„Galerie 5m2“ als Gemeinschafts-Projekt in der Bummelallee eröffnet
Nicht jeder Künstler kann eine eigene Galerie betreiben. Eine Alternative kann so etwas wie das Gemeinschaftsprojekt in der Herzog-Wilhelm-Straße 90 sein. Die ersten Beteiligten sind (v.l.) Bärbel Moré, Madeleine Gorges, Hans Mittendorf, Doris Weiß, Hans Georg Wöhle und Taissia Habekost; nicht im Bild Clarissa Blum-Engelke. Einblick nehmen in die Galerie können Passanten durch das Schaufenster (Bild r.). Fotos: Potthast
Bad Harzburg. Fünf Quadratmeter für jeden Künstler. Sieben sind es, die in der „Galerie 5m2“ ihre Werke zeigen. Am Freitag haben sie sich, ihre Kunst und den Ausstellungsraum in der Herzog-Wilhelm-Straße90 vorgestellt. Initiator des Projekts ist Hans Mittendorf aus Seesen.
Ein verregneter Sonntag im Januar war es, als er durch die belebte Bummelallee spazierte und an dem kleinen Laden mit der Hausnummer 90 Halt machte. „Zu vermieten“ las Hans Mittendorf, hatte die Idee für ein Kollektiv, nahm Kontakt zum Vermieter auf und mietete die Räume im Februar. Eine Woche habe er gebraucht, um die Künstler zu finden, sagt er. Lediglich die Schienen zur Hängung der Bilder mussten installiert werden, alles andere war bereit für die „Galerie 5m2“, für deren Eröffnung Ende März.
Es soll eine aktive Galerie werden, so Hans Mittendorf: Interaktionen mit den Menschen auf der Straße sollen sein. Eine Installation beispielsweise zum Salz- und Lichterfest kann er sich vorstellen. Und: „Wir sind offen für Bedürfnisse.“ Gefällt der Stil eines Kunstschaffenden, kann ein Galerie-Besucher das von ihm gewünschte Motiv gestalten lassen. Kunst soll eine Tourismusattraktion werden. Daher möchte Hans Mittendorf auch in Kontakt kommen mit der Stadtverwaltung, mit dem Stadtmarketing. Bad Harzburg soll man künftig auch Kunst verbinden, so sein Ansinnen. An Bürgermeister Ralf Abrahams gewandt sagte er am Freitagabend: „Ich denke, dass wir hier ’ne Menge veranstalten können.“
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Jeder Künstler zahlt Miete für die Zeit seiner Präsentation, kann die Preise für seine Werke frei gestalten. Jeder habe die Chance, sagt Hans Mittendorf, genug zu verkaufen, um seine Unkosten zu decken. Er möchte, dass die Künstler auf eine Ebene kommen, ohne an Konkurrenz zu denken. Zwischen den derzeit Ausstellenden sei das zumindest nicht ein einziges Mal thematisiert worden. Alle vier Wochen wird einer „Künstler des Monats“ sein. Bärbel Moré ist es aktuell. Sie hat sich für die Galerie mit dem Bauhaus auseinandergesetzt – 100 Jahre nach Gründung der Kunstschule in Weimar. Als „richtige Herzstücke“ beschrieb Hans Mittendorf ihre Bilder am Freitag. Daneben haben die Arbeiten von Madeleine Gorges ihre fünf Quadratmeter. Ihre Assoziation zu Bad Harzburg: Tiere. Wildschwein, Fuchs, Hase, Igel und Co. sind es geworden. Denen folgen in „5m2“ Wald-Wiesen-Gemälde und Akte von Doris Weiß. Hans Georg Wöhle, ein Impressionisten-Urgestein laut Hans Mittendorf, hat seine Bilder auf der anderen Seite der Raum trennenden Wand. Und in Nachbarschaft von Taissia Habekosts Menschengruppen-Serie und ihren kleinformatigen Plastiken.
Malerei von Clarissa Blum-Engelke – sie war am Freitag nicht vor Ort – hat ihren Platz in der Nähe des Schaufensters. In dem präsentiert Hans Mittendorf – für ihn war Malerei zunächst Ausgleich zu seinem Komponisten-Dasein – eine Auswahl seiner digitalen Motive auf einem Bildschirm. Wie seine Bilder ausgedruckt wirken können, demonstriert er zusätzlich in der Galerie.
Viele Gäste waren am Freitag dort, um Ausstellungsraum und Kunst zu sehen und miteinander und mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Musik machte Jürgen Blume, ein ehemaliger Lehrer von Hans Mittendorf. Der hat das Gemeinschafts-Projekt „Galerie 5m2“ auf ein Jahr ausgelegt.