, dass so wenig Eltern ihre Kinder bei uns angemeldet haben.“

Von Frank Heine Montag, 13.05.2019, 16:32 Uhr

Die Zahl, die in der Vorwoche am Ende der Anmeldetage unter dem Strich stand, hatte sich laut Lenius durch nichts angedeutet. Mehr als 150 Viertklässler hätten vorab die Schnupper-Angebote an der AGG genutzt. Der neue, mit modernster Technik ausgestattete Trakt für Oberschule war offiziell an den Start gegangen. Die AGG warb dort mit IPad-Klassen. Die Schule war mit Aktionen präsent in der Öffentlichkeit. Kurzum: „Wir haben hervorragende Arbeit geleistet.“

Und dies trotz der schwierigen Ausgangslage in der Schulleitung vorher. Im Januar 2018 hatte die Landesschulbehörde wie berichtet Direktor Jens Liesenberg freigestellt. Ein Verfahren wegen des Verdachts der Untreue liegt immer noch bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig, wie Sprecher Hans Christian Wolters gestern bestätigte. Die erfahrene Peiner Gesamtschuldirektorin Ulla Pleye übernahm kurzfristig bis zum Sommer. Anschließend kam Lenius – und brachte viel frischen Wind mit.

Bei der Ursachen-Forschung will Lenius eigentlich nicht schon wieder eine Standort-Debatte führen. Die alte Frage: Ist Oker der richtige Ort? Wäre Goslar nicht besser, weil zentraler zu erreichen? In der Tat brauchen Schüler aus Seesen für die Anfahrt nach Oker eine Stunde. Von dort kam wie berichtet keine einzige Meldung mehr. Nur zwei wurden aus dem Oberharz gezählt. Michael Conzen, Fachbereichsleiter für Bildung und Kultur beim Schulträger Landkreis, brachte am Freitag auch die aktuelle Dioxin-Debatte ins Spiel – „doch da bewegen wir uns im Bereich der Spekulation.“

Aber wie gesagt: Die Standort-Diskussion will Lenius nicht erneut aufrollen. Sie wirbt für eine Gesamtschulkonzeption mit einem gesunden Mix zwischen (einst) für verschiedene Schulformen empfohlene Schüler – einem Mix, den es von Beginn an in Oker eigentlich nie gegeben habe. Zum Start 2010 hatten sich noch 160 Fünftklässler angemeldet – zehn über dem Maximum. Zuletzt waren die Zahlen auf 55 (2017), 39 (2018) und jetzt 28 nach den regulären Anmeldetagen gesunken. Nachmelder kamen und kommen noch hinzu, sodass es aller Voraussicht nach wohl auch im nächsten Schuljahr zwei fünfte Klassen geben wird. „Wir haben den Bildungsauftrag, 540 Schülerinnen und Schüler zu beschulen –und das werden wir mit allen Kräften tun“, sagt Lenius entschlossen. Sie steht jetzt aber zunächst vor der „Riesenaufgabe“, die Motivation bei Lehrer und Eltern wieder aufzurichten.

Wie sehen die Lünenburger Landesschulbehörde und der Goslarer Schulträger die Lage? Der Landkreis hatte am Freitag schon angekündigt, die AGG-Situation bei der Schulbehörde zum Thema zu machen. „Das Gespräch soll zeitnah terminiert werden“, bestätigte gestern Sprecher Maximilian Strache noch einmal. Einen internen Krisengipfel mit der Politik habe es am Freitag allerdings nicht gegeben. „Im Zuge des regelmäßigen Austausches mit dem Fraktionsvorstand der SPD wurde aber selbstverständlich auch über die aktuellen Anmeldezahlen an den weiterführenden Schulen gesprochen“, erklärte Strache die Anwesenheit des Kreis- und Landtagsabgeordneten Dr.Alexander Saipa im Kreishaus.

In Lüneburg wartet die Behörde ab. „Generell ist die Entscheidung über die Fortführung einer Schule Sache des Schulträgers“, erklärte gestern Sprecher Andreas Herbling. Außerdem verwies er auf die rund 100 Viertklässler, die noch nicht angemeldet seien.

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