Gegen den Trend: Ärztin geht aufs Land
Wer in Langelsheim krank wird, muss sich keine Sorgen machen: Für knapp 12 000 Einwohner in fünf Stadtteilen stehen sechs niedergelassene Allgemeinmediziner zur Verfügung. Foto: Techniker Krankenkasse
Langelsheim. Mit Dr. Verena Puppe hat sich die sechste Allgemeinmedizinerin in der Stadt niedergelassen.
Seit zweieinhalb Wochen heißt sie Patienten in ihrer Praxis an der Mühlenstraße willkommen. Sechs Ärzte für knapp 12.000 Einwohner: Damit ist Langelsheim gut versorgt, erklärte Uwe Köster, stellvertretender Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen in Hannover.
Im Planungsbezirk Goslar, zu dem neben Goslar und Langelsheim noch Liebenburg und die Samtgemeinde Lutter gehören, war zu dem Zeitpunkt, als Puppe ihre Ausbildung zum Facharzt beendet hatte, gerade eine Stelle für eine Praxis frei. Um diese bemühte sie sich, hatte Erfolg und entschied sich dann für Langelsheim. Innerhalb eines Planungsbezirkes können niederlassungswillige Ärzte frei entscheiden, wo sie ihre Praxis eröffnen, wenn sie die Zulassung von der Kassenärztlichen Vereinigung bekommen haben. Und diesmal zog Goslar, wo die meisten Ärzte im Bezirk praktizieren, den Kürzeren.
Puppe hat es, wie sie sagt, „der Liebe wegen“ nach Langelsheim verschlagen. Die Allgemeinmedizinerin hat sich bewusst für die Kleinstadt entschieden, weil sie ihren beiden Kindern dort mehr Freiraum lassen kann als in einer größeren Stadt. „Die Kinder haben hier mehr Selbstständigkeit“, sagt sie.
Seit acht Jahren im Beruf, ist sie internistisch orientiert. Puppe hat an der Medizinischen Hochschule in Hannover studiert und dort auch in der Forschung gearbeitet. Das Haus, in der sich die Praxis befindet, wurde innerhalb von rund sechs Wochen für ihre eigenen und die Bedürfnisse der Patienten umgebaut, die Praxis ist über eine Rampe nahezu barrierefrei zu erreichen.
Der Planungsbezirk Goslar, so Köster, weise im hausärztlichen Bereich einen Versorgungsgrad von 110,4 Prozent auf und gelte damit als überversorgt. Deshalb sei es der Kassenärztlichen Vereinigung derzeit nicht möglich, in diesem Bezirk eine weitere Praxis zuzulassen. Dies wäre jedoch für Langelsheim günstig, denn in der Bedarfsplanung werde eine statistische Verhältniszahl von 1671 Einwohnern pro Arzt angestrebt. Langelsheim sei also mit 2000 Einwohnern pro Arzt „nicht ganz optimal, aber immer noch ausreichend“ versorgt.
Entgegen dem Trend hat sich Dr. Verena Puppe für eine Tätigkeit als klassische Hausärztin für die ganze Familie entschieden. „Und das ist ein ganz anderes Arbeiten als an der MHH“, sagt die 33-Jährige und wirkt dabei sehr gespannt auf ihr neues Leben.
Dr. Verena Puppe bespricht sich mit ihren Mitarbeiterinnen Lisa Brandes und Raziye Basgüner (v.li.). Foto: Borchers