Ganz neue Töne beim Glockenspiel
Mathias Derlin (rechts) und Oliver Heinrich testen die neue Technik am Goslarer Glockenspiel. Fotos: Epping
Goslar. 1968 stiftete die Preussag zur 1000-Jahr-Feier des Rammelsberger Bergbaus das Glocken- und Figurenspiel am Marktplatz. Jetzt ist die digitale Revolution auch auf dem Zwerchgiebel des ehemaligen Kämmereigebäudes angekommen, wo das Geschenk eingebaut wurde. Gerade Weihnachtsmarktbesuchern dürften die Neuerungen auffallen.
Denn um 10.01 Uhr erklingt nun täglich der Weihnachtsklassiker „Jingle Bells“, um 20.01 läutet „Stille Nacht“ die besinnliche Zeit des Tages ein. Die Zeiten wurden übrigens so gewählt, damit Glockenspiel und Kirchenglocken sich nicht in die Quere kommen. Möglich ist die neue Auswahl an Liedern wegen einer neuen, digitalen Steuereinheit, die das Goslarer Gebäudemanagement installiert hat. Natürlich ist der tägliche Ablauf einprogrammiert.
Neben den beiden Weihnachtsliedern erklingen weiterhin das übliche Morgen- und Nachtlied und die Musikuntermalung zu den vier täglichen Umläufen der Figuren, die die Goslarer Bergbaugeschichte erzählen. Aber jetzt ist eben mehr möglich, wie Oliver Heinrich, Geschäftsführer des Goslarer Gebäudemanagements, erzählt. Per Fernbedienung könne das Glockenspiel nun auch spontan vom Marktplatz aus aktiviert werden. Auch bei der Musikauswahl ist „alles denkbar“, so Heinrich. Insgesamt zehn Titel können eingespeichert werden. Die neue Steuereinheit wurde installiert, weil das Glockenspiel im Sommer defekt war und keine passenden Ersatzteile mehr erhältlich waren. Zunächst habe man sich mit einem Provisorium ausgeholfen, dann aber die fälligen 10.000 Euro investiert.
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Mathias Derlin, Geschäftsführer der Goslar Marketing Gesellschaft, (GMG), hat einige Ideen für die Umsetzung. Zum Beispiel könne man einen Paul-Lincke-Ring-Träger nach der Preisverleihung ein Ständchen auf dem Marktplatz spielen oder bei Walpurgis-Feiern für passende Musik sorgen. Für großen Medienrummel sorgte zuletzt das Glockenspiel in Halle, das ein paar Nummern größer ist, als die Goslarer Version. Ein Künstler hatte dort „Hells Bells“ von AC/DC live eingespielt. Das Youtube-Video wurde schon mehr als 150.000 Mal aufgerufen. Kann Goslar das auch?
„Vielleicht können wir auch etwas Eigenes schaffen“, sagt Derlin dazu. Außerdem dürfe das Glockenspiel nichts Beliebiges werden. Es ziehe immer noch die Leute auf dem Marktplatz in seinen Bann, wenn es ertönt und die Goslarer Bergbaugeschichte erzählt. Daran solle sich auch grundsätzlich nichts ändern. Derlin hält es aber für denkbar, dass für „drei bis fünf“ Events im Jahr ganz besondere Töne aus dem Glockenspiel erklingen.