Auktion

Geheimnisvolle Koffer sorgen für Überraschungen bei Auktion

Das Seemannsheim versteigert zurückgelassene Seemannskoffer.

Das Seemannsheim versteigert zurückgelassene Seemannskoffer. Foto: Ulrich Perrey/dpa

Im Seemannsheim werden zurückgelassene Koffer versteigert. Die Inhalte bleiben bis zum Schluss verborgen.

Von Lisa Schäfer, dpa 08.07.2026, 16:20 Uhr

Hamburg. Dutzende Schatzjäger haben bei einer Versteigerung von zurückgelassenen Seemannskoffern in Hamburg auf den ganz großen Fund gehofft - und wurden doch teils enttäuscht. Ob Gold, teure Perlen aus fernen Ländern oder Andenken aus einer anderen Zeit - „das kann man alles hier erwarten“, sagte eine Mitbieterin aus dem Publikum. 

Sie ersteigert einen vielversprechenden Karton, den sie ins Hinterzimmer trägt. Mit großen Augen zieht sie zwar ein verziertes Messer, Ledergarnituren und Modellfiguren heraus, aber der Wunsch nach dem großen Schatz bleibt unerfüllt. 

In der Kiste einer Schülerin verbargen sich wertvolle Silberlöffel, Weinzubehör und Schmuckkisten. Über diesen Kauf sei sie mehr als glücklich, teilt sie begeistert mit. Sie würde jederzeit wieder an der Aktion teilnehmen.

Hineinschauen darf man vorher nicht

Die Versteigerung war die erste dieser Art seit 2014 und die zweite überhaupt der Seemannsmission. Ohne vorher hineinschauen zu dürfen, mussten die Teilnehmenden entscheiden, ob sie einen Koffer oder andere Gegenstände ersteigern möchten. Je nach Gewicht des Gepäckstücks lag der Startpreis bei fünf bis zehn Euro. Der gebotene Höchstpreis lag bei 20 Euro.

Der gemeinnützige Verein versteigerte rund 20 Koffer, Taschen und geheimnisvolle Kisten. Der Erlös fließt in die anstehende Renovierung des Vereins. Das Fazit des Geschäftsführers Felix Tolle fiel positiv aus - auch wenn der große Geldsegen ausblieb. Mit dem Gesamterlös von rund 200 Euro zeigte er sich zufrieden. 

Wo kommen die Seemannskoffer her?

Die Koffer wurden von Seemännern in ihren Zimmern im Seemannsheim vor Jahren zurückgelassen. Oft sind es Gegenstände, die die Seemänner in ihrem Alltag gebraucht haben oder die sie glücklich machten, sagte Tolle. Alle Gegenstände, die in einem gewissen Zeitraum nicht mehr abgeholt wurden, werden im Keller aufbewahrt und später versteigert. Bei der letzten Versteigerung 2014 wurde sogar eine Tätowiermaschine und eine Flasche Whisky gefunden. Der Geschäftsführer versichert, dass in Absprache mit den Eigentümern erst die persönlichen Gegenstände gesichert wurden, bevor die Koffer für die Versteigerung freigegeben wurden.

Toll merkte an, dass das Seemannsheim nach wie vor für viele Seeleute „ein Heim in der Ferne“ darstellt. Angeboten werde nicht nur ein langfristiger oder kurzfristiger Schlafplatz, sondern auch Unterstützung in Seelsorge und Bürokratie.

Die Fluktuation der Seemänner im Heim sei weniger geworden, und die Dauerbewohner seien auf 50 Seeleute geschrumpft. Aus finanziellen Gründen bietet das Seemannsheim inzwischen auch Unterkünfte für Touristen an.

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