Gastronomisches Wahrzeichen „Puppe’s“ feiert 100-jähriges Bestehen
Der Treffpunkt für Urlauber und Einheimische: Bei „Puppe’s“ ist stets jede Menge los. Archivfotos: Privat
Braunlage. Was die „Wunderbar“ in Westerland oder das „Café Wichtig“ in Timmendorfer Strand ist, ist „Puppe’s“ in Braunlage: ein echtes gastronomisches Wahrzeichen. Der Treffpunkt für Einheimische und Urlauber in der Hochharzstadt hat am Ostersonntag 100-jähriges Bestehen gefeiert. Geschäftsführer Joachim Klaeden hält seit 1988 die Zügel in der Hand. Sein Vater, Rolf Klaeden, hat den Betrieb von 1953 bis 1988 geführt, und danach seinen Sohn noch viele Jahre mit Rat und Tat unterstützt.
Gegründet hat das Unternehmen der Großvater von Joachim Klaeden, Erich Puppe. Mit 23 Jahren hat der Vollblut-Kaufmann den Filialbetrieb von Max Görnemann, den er bereits leitete, am 12. April 1920 übernommen. Bei dem Geschäft am Brunnen handelte es sich um einen Groß- und Einzelhandelsbetrieb. „Mein Opa hatte drei Hanomag-Lastwagen, mit denen sind er und seine Mitarbeiter bis nach Blankenburg gefahren und haben Gaststätten und Hotels mit Lebensmitteln versorgt“, sagt Joachim Klaeden.
Das Haus von „Puppe’s“ um 1920, als Erich Puppe den Betrieb eröffnet.
Während Erich Puppe als engagierter Mann der Lebensmittelversorgung nicht als Soldat in den Zweiten Weltkrieg ziehen musste, kämpfte sein 1924 geborener Schwiegersohn Rolf Klaeden bis 1945 gegen die Alliierten. Beide haben den Krieg aber relativ unbeschadet überstanden. Rolf Klaeden machte danach eine Ausbildung in einem renommierten Feinkosthaus in Braunschweig, heiratete 1950 Puppes Tochter Brigitte und stieg dann in den Betrieb mit ein.
1953 musste Rolf Klaeden plötzlich die Geschäftsführung übernehmen. Erich Puppe starb nach einer Volksbank-Aufsichtsratssitzung völlig unerwartet an einem Herzinfarkt. Rolf Klaeden modernisierte den Betrieb weiter und baute 1956 sowie 1963 an. 1969 schloss er den Innenausbau dann zunächst ab.
Ein echtes Familienunternehmen: Max, Andrea, Joachim und Sarah Klaeden (v.li.) engagieren sich für den Betrieb, der 30 Mitarbeiter beschäftigt. Foto: Brabanski
Rolf Klaeden hatte sich vor allem auf die Kaffeeröstung konzentriert. Ein Geschäftsfeld, das aber nicht geblieben ist. „Die großen Kaffee-Anbieter hatten den Betrieben eigene große Kaffeemaschinen bereitgestellt, wenn sie den Kaffee bei ihnen kaufen“, erinnert sich Joachim Klaeden. „Weil seinerzeit so eine Kaffeemaschine so viel wie ein Haus kostete, konnten wir nicht gegenhalten“, erklärt er.
Geprägt hat den Betrieb in dieser Zeit vor allem auch der leitende Mitarbeiter Hans Herden, der mehr als 50 Jahre bei „Puppe’s“ beschäftigt war. „Von ihm habe ich sehr viel gelernt“, sagt Joachim Klaeden voller Anerkennung. „Die Firma stünde heute nicht so erfolgreich da, wenn Hans Herden nicht so viel mitgeholfen hätte.“
Erich Puppe hinter dem Tresen seines gleichnamigen Geschäftes.
Und auch Joachim Klaeden modernisierte den Betrieb stets weiter, nachdem er ihn 1988 übernommen hatte. Er erweiterte das Sortiment um Souvenirs, Modellautos und weitere Braunlage-Produkte. Zudem führt Joachim Klaeden unter anderem die Eigenmarken Hexenpunsch, Hexenbier und Hexensecco ein, die einen Bekanntheitsgrad weit über den Harz hinaus erreicht haben. Von März bis August 2000 baute Klaeden eine kleine Bierstube mit Aufschnitt-Theke an, die 2006 und dann von 2011 bis 2013 weiter erweitert und modernisiert wurde.
2006 eröffnete Andrea Klaeden das Bekleidungsgeschäft „Bella Cosa“. Im gleichen Jahr kam auch der Minigolf-Platz hinzu, der später in Zusammenarbeit mit der Braunlage Tourismus Gesellschaft zum Adventure-Golfplatz ausgebaut wurde. 2012 wurde „Puppe’s-Spielkiste“ eröffnet, „weil wir keinen Spielzeugladen mehr in der Stadt hatten“, wie Klaeden betont, und 2015 kamen am Platz Neue Mitte drei Ferienappartements hinzu, die an Urlauber vermietet werden.
Im Grunde wollte die Familie Klaeden diesen 100. Geburtstag entsprechend feiern, aber die Corona-Krise machte einen Strich durch die Rechnung. Das nächste Vorhaben steht allerdings schon bevor. Eigentlich wollte Familie Klaeden zu Ostern das Schuhgeschäft „Harzsneaks“ in der Elbingeröder Straße eröffnen. Wegen der Corona-Krise musste sie diesen Plan erst einmal verschieben. Wann jetzt eröffnet wird, steht noch nicht fest. „Wir müssen erst einmal abwarten, wie sich das alles entwickelt“, sagt Joachim Klaeden.